Interkulturelle Projektwoche
Für fünf Tage "Vereint in Vielfalt"

Das „Sarg-Mal-Projekt“ aus dem anhaltischen Kinder- und Jugendpfarramt gehörte schon öfter zur Projektwoche.  | Foto: Thorsten Keßler
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  • Das „Sarg-Mal-Projekt“ aus dem anhaltischen Kinder- und Jugendpfarramt gehörte schon öfter zur Projektwoche.
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In der Woche vor den Osterferien stand für die drei neunten Klassen der Dessauer Sekundarschule Kreuzberge anstelle von Unterricht die interkulturelle Projektwoche „United in Diversity“ (Vereint in Vielfalt) auf dem Lehrplan. Fünf Tage lang haben sich die rund sechzig Schülerinnen und Schüler auf unterschiedliche Weise mit Tod und Sterben sowie dem Umgang damit in Religion und Gesellschaft auseinandergesetzt.

Seit mittlerweile über 15 Jahren läuft die jährliche Projektwoche der Sekundarschule zusammen mit dem Kinder- und Jugendpfarramt der Evangelischen Landeskirche Anhalts sowie weiteren Partnern. Unter anderem unterstützen die Freie Evangelischen Gemeinde Dessau, die Evangelische Jugendstiftung St. Johannis, die jüdische und die muslimische Gemeinde und die Stadt Dessau. Neben Besuchen in Kirche, Synagoge und Moschee haben die neunten Klassen im Hospiz, im Klinikum und in einem Beerdigungsunternehmen sozusagen hinter die Kulissen geschaut. Erlebnisse und Erkenntnisse der Tage wurden kreativ umgesetzt und am letzten Tag in der Freien Evangelischen Gemeinde Dessau präsentiert.

Die Synagoge besuchen die meisten Jugendlichen zum ersten Mal. Im Gebetsraum erzählt Helga Sokolava den Jugendlichen über das Judentum, erklärt besondere Speisevorschriften, Symbole und Gegenstände. Das Tragen einer Kippa ist ein Anknüpfungspunkt für Nachfragen. Das Selfie mit Kippa gehört zwar auch irgendwie dazu, aber insgesamt herrscht während der 90 Minuten Aufmerksamkeit und respektvolle Stille. „Es hat sich besonders angefühlt“, betont Ronaldo und Leonie findet, „der Raum ist modern und es hat gut gerochen“.

Die neunten Klassen der Sekundarschule sind bunt gemischt. Muslimische Jugendliche, junge Christinnen und Christen. Die meisten von Haus aus aber wohl ohne Bezug zu Religionen. Der Respekt vor den heiligen Räumen ist für Aron Russ, Verwaltungsleiter der Dessauer Gemeinde, ein gutes gesellschaftliches Zeichen „und zeigt, dass Schüler trotz unterschiedlicher Hintergründe, respektvoll und interessiert mit dem Thema Religion umgehen. Eine schöne Erkenntnis.“

Aron Russ wird anschließend von den Jugendlichen der Video-Gruppe interviewt. Unter der Leitung von Ary Lieberwirth und Leo Schlaikier entsteht mit professioneller Ausrüstung vom Offenen Kanal Dessau ein zehnminütiger Film mit Straßenumfragen und Interviews über die Projektwoche.

Das künstlerische „Sarg-Mal-Projekt“ von Carsten Damm aus dem Kinder- und Jugendpfarramt ist nicht zum ersten Mal Workshop-Thema bei der Projektwoche. Der Jugendclub „Thomas Müntzer“ im Dessauer Süden wird dafür zum Atelier. Auf zwei Böcken steht ein Holzsarg. Am Montag, dem ersten Tag der Projektwoche, hatte das Bestattungsunternehmen Lilie Sarg und Urne geliefert, die die Schülerinnen und Schüler mit bunten Motiven bemalten. Leonie sagt: „Ein bisschen freundlicher. Es soll bei der Beerdigung nicht nur schwarz und traurig sein, sondern bunter, ein bisschen wie Frühling.“

Als Hausaufgabe hatten die Schüler ihre Vorstellung von einem bunten Sarg auf einem Sargmodell aus Pappe skizziert. Unter der Anleitung von Carsten Damm wurden die Motive zu einem Gesamtbild vereint.
Den gestalteten Sarg hat der Bestatter am 26. März wieder abgeholt. Er bietet ihn nach der Präsentation der Projektwochen-Ergebnisse, die am 27. März war, bei sich im Ausstellungsraum zwischen klassischen Holzsärgen an. Ein bunter Sarg ist alles andere als ein Ladenhüter; beim letzten Mal war der farbige Sarg schon nach wenigen Tagen verkauft.
Für die jungen Künstlerinnen und Künstler ist die Vorstellung, dass wirklich jemand in „ihrem“ Sarg beigesetzt wird, schon etwas seltsam. „Ein unangenehmes Gefühl“ empfindet Noah und seine Nachbarin ergänzt „Krass! Ich gebe mir auch extra Mühe. Aber es ist ein krasser Gedanke, dass wirklich jemand begraben wird, ne!“
Thorsten Keßler

Das „Sarg-Mal-Projekt“ aus dem anhaltischen Kinder- und Jugendpfarramt gehörte schon öfter zur Projektwoche.  | Foto: Thorsten Keßler
In der Dessauer Synagoge: Helga Sokolava erklärt den Jugendlichen jüdische Symbole und Gegenstände. | Foto: Thorsten Keßler
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