Jena: Martin-Niemöller-Gemeinde pflegt Tradition
Zur Kirmes mit der Landesbischöfin

Gut vorbereitet: Beate Kraushaar kümmerte sich am Kirmes-Nachmittag um die kleinen Gäste der Gemeinde.
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  • Gut vorbereitet: Beate Kraushaar kümmerte sich am Kirmes-Nachmittag um die kleinen Gäste der Gemeinde.
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Die Tannen vor den spitz zulaufenden Fenstern des Gemeindesaals sind groß geworden, ihre Stämme inzwischen so hoch, dass sie den Blick freigeben auf die Plattenbauten von Lobeda. Zwischen den Hochhäusern in Jenas Neubaugebiet und dem dörflichen Altlobeda liegt das Martin-Niemöller-Haus. Bereits zum 36. Mal feierte die Gemeinde an diesem Wochenende hier ihre traditionelle Kirmes. Das Gemeindefest stand in diesem Jahr unter dem Motto „Friedensreich – wer wagt gewinnt“.

Die Predigt beim Festgottesdienst am Vormittag hielt Ilse Junkermann. Das Motto der Gemeinde-Kirmes gefalle ihr, sagte die Landesbischöfin. "Es drückt aus, dass Frieden nicht selbstverständlich da ist, und auch nicht bleibt. Frieden braucht unseren aktiven Willen." Und, aktiv zu werden, das lohne sich.

Das weiß auch Ingrid Poschmann. Seit 40 Jahren ist sie im Gemeindekirchenrat des Lobedaer Kirchengemeindeverbands, der 3 000  Gemeindemitglieder zählt. Als es vor über 36 Jahren darum ging, ob hier ein Haus für die Gemeinde enstehen solle, habe es in den Hauskreisen viele Diskussionen gegeben. "Schon damals haben viele Christen im Neubagebiet gewohnt. Hauskreise hatten sich etabliert. Aber für manche war es eine Hemmschwelle, Besuch zu Hause zu empfangen. Allerdings stand die Frage, ob mit einem Gemeindehaus auch die Hauskreise weiter Bestand haben würden," erinnert sich Ingrid Poschmann. Doch man wollte es wagen: 10 000 Mark habe die Gemeinde damals selbst aufgebracht, um den Bau zu finanzieren. "Das Haus hat eine für DDR-Zeiten ungewöhnlich moderne und durchdachte Architektur. Zum Beispiel gibt es behindertengerechte Zugänge und helle Räume im Kellergeschoss, die für die Kindergottesdienste genutzt werden können." Der Name des Hauses sei zudem verbunden mit einer besonderen Ost-West-Geschichte: Der inzwischen verstorbene Pfarrer Harald Messlin hatte seinerzeit eigens Martin Niemöller besucht und ihn gebeten, für das Haus die Namenspatenschaft zu übernehmen. Was der Theologe auch tat. Ein handsigniertes Porträt im Flur erinnert daran.

Für die Kirchenkirmes am Nachmittag hatte die Gemeinde um Pastorin Maria Krieg verschiedene Themencafés vorbereitet, bei denen es um den Friedensbegriff und Friedensvisionen in der Bibel ging. Eröffnet wurde das Fest mit dem Singspiel „Schneewittchen“. Denn auch über einen Kultur- und einen Theater-Keller verfügt das Haus. "Unserer Jugend steht der Raum zur freien Verfügung", sagt Pastorin Krieg und erzählt nicht ohne Stolz von einem jüngeren Gemeindemitglied, der die hauseigene Bühne bespielte und nun für das Studium am Max Reinhardt Seminar in Wien zugelassen wurde. "Das Signal", sagt die Landesbischöfin bei einer kleinen Tour durch das Haus, "dass hier junge Leute eigene Räume selbst gestalten können, ist unbezahlbar."
Beatrix Heinrichs

Hintergrund
Schon gewusst: Der Begriff "Kirmes" leitet sich aus der Verkürzung des Wortes "Kirchweihmesse" ab und steht im heutigen Sprachgebrauch zumeist für ein Volks- oder Gemeindefest, das sich aus einer Kirchweih entwickelt hat.

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