Andacht Februar 2021
Freut euch - in der Krise?

„Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.“ Lk 10,20

Liebe Mitmenschen!

"Ich hab' sie gar nicht kommen sehen, plötzlich stand sie da, gross wie ein Riese. Sie sagte: "Hallo, guten Tag, mein Name ist Krise … Sie sagte, sie zieht bei mir ein, und dass sie mir alles bewiese. Dann schrieb sie an meine Tür: "Hier wohnt ab jetzt die Krise" Sie zog den Stecker raus vom Telefon und fragte mich: "wie wär's mit einer kleinen Depression?" Hat doch alles keinen Sinn schmeiss die Brocken hin, kriech in die Höhle, und komm nie wieder raus. Am besten werd ich stumm und niemand merkt um mich herum, dass ich fehle, so sieht's aus. Nach einem Jahr und einem Tag ist sie so wie sie kam verschwunden. Heut' hab ich den Besuch von ihr längst überwunden……" Der Liederdichter und Chansonsänger Max Raabe bringt es im wiegenartigen Rhythmus auf den Punkt. Seit die Krise so ziemlich an jede Tür klopft und im Moment leicht der Eindruck entsteht, sie könnte vielleicht ein Dauergast bleiben, ist jeder und jede immerzu herausgefordert. Wie damit umgehen? Wie die dunklen inneren Wolken, alle großen und kleinen Ärgernisse des Tages vertreiben? Worauf denn eigentlich hoffen? Während die Covid-19-Pandemie die Art und Weise verändert, wie wir in den Familien leben, wie wir arbeiten und unsere Geschäfte führen … oder sie eben nicht mehr führen können, seither ist es umso wichtiger auf unsere Kraftquellen zu sehen. Mit einer Tasse Tee ist es längst nicht für jeden getan. Plötzlich müssen sich neue Tagesrhythmen einüben und es sind neue Wege nötig, die vor kurzem nur theoretisch und am Gremientisch zäh wie Kaugummi diskutiert wurden. Plötzlich ist es möglich, dass Menschen überall arbeiten – am Küchentisch, auf dem Sofa, oder auf dem Balkon. Digitale Arbeitsformen für Schüler – mit allen Holperhürden – und Erwachsene werden zumindest zugelassen, wenn sie auch noch nicht technisch oder bürokratisch überall gleich möglich sind. Wieder so ein Ärgernis! „Never let a good crisis go to waste!“, soll Winston Churchill einmal gesagt haben. Was so viel bedeutet wie der gleichnamige Bestseller: „Vergeude keine Krise!“ Die Autoren sinnieren viel über Selbstverantwortung. Wir sind also auch in der Krise immer noch – ob es uns gefällt oder nicht – unseres Glückes Schmied. Ob wir Momente der Freude erleben, oder nicht, liegt wohl im Wesentlich daran, wie wir unsere Wirklichkeit konstruieren. Egal, wie ich das jeden Tag neu anstelle. Klar muss sein: Für mein Konstrukt von Wirklichkeit bin ICH verantwortlich! Ob, da mitten in der Krise ein Platz für die Freude ist, von der unser biblisches Wort etwas anweisend spricht, das obliegt meiner Entscheidung und Gottes schenkendem Geist. Gottes Wirken Raum geben, das obliegt meiner Selbstverantwortung und Übung. Also auch einer Art von Disziplin. „Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.“ Freude ist eine gehobene Emotion. Sie tut der Seele gut. Sie lässt uns beschwingt in den Tag gehen, sie macht das Leben leichter und sie macht uns zum deutlich angenehmeren Gegenüber. Ja, manchmal brauchen wir dazu vielleicht eine Art Aufforderung, auch wenn sich Freude nicht wirklich verordnen lässt. „Ein fröhliches Herz tut dem Leib wohl, ein bedrücktes Gemüt lässt die Glieder verdorren.“ heißt es im Buch der Sprüche (17,22). Hier geht es also nicht nur um etwas Unsichtbares und schwer greifbares, sondern auch ganz konkret um unseren Körper. Noch nie ist es für so viele Menschen zwingend nicht anders möglich: Die Freude liegt jetzt in den kleinen unscheinbaren Dingen des Alltags. Unsere Namen sind so etwas im Alltag unscheinbares. Es heißt, sie sind im Himmel geschrieben. Da ist einer, der alles in seiner Hand hält. Unsere Zeit, die Gedanken und Gefühle, die dunklen und hellen Lichter. Lass dir Zeit und warte ab – im Vertrauen. Höre in die Stille hinein. Nenne ihm deinen Namen. Spüre dich. Jeden Tag vielleicht fünf Minuten und notiere dir einen freudigen Gedanken am Ende deiner Ruhezeit. Gib die Führung aus der Hand. Das Leben wächst in der Stille. Wenn du Gott nicht in der Stille suchst, sondern ausschließlich in klugen Gedanken oder in deinen Aktivitäten, dann bläht sich dein Ego auf. Wie leicht kannst du dir einbilden, dass deine Absicht Gottes Absicht und dein Wille Gottes Wille ist! In der Stille liegt die Chance die eigenen Wünsche von den Absichten Gottes zu unterscheiden. Es mit sich selbst aushalten! Sich sortieren! Und ansehen …. Dazu braucht es Mut und Zeit. In der Stille darfst du sein. Da klingt dein Name in den liebenden Schutzraum Gottes hinein. Und vielleicht kannst du am Ende deiner Ruhezeit am Tag mit einstimmen in den Gesang: „Mir gehts prima und Freunde hab ich auch, ich kann wieder fliegen, was mich ärgert lass ich liegen, und steh' keineswegs mehr auf dem Schlauch. Wenn ich dunkle Wolken seh', bleib' ich zu Haus' und mach mir Tee und gar nichts haut mich um. Ich werd an meine Türen schreiben "Krisen müssen draußen bleiben" Sie wissen schon warum!" Das würde mich für Sie sehr freuen!

Herzliche Grüße

Pfarrerin Denise Scheel

Autor:

Denise Scheel

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