Ohne Kirche ein gottverlassener Ort

Versammlungsort: In Döllingen soll die Kirche belebt werden. Pfarrer Voigländer (re.) sammelt die Kärtchen mit den Ideen dazu ein.
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Krisensitzung: Wie eine Gemeinde wieder auf die Beine kommen will 

Von Veit Rösler

Insgesamt 32 Menschen sind gekommen, das mache Hoffnung, so Pfarrer Otto-Fabian Voigtländer. Bescheiden besuchte Gottesdienste und auch an den religiösen Feiertagen kaum noch Besucher. Mit dem Krippenspiel am Heiligen Abend war die kleine Döllinger Dorfkirche in den vergangenen Jahren praktisch nur noch einmal im Jahr mit Menschen gefüllt. Daneben haben in den letzten Jahren nur noch zwei Döllinger ihre Bereitschaft zur Mitarbeit im Gemeindekirchenrat signalisiert. Es müssten aber vier sein.
Seit 2008 finden daher in der Döllinger Kirche keine Gottesdienste mehr statt. Die Kirche wird derzeit vom Gemeindekirchenrat Plessa mit betreut und teilweise finanziert. »Eine Kirche kostet aber Geld. Der Abriss des Pfarrhauses im Jahr 2013 ist von der Kirchgemeinde Plessa mit finanziert worden. Nicht ein Döllinger Einwohner hat sich überhaupt für den Abriss inte­ressiert«, lässt Frank Werner, Kirchenältester in Plessa, die jüngste Entwicklung Revue passieren. Im September 2017 sei daher ein Prüfantrag zum weiteren Verfahren an den Kreiskirchenrat gegangen. »Uns geht es darum, die Kirche zu nutzen, mehr als einen Tag im Jahr«, so Werner. Pfarrer Voigtländer stellte danach drei Varianten zur Auswahl. Variante A: Die Döllinger nehmen die Sache wieder selbst in die Hand. Dazu müssten sich dann ausreichend Kirchenälteste finden. Variante B: Die Kirche werde zukünftig öffentlich genutzt. Auch ein Atelier wäre vorstellbar. Variante C: Der allerletzte Schritt sei die Entwidmung und der Verkauf.
Danach verteilte Voigtländer Kärtchen und Stifte unter den Anwesenden, mit der Bitte, ihre Gedanken, Ideen und Vorschläge aufzuschreiben. Keine der abgegebenen Stimmen sah die Entwidmung oder den Verkauf vor. Die Kirche sei Mittelpunkt und Herzstück des Ortes. Selbst im kleinen Döllingen diene sie der Orientierung. Die Kirche gehöre zu einem Dorf, sie solle jederzeit Zugang für Interessierte bieten. Kirche gebe Trost und Halt. Sie sei ein Ort zum Beten. Die Gastwirtschaft und der Einkaufsladen seien bereits verschwunden. »Ohne Kirche ist Döllingen ein gottverlassener Ort«, heißt es. Sei sie erst einmal entwidmet, gebe es kein Zurück mehr. Ein ähnliches Schicksal habe bereits im Nachbarort die katholische Kirche von Hohenleipisch ereilt.
Die Kirche könne doch an Feiertagen oder beim Döllinger Blütenfest, dem Apfeltag und beim Schützenfest genutzt werden, lautete ein Vorschlag. Die Döllinger Andrea Haupt und Klaus Rößler erklärten sich bereit, dafür die Kirche zu öffnen. Konkrete Angebote kamen von Elsterwerdas Bürgermeisterin Anja Heinrich. Sie wolle sich an der Organisation von Konzerten beteiligen. Sie sei sogar schon mit einer entsprechenden Jugendband im Gespräch. Vorträge, Lichterandachten, Ausstellungen, Fahrradkirche und Fahrradandachten waren weitere Ideen. Gerd Günther von der Unteren Denkmalschutzbehörde mahnte gemeinsame Aktionen an. Es müsse eine Checkliste wie bei einer Vereinsgründung erarbeitet und abgearbeitet werden. Selbst für einen Atheisten wie ihn seien Kirchen nach wie vor kulturelle Zentren. Superintendent Christof Endes war von der Krisensitzung angetan. Allerdings betonte er, dass es dringend geboten sei, dass die Döllinger einen eigenen Gemeindekirchenrat stellen. Es ist nun abzuwarten, was von der Begeisterung des Abends in den Alltag übergeht.
Am 8. April um 14.00 Uhr gibt es wieder einen Gottesdienst in Döllingen mit Gemeindepädagogin Ulrike Heinrich. Dazu sind alle herzlich eingeladen.

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Online-Redaktion aus Weimar

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