Reif für die Insel

Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.
Offenbarung 1, Vers 17b.18a

Von Christine Reizig, Landespfarrerin für Gemeindeaufbau in Dessau-Roßlau

Heute gibt es regelmäßige Fährverbindungen nach Patmos. Das war anders, als der Seher Johannes dort war. Ob er Gefangener war oder sich in Vorbereitung auf sein prophetisches Amt zurückgezogen hat, ist nicht bekannt. Die Insel war Verbannungsort der römischen Besatzer. »Reif für die Insel« bedeutete nicht: Ich brauche mal eine Pause. Die ersten umfänglichen Christenverfolgungen unter Kaiser Domitians (81–96 n. Chr.) brechen über die jungen Christengemeinden herein. In dieser Situation brauchen sie Vergewisserung. Glauben wir das Richtige? Trägt das, was wir glauben, auch dann, wenn es schwer wird?
Johannes wird auf Patmos dazu berufen, Vermittler der Botschaft von Jesus, dem Christus, zu sein, Vermittler zu den Gemeinden, die in unterschiedlicher Weise versuchen, der schwierigen Lage zu begegnen.
Die Vorstellung des »Menschensohns« ist voller Bildsymbole, die die Menschen damals gut verstehen. Er erscheint majestätisch wie der »uralte« Weltrichter-Gott des Danielbuches (Daniel 7,9). Er trägt das Gewand des himmlischen Hohenpriesters, hat das Sternbild des Kleinen Bären in der Hand (Machtsymbol des Sonnengottes Mithras) und das zweischneidige Schwert als Ausdruck der richterlichen Gewalt. Dazu leuchtet sein Angesicht wie die Sonne selbst. Vor einer solchen Erscheinung kann man nur in die Knie gehen. Das kann ein Mensch nicht ertragen.
Doch dann kommt die menschliche Seite des Gottes- und Menschensohnes zum Zuge – die rechte Hand beruhigend und fürsorglich auf der Schulter des zu Boden Gestürzten und die freundlichen Worte: »Fürchte dich nicht! Ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.« Das letzte Gericht wird anderswo gesprochen als in allen irdischen Verwicklungen.
Unsere Situation in Deutschland 2018 ist unvergleichlich mit der Christenverfolgung im 1. Jahrhundert. Sie findet heute in anderen Weltregionen statt und die verfolgten Christen dürfen wir nicht vergessen! Was sind unsere Bedrohungen heute, in denen wir Vergewisserung brauchen? Kleiner werdende Gemeinden, Umstrukturierungen, Angriffe aus verschiedenen politischen Lagern auf die Kirchen? Wo erfahren wir die erschreckende Vollmacht Jesu und seine tröstende Zusage? Was macht uns im Glauben gewiss?

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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