Wie sich Kinder Kirche wünschen

Grundschülerin Tabea Mayer zeigt, wie sie sich Kirche wünscht.
  • Grundschülerin Tabea Mayer zeigt, wie sie sich Kirche wünscht.
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  • hochgeladen von Adrienne Uebbing

Rezension: Ein tansanisch-deutsches Buchprojekt bietet einen Schatz an Meinungen und Wünschen

Von Renate Wähnelt

Sehr neugierig muss man schon sein, um sich das dritte Buch anzusehen, das die Evangelische Grundschule Magdeburg zusammen mit ihren Partner-Kindereinrichtungen in Tansania schuf. Zwischen zwei grauen Pappdeckeln mit Ringelbindung, in den Titeldeckel ist ein gotisches Fenster geschnitten und gibt den Blick frei auf viele gezeichnete Kindergesichter, findet sich ein Schatz an Meinungen über und Wünschen an Kirche. »I have a dream about a new church« (Ich habe einen Traum von einer neuen Kirche) ist der Titel.
Wie erleben Sechs- bis Zehnjährige in Magdeburg, in Njombe und Melinze Kirche? Wie wünschen sie sich Kirche? Im Buchprojekt beantworteten deutsche und tansanische Kinder jeweils 30 Fragen. Die Originalantworten wurden jeweils übersetzt, sodass deutscher Text neben dem auf Kisuaheli steht. Ganz ohne Übersetzer kommen die farbenfrohen Collagen der Magdeburger aus ebenso wie die Fotos aus Tansania. Wie aber träumen sich die Kinder ihre Kirche? Einige Antworten, vor allem aus Magdeburg:
Sie soll nicht so viele gruselige Bilder und Figuren in ihren Räumen haben. Sie soll schön sein und gut riechen. Sie soll cooler sein und Monitore haben. Es soll nicht so viel Blink-Blink geben. Sie soll schlicht und gerecht sein. Es soll gar keine Kirche mehr geben. Einer soll den anderen einladen, in die Kirche zu gehen.
Welche Aufgaben sollen Kinder in der Kirche bekommen, lautete eine andere Frage. Die Afrikaner meinen, sie sollten Musik machen, in der Bibel lesen, zu Gott beten, leise und still sein. Die Deutschen sind konkreter: Beim Aussuchen der Lieder helfen, Kirche und Altar schmücken, dem Pfarrer helfen, die Sprache anderer Kinder zu verstehen.
Die Kinder beantworten Fragen zu ihrem Verhältnis zu Gott und machen sich Gedanken über Konsequenzen aus dem Glauben und Nichtglauben. Und sie wissen, was ihnen an der Kirche heute gefällt und was nicht. Ein netter Pfarrer gefällt, das Singen und Beten, das Gefühl, Gott nahe zu sein. Missfallen erregt, »dass es so lange dauert«, »dass so selten Kindergottesdienst ist« oder »dass manche Leute mit dreckigen Schuhen in die Kirche gehen«.
Entstanden ist ein Bilderbuch zum Anschauen und Freuen, zum Lesen, Schmunzeln und Nachdenken. Kindermund tut Wahrheit kund – so manch vermeintlich banale Beobachtung der Kinder könnte uns ach so Erwachsenen helfen. Nicht zufällig kam das Projekt im Jahr des Reformationsjubiläums zustande, auf dass Reformation weitergehe.

Das Buch zum Preis von 10 Euro ist über die Ev. Grundschule Magdeburg zu beziehen: E-Mail nfo@ev-grundschule-md.de

Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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