Jahrhundertwerk im Halberstädter Dom vollendet
Minister: In jeder Ecke gekehrt
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Von Uwe Kraus
Halberstadt. Die Hauptautoren Heiko Brandl und Anja Seliger des zweibändigen Werkes „Der Dom von Halberstadt“ sind glücklich. Nach rund neun Jahres ist ihre 1600 Seiten starke Domgeschichte, die 8,5 Kilogramm auf die Waage bringt, fertig. Damit liegt erstmals eine vollständige Erfassung von Architektur und Ausstattung dieses herausragenden Sakralbaus vor, der zu den bedeutendsten mittelalterlichen Kathedralen Deutschlands zählt. Der erste Band ist, nach einer Einleitung zu Topografie und Geschichte sowie den Vorgängerbauten des Domes, der Architektur des gotischen Bauwerks in allen Details gewidmet.
Der zweite Band stellt dessen hochkarätige Ausstattung, darunter Altäre, Wand- und Glasmalereien, Möbel, Grabmäler und Kuriosa, vor. Trotz der überregionalen Bedeutung ist die vorliegende Publikation das erste Großinventar seit 1902. Wie schon im Falle des Magdeburger und des Naumburger Domes wurde die Inventarisierung des Halberstädter Domes im Rahmen einer Kooperation realisiert. Partner waren in diesem Fall die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt als Eigentümerin des Domes St. Stephanus und St. Sixtus zu Halberstadt, das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt als zuständiges Denkmalfachamt, sowie das Europäische Romanik Zentrum, ein An-Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, das sich der Erforschung und Vermittlung der romanischen Epoche widmet.
Der Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra macht bei der Buchpräsentation deutlich: „Großinventare für unsere Kathedralen sind die Königsdisziplin der wissenschaftlichen Bauforschung. Sie entstehen in jedem Jahrhundert nur einmal. Die Wissenschaft hat hier jede Ecke ausgekehrt, um eine Vollständigkeit zu erreichen, die ihresgleichen sucht.“
Anja Seliger hebt hervor, „dass es eine Freude war, am Halberstädter Dom zu arbeiten. Ein Dank geht darum auch an das Team um Museumsleiterin Uta-Christiane Bergemann, die Mitautorin des in höchster Qualität vom Verlag Schnell&Steiner editierten Buches ist. „Wir erlebten hier, dass man uns Vertrauen schenkte und Freiräume bot“, so Heiko Brandl.
Der Dom zu Halberstadt gehört zu den bedeutendsten mittelalterlichen Kathedralen Deutschlands. Historisch gesehen war der Halberstädter Dom die Hauptkirche des ältesten christlichen Missionsbistums an der Ostgrenze des ostfränkischen Reiches. Seine Entstehung zu Beginn des 9. Jahrhunderts wird mit Kaiser Karl dem Großen (800 bis 814) in Verbindung gebracht. Der 859 geweihte karolingische Dom wurde 992 durch einen ottonischen Neubau ersetzt, der bei der Eroberung Halberstadts durch Heinrich den Löwen 1179 schwer beschädigt wurde. Ab etwa 1230 erfolgte die Errichtung der gotischen Kathedrale. Dies stand in Zusammenhang mit der Ankunft des bedeutenden Reliquienschatzes Konrad von Krosigks, der von 1201 bis 1209 Bischof von Halberstadt gewesen war. Als Kreuzfahrer hatte er 1204 die Plünderung Konstantinopels miterlebt, 1205 war er mit reichen Schätzen, darunter insbesondere Reliquien, im Triumph nach Halberstadt zurückgekehrt. Nach der Resignation des Bischofs 1209 wurden die Reliquien zunächst im Kloster Sittichenbach bei Eisleben aufbewahrt und gelangten erst nach dem Tod Konrad von Krosigks 1225 nach Halberstadt, wo sie noch heute als Bestandteil des Halberstädter Domschatzes zu bewundern sind.
Der Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra lobt den hohen Qualitätsanspruch der weiteren 23 an den 160 Euro teuren Bänden beteiligten Wissenschaftler.
"Nach den Kathedralen von Magdeburg und Naumburg liegt heute das Inventar für den Halberstädter Dom vor, ein weiteres für den Havelberger Dom befindet sich in Vorbereitung. "Diese langjährigen wissenschaftlichen Projekte geben Zeugnis nicht nur von der internationalen Bedeutung unseres baulichen Erbes, sondern vor allem auch von der Kraft und Expertise unserer Kultureinrichtungen. Allen Mitwirkenden gilt mein herzlicher Dank", sagt Minister Robra bei der Präsentation des Werkes vor zahlreichen Medien- und Museumsvertretern in Halberstadt.
Autor:Uwe Kraus |
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