Kantor und Philosoph im Miteinander
"Was G´tt tut, das ist wohlgetan." (Samuel Rodigast)

aus einer Bestattungsansprache von Samuel Rodigast

Exaudi A.D.2026    Reglerkirche St. Augustinus

Was haben ein Kantor und ein Philosoph miteinander zu tun?

Reihe Geistliches Lied

1) Was Gott tut, das ist wohlgetan, es bleibt gerecht sein Wille; wie er fängt seine Sachen an, will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten; drum lass ich ihn nur walten. (evtl. von Michael Altenburg, der aus Erfurt-Alach stammt)
2) Was Gott tut, das ist wohlgetan, er wird mich nicht betrügen; er führet mich auf rechter Bahn; so lass ich mir genügen an seiner Huld und hab Geduld, er wird mein Unglück wenden, es steht in seinen Händen.
3) (fehlt im GL) Was Gott tut, das ist wohlgetan, er wird mich wohl bedenken; er als mein Arzt und Wundermann wird mir nicht Gift einschenken für Arzenei; Gott ist getreu, drum will ich auf ihn bauen und seiner Güte trauen.
4) Was Gott tut, das ist wohlgetan, er ist mein Licht und Leben, der mir nichts Böses gönnen kann; ich will mich ihm ergeben in Freud und Leid, es kommt die Zeit, da öffentlich erscheinet, wie treulich er es meinet.
5) (fehlt im GL)Was Gott tut, das ist wohlgetan; muss ich den Kelch gleich schmecken, der bitter ist nach meinem Wahn, lass ich mich doch nicht schrecken, weil doch zuletzt ich werd ergötzt mit süßem Trost im Herzen; da weichen alle Schmerzen.
6) Was Gott tut, das ist wohlgetan, dabei will ich verbleiben. Es mag mich auf die raue Bahn Not, Tod und Elend treiben, so wird Gott mich ganz väterlich in seinen Armen halten; drum lass ich ihn nur walten.

Jena 1979 . Meine Studienort.
Auf dem Weg aus der Studentenwohnung in die Sektion Theologie. Zur Vorlesung oder zum Seminar. Ich kam an einem Haus vorbei. Und so, wie in Jena (und anderen Orten) waren an vielen Häusern Tafeln mit Namen angebracht.
Auf einer stand: Samuel Rodigast (1649 - 1708) Dichter und Philosoph.
Was für ein komischer Name dachte ich. Und später begriff ich. Ein interessanter Mann: Dozent/ Kirchenliederdichter und Philosoph.
Aus seiner Feder stammt: Was G´tt tut das ist wohlgetan… Meine erste Frage: stimmt das? Und die zweite Frage: Tut denn G´tt wirklich etwas? Machen wir es uns nicht zu einfach. 

Ein lyrischer Gebetstext. Als Lied vertont. Der Sprachgestalt nach eine strenge Form. Doch. Die Sprache spricht aus dem Herzen. Sie drückt schwer Erklärbares aus. Sie bringt die vielfältigen, oftmals gegensätzlichen Empfindungen ins Wort.
Mein erster Eindruck: Wir leben im 21.Jhd. Wird da nicht zu einseitig die „Ergebenheit“ betont? Soll ich mich denn in einer widrigen Situation einfach „stille“ ergeben? UND wäre es nicht besser mit Bonhoeffer zu denken? „Widerstand und Ergebung.“
Mir stieß der Kontrast auf. Zwischen eingängiger Melodie. Und den harten Erfahrungen, die der Text zur Sprache bringt: „Not, Tod, Elend“. Leid, Unglück. Schlimmes und Schweres. Es wird in eine leicht singbare und über Jahrhunderte hin sehr beliebte F- Dur (GL Es-Dur-Melodie = wohl passender) gegossen. Passt denn ein damals gefälliger Ohrwurm zu dem schroffen Inhalt?
Dies ist ein scheinbarer Widerspruch: Der Text und die Melodie sind stimmig. Beide entstehen aus einer gewachsenen Glaubenshaltung. Denn: Glaube stellt sich den Widersprüchen des Lebens. Und. Den Katastrophen der Geschichte.

Die Entstehungsbedingungen.

Jena 1675 
 Unsere Zeilen hat ein 26jähriger Philosophiedozent gedichtet. Für seinen drei Jahre älteren Freund. Samuel Rodigast, der Autor, wollte seinem Musiklehrer, dem Jenaer Kantor Severus Gastorius (eigentlich Ernst Bauchspieß, also latinisiert), der sterbenskrank war, Zuversicht und Hoffnung zusprechen.
Damals wie heute gilt: Als schwerkranker Mensch kann man im Grunde nur eines tun: die Schmerzen innerlich annehmen. Wer sich wehrt, verkrampft sich. Vergrößert die Schmerzen. Der HERR schenke – auch mir - die Kraft.
Aktiv, hoffend-vertrauende „Ergebenheit“ ist das beste Heilmittel in dieser Situation! In Strophe 3 wird G´tt als „Arzt und Wundermann“ angerufen, der sicher nicht „Gift einschenken“ würde. Jesus versteht sich als Arzt, den die Kranken, nicht die scheinbar Gesunden, brauchen (Mk 2,17). Er heilt, er mindert physisches Leiden. Aber er lebt auch vor, dass man dem unabänderlichen Leid nicht ausweichen kann und darf. Und zwar in aktiver Ergebenheit!
Über die Entstehung der Melodie gibt es unterschiedliche Versionen. Sicher ist, dass sie von Kantor Severus Gastorius stammt. Manche Hymnologen meinen, er habe sie noch auf dem Krankenlager komponiert. Und Severus Gastorius habe sich das Lied für sein Begräbnis gewünscht. Andere meinen, sie sei erst nach seiner Genesung entstanden. Jedenfalls ist unser Lied bald im Druck erschienen und wurde im evangelischen Raum zu einem beliebten Lied.
Das Lieblingslied König Friedrich Wilhelm III ( Preußens einzigem echten Bürgerkönig / Abschaffung der Leibeigenschaft) - Zu seiner Bestattung wurde es gesungen.
Und kein geringerer als JSB. Er vertonte diesen Choral mehrfach. Es gibt 3 Bach-Kantaten mit diesem Titel. Und die sechste Strophe bildet den Abschluss der Kantate in „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen..“
Die Jenaer Sänger mussten es ihrem genesenen Kantor regelmäßig vorsingen. (…lebte noch 8 Jahre). Ich vermute, die eingängige Melodie entstand erst nach der Genesung: Denn sie strahlt das schon überwundene Leid aus.!

Der Text ist in seiner Grundstimmung durch die Worte geprägt: „Was G´tt tut, das ist wohlgetan“ (Sechsmal) Er erinnert eine zentrale biblische Botschaft. Von der Treue G´ttes. Inmitten von Krankheit und Not. Da sagt der Glaube: G´tt wird sich in „Freud und Leid“ als „Licht und Leben“ zeigen. Ich werde mit dir sein! Ich werde mich als dein G´tt erweisen!

Unser Lied ist von zahlreichen biblischen Anspielungen durchzogen. Es handelt vor allem um einen Vers aus dem Buch Deuteronomium (Dtn 32.4), den Psalm 23 und andere Psalmverse. Die meist vierhebigen Jamben – die Betonung liegt dabei jeweils auf der zweiten Silbe – sind nicht ein an den Kranken gerichteter Appell. Nein. Appelle sind wohl untauglich. Samuel Rodigast möchte mit seinem Gebetsgedicht dem Freund Severus Gastorius einen Weg zeigen. Durch das Leiden.

Der Umgang mit Krankheit erinnert mich an den Apostel Paulus. Im 8. Kapitel des Römerbriefs wird die Grundhaltung der Hoffnung beschrieben (Röm 8,22-39). Er sagt: Wir haben als von G´tt Geliebte Anteil am Seufzen der gesamten Schöpfung. Denn die Schöpfung ist von Gott der Vergänglichkeit unterworfen. Doch der Geist Gottes überkommt unseren unaussprechlich stöhnenden Geist. Und er hilft uns in unserer Bedrängnis. So kann das Wort und damit auch unser Choral ausklingen in einem Preislied auf die Hoffnung. Zum Abschluss einige Verse aus dem Schlussteil: „Wir wissen, dass denen, die G´tt lieben, G´tt zum Guten verhilft. ... Wenn G´tt für uns ist, wer ist dann gegen uns? … Ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, … noch Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, noch Höhen noch Tiefen, noch ein anderes Geschöpf uns trennen kann von der Liebe, die G´tt zu uns hat in Christus Jesus unserem Herrn.“

Diese Kraft der Hoffnung lässt der Choral „Was G´tt tut, das ist wohlgetan“ leise und so schön unaufdringlich am Horizont aufklingen!  

soli Deo gloria in aeternum

Autor:

E.F. Johannes Haak

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