Fachkräfte: Diakonische Einrichtungen zwischen Ethik und Wettbewerb
Konkurrenz be(k)lebt das Geschäft

Plakat des Anstoßes: Die Stiftung Finneck sucht Physiotherapeuten – direkt vor den Toren der Bad Sulzaer Sophienklinik.
  • Plakat des Anstoßes: Die Stiftung Finneck sucht Physiotherapeuten – direkt vor den Toren der Bad Sulzaer Sophienklinik.
  • Foto: Tina Behr
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Eine Werbeaktion der Stiftung Finneck hat jüngst für Unmut gesorgt: Das diakonische Unternehmen aus Rastenberg hatte an der Zufahrtsstraße zur Sophienklinik in Bad Sulza mit einem auffallend bunten Plakat um therapeutische Fachkräfte geworben.

Von Beatrix Heinrichs

In einem Brief an die Stiftung Finneck, der der Redaktion vorliegt, kritisiert Eckart Behr, Geschäftsführer der Bad Sulzaer Einrichtung, die Maßnahme. Mehrfach schon hätten in den zurückliegenden Jahren private Krankenhauskonzerne direkt vor den Toren regionaler Mitbewerber um Arbeitskräfte geworben, meist verbunden mit entsprechenden Abwerbeprämien, so Behr. „Keinesfalls ist ein solches Vorgehen das, was wir unter Mitgliedern des Diakonischen Werkes für angemessen halten.“ Seiner Ansicht nach sollte in diakonischen Einrichtungen „harte Marktwirtschaft mit ethischen Grundprinzipien einhergehen“.

In seinem Schreiben hatte der Diakon den Vorstand der Rastenberger Stiftung deshalb aufgefordert, seine Werbestrategie „im diakonischen Kontext“ zu prüfen. Er verwies dabei auf die Selbstverpflichtung der Mitgliedseinrichtungen der Diakonie Mitteldeutschland. Dieser sogenannte Code of Conduct (Verhaltenscodex) wurde bereits 2017 beschlossen. Demnach stellt unmittelbarer Wettbewerb zwischen diakonischen Unternehmen – ob im selben Geschäftsfeld, in derselben Region oder demselben Einzugsbereich – eine Konkurrenzsituation dar.

Laut Frieder Weigmann, Sprecher der Diakonie Mitteldeutschland, regelt der Codex, dass Konfliktsituationen möglichst im Gespräch geregelt werden sollten. „Mit der Selbstverpflichtung erklären sich die Mitgliedsunternehmen bereit, den direkten Dialog mit den betroffenen diakonischen Unternehmen zu suchen, wenn eine Konkurrenzsituation aufgrund geplanter Aktivitäten absehbar ist.“

Wie Behr mitteilte, sei eine Reaktion auf sein Schreiben seitens der Stiftung Finneck bislang ausgeblieben. Auf Nachfrage der Kirchenzeitung erklärte Silke Kösling vom Stiftungsvorstand: „Das Thema Fachkräftesuche ist für uns von höchster Priorität.“ Im konkreten Fall habe man Mitarbeiter gesucht für eine Therapiepraxis, die unter dem Dach des gemeinnützigen Bildungs-Dienstleistungs-Zentrums Sömmerda, einem Tochterunternehmen der Stiftung Finneck, verortet ist.

„Die Personalsituation in allen unseren Einrichtung macht uns an einigen Stellen sehr große Sorgen. Es fehlen im Bereich Pflege, Schule, Therapie und stationäre Angebote zunehmend Fachkräfte.“ Man habe so schon vor der Entscheidung gestanden, deswegen Einrichtungen und Angebote schließen zu müssen, erklärt Kösling. Zur Akquise nutze man verschiedene Kanäle und Medien und plakatiere auch regelmäßig im Umfeld.

Die Erfolge allerdings seien ernüchternd: „Im Bereich der Therapeuten haben alle diese Maßnahmen seit gut einem Jahr keine nennenswerten Früchte getragen“, so Kösling, die seit 2020 mit Joachim Stopp die neue „Doppelspitze“ der Stiftung auf Vorstandsebene bildet. Deshalb habe man sich entschieden, in diesem Einzelfall eine Antrittsprämie als Anreiz anzubieten.

Bei der Entscheidung für die Platzierung der Plakate habe man „auf Erfahrungswerte“ zurückgegriffen. „Mitbewerber in der Region tun das ebenso, sodass wir hier im Grunde nur nachziehen“, sagt Kösling und räumt ein: „Die Aktionen dienen keineswegs dazu, Fachkräfte von anderen diakonischen Trägern abzuwerben.“ Daher wolle man prüfen, ob das Vorgehen erfolgreich und zielführend ist.

Sollte sich auf regionaler Ebene keine Lösung für die Konfliktsituation finden, kann das Diakonische Werk Mitteldeutschland über seinen Vorstand beteiligt werden, um einen Interessenausgleich herbeizuführen. So regelt es die Selbstverpflichtung, auf die sich die Mitgliedsunternehmen verständigt haben. "Als Dachverband haben wir kein Direktionsrecht," erklärt Weigmann. Komme es aber zu keiner Verständigung, könne der Schlichtungsrat angerufen werden. "Klar ist: dem Wettbewerb muss man sich stellen, auch unter diakonischen Trägern", so Weigmann. "Einen fairen Umgang untereinander setzt das aber voraus."

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Beatrix Heinrichs

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