Szenen mit riesigem Bürgerchor

Klangvoller Einsatz der Sängerinnen und Sänger aus Halle und der Region
  • Klangvoller Einsatz der Sängerinnen und Sänger aus Halle und der Region
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Die Oper Halle bringt zum Reformationsjubiläum eine szenische Collage zu Kompositionen von Johann Sebastian Bach auf die Bühne. Dabei spielen Laienschauspieler eine wesentliche Rolle.

Von Claudia Crodel

In der Oper Halle laufen derzeit die Proben für eine außergewöhnliche Produktion auf Hochtouren: »Luther – das Kantaten-Projekt«. Als die neue Leitung der Oper Halle vor gut eineinhalb Jahren ihre erste Spielzeit plante, überlegte sie auch, wie man das Reformationsjubiläum einbeziehen könne. »Es gibt viele fertige Stücke über Luther oder Katharina von Bora. Aber wir wollten etwas anderes machen, als biografisch und historisch nachzuerzählen. Wir wollten nicht zu eng an Luther dranbleiben«, blickt Veit Güssow zurück, der für das Konzept und die Regie verantwortlich zeichnet. Man besann sich auf die vielen Kantaten von Johann Sebastian Bach, und zwar auf die kirchlichen wie die weltlichen. »Viel basiert da auf Lutherliedern und protestantischen Gedanken«, erläutert Güssow. Die beeindruckende musikalische und sprachliche Rhetorik biete die Grundlage für die Auseinandersetzung mit Luther. Dabei bringe man bestimmte Aspekte aus Luthers Leben ein, frage auch nach den hellen und dunklen Seiten des Reformators und der Geschichte der Reformationsjubiläen. Wer feiert wen und warum? Die Ambivalenz des politischen und des politisch vereinnahmten Luthers steht im Fokus. Und nicht zuletzt wird auch der gesellschaftliche Umbruch 1989 in den Kontext mit Luther gesetzt. »Eine spannende Sache«, finden nicht nur die Profis der Oper, sondern auch die vielen anderen Mitwirkenden. Das Kantaten-Projekt wird nicht nur von Opernsängern, der Staatskapelle Halle und dem Schauspieler Martin Reik vom Neuen Theater als Luther umgesetzt. Mit ihnen steht ein riesiger Chor aus Bürgern der Stadt auf der Bühne.
Auf den Aufruf zum großen Bürgerchor hätten sich etwa 130 Leute beworben. Die Chorproben begannen im Oktober. »Über 100 Sänger sind bis heute dabeigeblieben«, freut sich Güssow. Eine der jüngeren Sängerinnen ist die 22-jährige Medizinstudentin Luise Claas. »Die thematische Beschäftigung mit Luther ist sehr interessant«, findet sie. Obwohl sie in einem Pfarrhaus groß geworden ist, habe sie sich nie intensiv Gedanken darüber gemacht, was für eine Person Luther überhaupt war. Während sie auf Chorerfahrung seit ihrer Kindheit zurückschauen kann, ist der 33-jährige Buch- und Bühnenstückschreiber Marcus Bräuer zwar erfahren, was Theaterprojekte betrifft. Das Singen im Chor ist für ihn allerdings Neuland. Auch Reiner Schwerdt (59 Jahre) brachte keine Chorerfahrung mit. Auf der Theaterbühne hatte er ebenfalls noch nie gestanden. »Auf das Projekt wurde ich aufmerksam, als ich gerade auf der Suche nach einem neuen Hobby war«, sagt der Bauingenieur, der in der Kindheit eine streng katholische Erziehung genossen hatte. Er fühlt sich unter den vielen Sängern sehr wohl, musste zu Hause aber viel üben, weil er schon merkte, dass ihm die musikalische Vorbildung fehlte. »Vor allem das Szenische ist schwer, wenn man als Bass zwischen lauter Frauenstimmen singen muss«, gibt er zu. Da sei er schon ein bisschen stolz, wenn alles gut klappe.
Im Chor machen aber vor allem viele mit, die seit Jahren in verschiedenen Ensembles der Stadt Halle singen, so wie Grundschullehrerin Kerstin Kutzke aus dem Chor »via musica«. Sie stand bereits bei »Orpheus und Eurydike« mal mit auf der Bühne. Besonders interessant findet die 46-Jährige, wie sich das Kantaten-Projekt entwickelt und dass man so viele verschiedene Menschen kennenlernt.
Seite an Seite mit den professionellen Sängern auf der Bühne zu stehen, das ist für die Laien ein besonderes Erlebnis. »Es ist erstaunlich, wie schnell die Profis durch ihre Erfahrung Regieanweisungen umsetzen können, wo wir erst einmal überlegen müssen«, meint Reiner Schwerdt. Und Kerstin Kutzke ist erstaunt, dass die Laien von Anfang an von den Profis nicht als »Füllmaterial« angesehen wurden, sondern als künstlerische Partner.

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