zur Lage auf dem Planeten Erde - ein Essay
"NUR EIN GOTT KANN UNS NOCH RETTEN" (M.H.)

der andere Sicht-Schutz

„Maskenball” nannten wir bei der Nationalen Volksarmee der DDR jene anstrengenden Übungen mit Schutzanzug und „Schnuffi”. Schnuffi, die Gasmaske, ruhte zusammengerollt allzeit bereit in der Uniformtasche. „Gas!” lautete eines der verhasstesten Kommandos. Nach dieser Silbe aus dem Munde des Genossen Unteroffiziers war sofort die Maske überzustreifen. Das Gesicht hinter Gummi und Augengläsern - der ganze Mensch war verschwunden.
Der Erlass, auf Straßen und Plätzen, in Läden und Kirchen einen Lappen vor Mund und Nase zu hängen, ist per Verordnung hinaus in alle Land gegangen. Die Menschen verkleiden sich weltweit in einer universalen Geste der Vorsicht vor sich selbst und voreinander. Die einen finden das lächerlich, anderen gilt es als Gebot der Stunde.
Wenn nun sicher jedem verständlich ist, dass man besonders in Krisenzeiten klare Abneigung dagegen entwickeln kann - bis hin zum Ekel -, die verbrauchte Luft aus den Lungen der Anderen in den eigenen Brustkorb einsaugen zu müssen, soll doch an dieser Stelle einmal mit besonderem Blickwinkel auf die Nebenwirkungen des flächendeckend medial ausgestoßenen Generalkommandos „Gas!” eingegangen werden.
Schaut man nämlich in die regionalen Zeitungen, packt einen schieres Entsetzen. Seltener als sonst sind dort freie und unbedeckte Gesichter zu sehen, dagegen sehr, sehr oft Maskierte. Auch Grundschulklassen - jedes Kind mit einer Maske und oben die Masken-Vortrage-Person, Lehrerin oder Lehrer. „Man fotografiere Menschen, die beten oder weinen nicht.” So zumindest lautete eine Klarstellung der römisch katholischen Kirche auf entsprechende Anfragen aus den sechziger Jahren, der ich hier einmal aus vollem Herzen zustimmen möchte. Man fotografiert Menschen in bestimmten Situationen nicht! Ich erspare uns, eine vollständige Liste solcher Situationen anzufügen. In manchen Kulturen ist das Fotografieren von Menschen überhaupt gänzlich unerwünscht. Denn mit jedem Foto wird ja etwas festgeschrieben: Das schnell dahingleitende Licht wird auf erstarrte Materie gebannt. Ich ahne, dass nicht alle Zeitgenossen mit Gedanken aus der Welt der Naturphilosophie etwas werden anfangen wollen. Vielleicht besteht darin eins der Grundverhängnisse unserer Zeit: Das Heilige ging als Kategorie, mit Hilfe derer sondiert wird, was geht und was nicht geht, peu á peu verloren. Völlig unnötig wird in Zeitungen durch maskiert abgebildete Menschenantlitzverschandelung suggeriert, dass der maskierte Zustand nun normal, gegeben, notwendig, gefordert und gut sei. Wer da also ruft: „Runter mit der Maske in den Printmedien!!!“ hat nicht ganz Unrecht.  
Macht sich anstelle jener bewährten Pietät, die dem Menschen als Abbild des Göttlichen Ehre zuteil werden ließ, immer mehr ein sehr unangenehm säkularer Gesundheitsschutz-Zwangs-Pietismus breit? Versucht da eine üble Ersatzfrömmigkeit jenes Riesenvakuum zu stürmen, welches nach der streckenweise selbstverschuldeten Implosion beider Volkskirchen sich als gewaltiges Werte-Loch aufgetan hat?
Zumindest aus der wertkonservativen Mitte erklangen schon manchmal warnende Rufe, da nun auf sonderbare Weise es dazu gekommen ist, dass alle um das antropomorphe Götzenbild der totalen Gesichtsverschleierung zu kreisen begonnen hatten. Im Vergleich zu Aarons in der Mitte stehendem goldenen Kalb ist das heutige Kultobjekt zwar nur eine grüne Schleimblase mit Zipfeln. Aber der Effekt ist gleich: Man fordert sich und andere auf, vor der Blase nieder zu knien. Warum diese Unterwerfung? Greift der bekannte Mechanismus, den man „Identifikation mit dem Agressor” genannt hat, auch hier?

Was ist passiert? Das Virus ist als reale oder/und eingebildete Bedrohung ein enormer Stressor und Unruhestifter. Jeder muss auf die persönliche Angst vor der Erkrankung und vor dem Tode, bzw. vor dem Schuldig-Werden (Ansteckung anderer) in irgendeiner Weise persönlich im Sinne einer Immunantwort reagieren. Solche Reaktionen lassen sich nach Sloterdijk - der sich im Falle Coronas übrigens als Impfbefürworter outete - auf drei Ebenen beobachten:

1. Die erste ist das physische Immunsystem des jeweils Einzelnen: Man wehrt die Viren bei guter Immunlage mit einigem Glück ab - und bleibt symptomlos.
2. Das zweite Immunsystem ist der gesellschaftlich sanktionierte Apparat von Recht und Ordnung mit Judikative und Exekutive: Gesetze werden erlassen, um das verhalten in der öffentlichen Realität dahingehend zu beeinflussen, dass keine oder nur wenige Ansteckungen stattfinden können (Abstand, Quarantäne, Lockdown).
3. Das Dritte aber ist die Religion - als letztes Immunsystem, das immer dann greift, wenn gar nichts mehr geht und nichts zu helfen scheint. Dann lässt sich der Mensch ins Transrationale fallen und die Mechanismen des großen ersten Grundvertrauens greifen ganz tief unten an und setzen auf gute und hilfreiche Weise epiimmunologische Reaktionen frei. Der Mensch wird gemäß Mt 18,3 zum Kind und „springt” somit quasi über die Schatten, welche er mit eigener Vernunft vor sich selbst aufgetürmt hat - und die ihm nun unweigerlich das Ganze einer "möglichen Rettung aus übergroßer Gefahr" verdunkeln. Der Mensch wirft sich in solchen Zuständen aber noch weiter hinaus - vermittels Kultus, Ritus und Mythos direkt bis in die Arme einer höchsten Gottheit, die sich zu diesem Zwecke herbei lässt. Menschen erreichen diese Zustände wirklicher Überschreitung (Transzendierung) aller Trugbilder hinein in die Bereiche des Superrealen besonders dann, wenn sie es vorher geübt hatten. Religion wäre also ein Übungssystem dafür, sich metaimmunologisch fit zu halten.

Ein Irrweg dagegen ist es aber, vor der unsichtbaren Gefahr - in unserem Falle das Virus‘ - ehr-zu-fürchten. Denn damit wird das Gefürchtete nun ersatzweise als finstere Macht verehrt. Dadurch können sich schließlich im Blick auf das über Nacht entstandene quasikultische Nocebo-Objekt persönliche Akte der Selbstverfluchung ergeben, indem man nämlich anfing, das Böse unbewusst zu bitten und dadurch zu kräftigen und ihm die eigene Kraft als Angst zu opfern. Wo wäre der Ausweg?

Heidegger bemerkte 1966 lakonisch: "Nur ein Gott kann uns noch retten." Zeitgenössische Politiktreibende ohne tiefer gehenden Bildungserlebnisse variieren dagegen Lenins "Lernen, lernen, lernen" mit ihrem immer inflationärer werdenden "Impfen, Impfen, Impfen". Der slawische Großdenker Iljitzsch soll seine Bemerkung übrigens gemacht haben, nachdem er einen flüchtigen Blick auf Walter Ulbrichts Zeugnis geworfen hatte. Von Lenin stammen noch viele weitere Sprüche. Zum Beispiel der: „Nichts vereinfacht das Leben so nachhaltig wie eine Diktatur.“ Aber wir wollen beim Thema bleiben. 

Wer das Virus, wer das Virus ehrt ... Wird „fromm” in schlechtestem Sinne und schenkt die eigene Immunkraft gerade demjenigen, was die eigene Kraft stören kann. Der zu beobachtende Covid-Corona-Kult ist eine unter dem Deckmantel der Notwendigkeit lebendig gewordene Autoimmunerkrankung gottlos gewordener Gesellschaften.  Und der unbewusst geschehene Umwandlungsakt nichtbesiegbarer Entitäten in solche Mächte, die man unbewusst anfleht - das ist eine Mischung aus reflektiertem Grusel und sich hingebender Faszination, also Ehr-FURCHT im schlechtesten Sinne. War Religion schon immer ein Kunstgriff hinein ins Herz des Unmöglichscheinenden - und trug sie auf diese Weise u.U. streckenweise durch die und aus der Gefahr - ist die Lebensübergabe an Corona nunmehr eine ähnliche Selbstvernichtung, wie wir sie schon bei den menschenfressenden Hochkulturen mittelamerikanischer Urvölker beobachten mussten. Diese haben sich auf dem Höhepunkt ihrer Macht noch vor der Ankunft der Spanier selbst zerstört. Auf dem Höhepunkt lauert der Untergang - und er vollzieht sich gemäß den sonderbaren Gesetzen der Perversion. 

Kann man gegenwärtig nicht tatsächlich eine Kultur der Verehrung des Viralen beobachten? Die Kultur und Öffentlichkeit schmiegt sich dem Virus, bzw. der besonderen Gefahr an, die von dortaus (wirklich - und/oder nur eingebildet) ausgeht. Der ganze Planet scheint sich momentan einzureihen in den Kreistanz um eine schleimige grüne Blase. Zumindest wird uns durch die Medien solche folgsame Bereitschaft empfohlen. Die Missionare aus kolonialen Zeiten könnten sich hier eine Scheibe abschneiden. Ein Negtheos ist entstanden, dessen Macht unablässig verkündigt wird. Diese negative Gottheit ist über Nacht durch unsere Fenster gestiegen und wir haben sie hereinsteigen lassen. Man huldigt, indem man sie fürchtet und ihr Kasel und Stola stiftete: Die Maske. Dieselbe macht bereits dem Bikini Konkurrenz: Die Scham ist höher gerückt und sitzt seit März 2020 woanders. Sie ist unisex geworden - denn nunmehr geht nicht mehr von Busen und Hintern - sondern von Mund und Nase der wahrhaftigerere Terror aus.

Zeitungsbilder führen uns solche Menschen vor, die ihr menschliches Antlitz aus unterschiedlichen Gründen aufgegeben haben. Aus Überzeugung, Vorsicht, Angst, Schuldgefühlen und als Resultat einer irrationalen Ehrfurcht vor dem Unbekannten. Zur Verehrung des Schrecklichen gehört auch, dass man sich mit dieser Maske als einsichtiger Jünger (und Jüngerin) vor der neuen Priesterschaft der Corona zeigen kann, also vor denen, die als sogenannte Wissenschaftsschaffende am Start sind, besonders vor Virologen, deren Instituten und vor aufgeregten Statistikpredigern und Zahlencheckern. Man sieht mitunter sogar in offener Landschaft FahrradfahrerInnen mit angelegter Maske. An deren Beispiel wird besonders deutlich, wie abstrus die Situation geworden ist - diesen Reisenden gelte unser besondere Fürbitte. Leibhaftige Zeugen einer Unterwerfung unter die Götzengöttin Corona. Vielleicht ist es aber auch eine spezielle Form des uralten Hangs zur Darstellung nach außen und zugleich des ewigen Aufmerksamkeitsgeheischs vor sich selbst. Exibition, hier einmal nicht durch Enthüllung, sondern durch Verhüllung. Dass die Masken bunt sind - gehört übrigens zur besonderen Raffinesse des Verblendungszusammenhangs mit dazu, denn es gibt für jeden eine andere Maske - die hässlich blau/weißen oder die elegant schwarzen. Welche mit Parteiaufdruck und welche ganz ohne alles. Die Uniform der Vielfalt.

Wenn ich einen Vorschlag machen müsste, welche Maske man mit sich führen solle, würde ich eine in der Art der oben abgebildeten empfehlen. Unten ein fester Stab dran, mit Hilfe dessen man sich das hin und wieder tatsächlich wohl noch (un)verzichtbare Teil schnell vor das edle Antlitz führt - und diese Bedeckung aber auch genauso schnell wieder fahren lässt. So also, dass man sein besorgt lachendes Gesicht dahinter zeigen kann. Ja, - das gibt es: Besorgtes Lachen.

Weil nun spätestens seit Kant jede Religion erst dann erhobenen Hauptes in die Welt treten sollte, wenn sie sich vorher ihrer eigenen Kritik unterzogen hat, versteht sich der vorliegende Essay als demaskierende „Maskenreligionskritik“.  Es gibt ja schon lange (seit Beginn des Desasters) unüberhörbar Kritik an der Darstellung des Virus Covid-19-Getümmels. Kritiker stehen hier gegen Kritiker - und Wissenschaftler gegen sogenannte Wissenschaftler. Eine Kritik, die das ganze Ding auch als dämonisch postmodernen Gottesausbruch” oder als missglückte Volksmission namens „Götzenpandemie“ in den Blick nimmt, gab es meines Wissens nirgends? Hier ist sie nun - wenn auch reichlich verspätet. 
Obwohl es Gott in jener Weise nicht gibt, wie Löffel und Gabeln auf unseren Tischen liegen und es ihn so auch nie gegeben hat (einen Gott, den es gibt, gibt es nicht D. BONHOEFFER) - so ist doch von der Vorstellung eines "real" existierenden Gottes tatsächlich hin und wieder nicht wenig Unheil ausgegangen. Religionskritik hat hier - Gott sei Dank - seit Jahrhunderten schwere und gute Aufklärungsarbeit geleistet. Möge sie auch an dieser Stelle das Ihrige bewirken. Überall dort, wo Gedanken, Dinge und Prozesse auf die Grundstimmung des Menschen pandemisch übergesprungen sind, so dass sie zur "Religion" werden konnten oder zu einer solchen (bewusst oder unbewusst) gemacht werden sollten - an diesen Plätzen erscheine sofort die Religionskritik auf dem Plan. Sie hat die Pflicht dazu! Zugegeben - das ist ein nicht ungefährliches Geschäft. Denn wer Götter abschaffen will, hat erst einmal mit jenen Kräften zu tun, welche diese Götter haben erschaffen wollen! Der Mutige weiß, welche immense Kraft und Macht falsche Gedanken haben und welchen Sog sie erzeugen, wenn sie die Massen ergreifen.

Zuletzt - Überlegungen, den Gemeindegesang in einer Kirche zu verbieten, für Prozessionen zum Gnadenbild der Schutzheiligen Verbote zu erlassen, davon abzustehen, das Höchste zu verehren, Nötigungen, sein wahres Gesicht nicht mehr zu zeigen - und, was das Allerschlimmste wäre, Menschen zu unwirksamen Impfabos zu zwingen! Das alles wären (man sehe mir die terminologische Anleihe bei Rudolf Steiner nach) ahrimanische Eingriffe in das lebendige Gewebe, welches Himmel und Erde seit Menschengedenken wohltätig verbindet. Vor einigen Jahrhunderten wären solche Verordnungen und Empfehlungen jedenfalls noch als satanische Eingriffe gebrandmarkt worden. Schwerwiegende Eingriffe sind es wahrscheinlich tatsächlich, welche die Immunlage des einzelnen Menschen und die der Gesellschaft eher nicht stärken, sondern massiv schwächen. Man wird diesen Fragen nachgehen müssen. Und man sollte sie genauso wenig fürchten, wie die nach 1755 in Lissabon gestellte Theodizeefrage. Diese wurde damals der Kirche und den Denkern in ihrem Bannkreis gestellt. Heute muss sie zusätzlich auch an die Ohren der Regierungen. Man muss sich getrauen, dem Unheimlichen mit Gottes Hilfe tief in die Augen zu schauen, damit man zur verloren gehenden Freiheit des Denkens nicht auch noch mit Blindheit geschlagen wird …

Autor:

Matthias Schollmeyer

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