Exkurs:
Kauf und Reue

Daniel in der Löwengrube (Briton Riviere *14. August 1840 in London; † 20. April 1920)
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  • hochgeladen von Matthias Schollmeyer

Es gibt sie wirklich!  Die sogenannte Nachkaufdissonanz. Man hat sich beispielsweise gerade einen Ford gekauft und dann merkt man, wie ein Volkswagen doch besser gewesen wäre … Aber man hat jetzt den Ford! Ein guter Freund fragt einen: „Wie konntest Du nur diesen Fehler begehen?”  Der Freund hat wieder alles richtig gemacht und den Polo erworben. Doch du nur den Fiesta. Man hadert mit sich, man bereut den Kauf, man möchte am liebsten alles rückgängig machen. Aber es geht nicht mehr. Der Polo ist fort - und der Ford ist da. Man ist verstimmt und verärgert, reizbar - Weib, Kind und Hund bekommen es zu spüren. Das macht die kognitive Dissonanz, die Kauf-Reue oder eben Nachkaufdissonanz.

Wir können uns leicht vorstellen, dass es dieses Ding nicht nur bei Käufen von Autos, Rolexuhren und Immobilien gibt, sondern auch nach dem Erwerb von Religion und Weltanschauung. Was macht man in einem solchen Fall? Kann man umtauschen? Den bärtigen Guru verlassen und in’s Team Jesu überlaufen. Heinrich Heine hat sich zum Beispiel 1825 in Heiligenstadt taufen lassen, was ihm den Zutritt zur Gesellschaft des 19. Jahrhunderts eröffnete. Der jüdische Dichter konnte mit ausgedehnten Kenntnissen bezüglich des Neuen Testament aufwarten und wusste den Superintendenten Gottlob Christian Grimm von der Tauf-Würdigkeit zu überzeugen. Heine hat diesen Schritt nie bereut, und ist natürlich im Herzen immer ein Sohn Abrahams geblieben. 

Schwerer haben es diejenigen, welche den seriösen Kirchen bisher fern blieben und nur in irgendeine Partei eingetreten sind. Jetzt hat sich diese Partei mittelfristig als nicht so gut herausstellt und im Blick auf Wertekanon und Programm schlapp gemacht? Oder wenn man zu einer kuriosen Weiterbildung oder irgendeiner mindestens "umstrittenen" Therapie antreten musste, dazu überredet bzw. hinterhältig irgendwie sogar dazu genötigt wurde. Wer hilft? Wie kommt man davon wieder weg, denn das Ganze hat sich längst als unsinnig, wenn nicht sogar als schädlich heraus gestellt. Was dann? Fragen über Fragen ... Wie kommt man von dem Pferd runter, das in die falsche Richtung läuft? Reue setzt ein und paart sich mit  Enttäuschung oder sogar mit dem berechtigten Zorn. Das ist die Nach-Kauf-Dissonanz.

Kluge und geschulte Verkäufer begegnen der Nachkaufdissonanz, indem sie schon vor der Unterschrift mit verschiedenen Boni locken und dieselben auch wirklich verteilen: Gutscheine für Ford-Events, irgendwelche Basecaps bzw. Hüpfburgentage für die Kids. Oder sie lassen dich hochleben und lautstark feiern, weil du die richtige Wahl getroffen hast. Du wirst ermuntert, stolz darauf zu sein, dass du mit auf dem großen Tier sitzt. Dass es in die falsche Richtung läuft - egal. Hauptsache, die Dissonanz ist erstmal weg - und du wird für irgendwas gelobt.

Propheten (davon hat Heinrich Heine viel geschrieben und gedichtet) wurden übrigens nie gelobt, sondern sind mit Sprüchen und Liedern aufgefallen, die (wenn der Begriff inzwischen nicht eindeutig nur negativ konnotiert  wäre) als kreative Verschwörungstheorien der vorchristlichen Zeit durchgehen könnten.  Jesaia und Daniel -  um nur zwei wichtige Zeugen anzuführen. Es gibt noch viel mehr Propheten! Falsche Hofpropheten, deren Namen inzwischen fast alle vergessen sind. Und es gibt die richtigen, deren Namen in der Bibel stehen. Sie sind mitten unter uns.

Wie bekommt man die vielen falschen Zettel vom Schreibtisch weg und die Nanopartikel aus der Lympfbahn. Wer holt die Spices wieder aus dem Blut und zieht die Verantwortlichen zur Verantwortung? Das ist eine gute Frage. Wenn es keine Lösung gibt, wächst die Gefahr ins Unermessliche, sich Lösungs-Ersatz zu wählen. Ach, man will alle seine Bedenken umdenken können - und versucht, sich die Nachkaufdissonanzen in Nachkauffreuden umzulügen. Manche können das tatsächlich: Niederlagen in Siege umzudeuten - das ist seit jeher Gnade und zugleich Fluch der Intellektuellen gewesen. Die sogenannten Intellektuellen sind mit Theorien und Zetteln am einfachsten in die Irre zu führen. Mit dem Haufen des Volkes geht das nicht so leicht! Wie dem auch sei - ganz Gallien scheint bei der Beschwichtigung der großen unserem Äon aufbrechenden Nachkaufdissonanzen mitzumachen.  Nein! Denn irgendwo muss es das von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf noch geben. Oder will jemand behaupten, dass von Asterix Lügen verbreitet werden?

Autor:

Matthias Schollmeyer

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