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Jesus Christ Superstar: Die Stigmata der Hohepriester

Darstellung der Hohepriester in Peter Lunds Domstufen-Inszenierung von "Jesus Christ Superstar". | Foto: Theater Erfurt, Lutz Edelhoff
  • Darstellung der Hohepriester in Peter Lunds Domstufen-Inszenierung von "Jesus Christ Superstar".
  • Foto: Theater Erfurt, Lutz Edelhoff
  • hochgeladen von Paul-Philipp Braun

Die Erfurter Domstufen sind im besten Sinne des Wortes immer wieder ein Sommertheater. Für die Stadt eine große Nummer, für den Freistaat so wichtig, dass die Premiere alljährlich zum Schaulaufen des Who is Who der Lokal- und Landespolitik gerät.

Mit Jesus Christ Superstar haben sich die Domstufen mal wieder auf die Musical-Bühne gewagt. Nach Einschätzung des Autors dieser Zeilen und vor allem im Vergleich zu den Aufführungen der vergangenen Jahre, ist es keine glücklichmachende Inszenierung. Doch während die Kollegin Elisabeth Maria Wild die Aufführung mit dem Blick der Musikerin künstlerisch beurteilt, bleibt mir die religionswissenschaftliche Perspektive – geschult an einem Studienseminar zu Stigmatisierung und Klischees über Religionen und ihre Anhänger.

Aufhänger war damals die Darstellung von Jüdinnen und Juden im Laufe der Jahrhunderte: der sogenannte Judenhut als Erkennungszeichen, ebenso die angebliche Hakennase und der übertriebene Bart. Dass Juden und Geld schon lange in einem antijudaistisch erzählten Zusammenhang stehen, ist in Zeiten allgegenwärtiger Verschwörungserzählungen ohnehin bekannt.

Drei dieser vier Stigmatisierungsmuster greift Peter Lunds Inszenierung auf. Nicht, um sich kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen, wie es in vielen Kunstformen unserer Tage längst üblich ist, sondern um sie bewusst als Darstellung der Hohepriester zu nutzen.
Sehe ich das zu eng? Sehe nur ich diese Klischees? Offenbar nicht. Schon am Abend der Premiere nickt ein ehemaliger Pfarrer auf meine Frage nach den Stigmata hin bedenklich mit dem Kopf. Und als ich im Nachgang noch lange über die Inszenierung nachdenke und einer Judaistin die Inszenierungsfotos zeige, schreckt diese kurz auf.

Man könnte einwenden, eine seichte Sommertheater-Inszenierung entziehe sich per se dem kritischen Hinterfragen. Aber wer sich dahinter versteckt, macht es sich zu einfach – gerade jetzt, wenn gesellschaftliche Gräben tiefer werden und die Stigmatisierung von Minderheiten wieder gesellschaftsfähig wird. Sommertheater hin oder her.

Die neue Rolle des Judas
Autor:

Paul-Philipp Braun

Webseite von Paul-Philipp Braun

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