Andacht im Advent
Und jetzt sollst du stumm sein ...

Liebe Mitmenschen!

Sie stehen in den Fenstern, schmücken die Schaufensterauslagen und jedes Jahr wieder schlüpfen die Kinder beim Krippenspiel gern in das weiße Gewand mit den Federn auf dem Rücken. Advent und Weihnachten, es ist die Zeit der Engel. Sie kommen zu den Menschen. Plötzlich steht der Engel Gabriel vor Zacharias: „Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört worden, und Elisabeth, deine Frau wird dir einen Sohn gebären.„ Diese Begegnung verschlägt Zacharias, dem Tempeldiener, geradewegs die Sprache. „Und jetzt sollst du stumm sein, und nicht reden können, bis zu dem Tag an dem dies geschieht“. (Lk 1,20) Die Geburt Johannes des Täufers, dem Wegbereiter des Messias Jesus Christus.

„Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe, der Herr kommt gewaltig.“ Jes 40,3.10

Der Advent 2021 ist anders als erwartet, anders als erhofft. Kein Gespräch dieser Tage, dass nicht irgendwann die aktuelle Coronalage aufnimmt. Da ist viel Ratlosigkeit, Wut und Angst. Es gibt großen Gesprächsbedarf und gleichzeitig geht es mir wie Zacharias. Mir verschlägt es die Sprache. Angesichts der vielen Menschen, die ihren existentiellen Halt verlieren, die vielleicht gerade so in der ersten und zweiten Welle durch die Krise gekommen sind, Menschen, die immer wieder Hoffnung schöpften und gekämpft haben. Nicht wenige haben ihre Alterssicherung für das Überleben der eigenen Firma aufgebraucht. Viele waren oder sind wieder in Kurzarbeit. Ich denke an die junge Frau, die sagt: Ich komme zum Gespräch zu Ihnen, weil ich weiß, sie hatten auch Corona, sie verstehen mich. Von ihren Kollegen ist zu hören: Was du bist noch nicht gesund? Bei mir ist es nach zwei Wochen schon vorbei gewesen. Da verläuft plötzlich ein Graben auf vorher sicherem Gelände. Ich denke, an die Familien, die den Tod eines Angehörigen betrauern. Abschiede, die kaum möglich waren und die Gedenkveranstaltung des Bundespräsidenten für die Opfer der Pandemie im April 2021, auf der an ganz konkrete Menschen aus unseren Gemeinden und ihren Familien gedacht wurde. Eine Kerze nach der anderen wird im Kreis würdevoll entzündet und die Gesichter der Menschen werden gezeigt. Jetzt mitten in der vierten Welle, höre ich mehr zu, als dass ich selbst sprechen kann. Vielleicht aus Demut, vielleicht aus dem Schrecken heraus, die Erkrankung selbst erlebt zu haben, vielleicht weil mir innere Ruhe jetzt besonders nötig erscheint, vielleicht um den Anderen Raum zu geben ... . Gern höre ich in dieser Zeit die Worte des Engels: „Fürchte dich nicht!“ Es ist als braucht die Seele erst diesen tiefen friedensstiftenden Zuspruch. Einen tiefen Atemzug, der die Furcht vertreibt. „Fürchte dich nicht!“ Dann erst kann ich bereit werden für das adventliche Wort: „Bereitet dem Herrn den Weg“. Mit achtsamen Schritten gehen. Einen Atemzug nach dem anderen, trotz körperlicher und seelischer Anstrengung. Unser Atem fließt. In ihm liegt viel Ruhe und Kraft. Achte ich auf ihn, kehre ich ein in einen stillen Raum. Die Nähe Gottes, Stille suchen, im Gebet. Gern und oft in seiner Gegenwart verweilen. Sich IHM öffnen, sich IHM anvertrauen, seinen Zuspruch wirken lassen, den eigenen Lebensrucksack vor ihm abstellen, ausruhen in der Gegenwart seiner Engel, die vor Gott stehen. „Kommt alle zu mir“, sagt Jesus, „die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt! Ich will euch Ruhe verschaffen.“ Wenn uns in diesen Tagen die Worte verloren gehen, dann soll auch das im Gebet seinen Platz haben. Beten ist kein Tun und Machen, es ist ein bewusstes, stilles, ruhiges, atmendes Dasein vor Gott. Es ist ein Hören auf Gott, ein Hören auf die göttliche Stimme in uns. „Ich schaue Gott an und Gott schaut mich an.“ Advent 2021.

Es grüßt Sie herzlich Pfarrerin Denise Scheel

Autor:

Denise Scheel

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