Jesus Christ Superstar
Die neue Rolle des Judas
- Großer Jubel: Jesu Einzug in Jerusalem. Die entsprechenden Bibelzitate sind am Bühnenrand untertitelt.
- Foto: Simone Wild
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Von Elisabeth Maria Wild
Rockige Hits und ein Meer aus Farben und Lichtern erfüllen die Erfurter Domstufen im Spätsommer. Bei den diesjährigen Domstufen-Festspielen des Erfurter Theaters wird die Passion Jesu im Musical von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice in deutscher Sprache dargeboten. Zuletzt wurde das Stück 2005 vor der Domkulisse gespielt.
Das Musical paraphrasiert die letzten sieben Tage Jesu aus allen Evangelien und erzählt sie aus der Perspektive des Judas Iskariot. Judas spielt allerdings nicht den klassischen Antagonisten. Er ist innerlich zerrissen in seiner Liebe zu Jesus und seiner Furcht, dass Jesus einen Realitätsverlust erleiden könnte. In der Erfurter Inszenierung soll Judas, der von Til Ormeloh gesungen wird, Jesus und seine Freunde vor dem Absturz retten und wird selbst zum Opfer.
Lebende Bilder
Sieben Bilderrahmen verteilen sich auf den Domstufen. Das Bühnenbild von Hank Irwin Kittel ist in Form von "tableaux vivants" (frz. "lebende Bilder") gestaltet. Der besondere Fokus wird auf die Beziehung Jesu zu seinen Jüngern und da vor allem auf Judas gerichtet. Die mitreißenden Choreografien von Bart de Clercq unterstreichen dies.
Regisseur Peter Lund inszeniert große eindrucksvolle Bilder, die die verschiedenen Geschichten der Charaktere erzählen. Neben den trubeligen Chorszenen gibt es immer wieder intime Momente, in denen die Solisten mit ihren Spitzentönen brillieren. Lunds Inszenierung ist unkonventionell. So endet das letzte Abendmahl beispielsweise im exzessiven Alkoholrausch.
Kostümbildnerin Ulrike Reinhard entwirft im Stil der Ikonenmalerei einen wilden Mix aus Kostümen. Die Jünger sind in Alltagskleidung, knappen Schuluniformen oder indischen Dhoti gekleidet. Die Ähnlichkeit des Königs Herodes mit Donald Trump in pinker Krawatte und blauem Sternmusteranzug ist kein Zufall.
Lukas Mayer ist im wahrsten Sinne der Superstar. Der junge Musicaldarsteller präsentiert die Figur des Jesus überzeugend und überzeugt durch seinen großen Stimmumfang. Dazu dirigiert mit Schwung und Intensität Clemens Fieguth.
Das Musical weicht stellenweise deutlich von der biblischen Vorlage ab. Das ist beabsichtigt, so Dramaturg Bartholomäus Pakulski. An einigen Stellen muss sich die Inszenierung den Vorwurf der Blasphemie gefallen lassen. Das trübt etwas den unterhaltsamen Gesamteindruck.
Autor:Online-Redaktion |

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