Wenn die Farbe bröckelt

Weiße Flecken: Am Altarsockel der Stendaler Petrikirche ist bereits Farbe abgeblättert. Für mehr als die Notsicherung fehlt das Geld.
  • Weiße Flecken: Am Altarsockel der Stendaler Petrikirche ist bereits Farbe abgeblättert. Für mehr als die Notsicherung fehlt das Geld.
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Trockenheit: Die Folgen des niederschlagsarmen Sommers sind an und in den Kirchen zu sehen. Mittelalterliche Kunstwerke leiden unter niedriger Luftfeuchte.

Von Katja Schmidtke

Der heiße und trockene Sommer hat in Mitteldeutschlands Kirchen nicht nur die Orgeln verstimmt oder gar unspielbar gemacht, sondern gefährdet auch viele historische Kunstwerke. Betroffen sind vor allem mittelalterliche Altäre, aber auch Emporen- und Deckenmalereien und ornamentale Malereien, schildert Bettina Seyderhelm, Kunstreferentin für den Norden der Evangelischen Kirche Mittel-deutschlands, im Gespräch mit der Kirchenzeitung.
Bleibt der Regen über Wochen oder gar Monate aus, sinkt die Luftfeuchtigkeit selbst hinter dicken Kirchenmauern. Holz als lebendiges Material arbeitet, es kann sich ausdehnen oder im Falle von langanhaltender Trockenheit zusammenziehen. Das Kreide-Leim-Gemisch, mit dem die mittelalterlichen Meister oder auch Cranach das Holz vor dem Farbauftrag bearbeitet haben, kommt mit diesen Bewegungen nicht mit. Auf zu wenig Platz ist plötzlich zu viel Farbe. Der Malgrund bricht und mit ihm die Farbe. Genau dies ist bei vielen Altären passiert, auch bei mitunter erst restaurierten Exemplaren.
»Lange kommen die Bilder mit Klima-Schwankungen zurecht, aber in diesem Jahr war es einfach zu extrem«, sagt Bettina Seyderhelm. So zum Beispiel in der Stendaler Petrikirche, wo Interessierte gerade erst die Arbeit der Restauratoren am Triumph-kreuz bewundern konnten. In der ältesten Kirche der Stadt offenbaren sich an der rund 600 Jahre alten Predella des Altars die Folgen der Trockenheit: Weiße Flecken. »Hier ist die Farbe schon heruntergefallen«, beklagt Bettina Seyderhelm das traurige Aussehen Jesu mit Heiligenschein. Neben den weißen Flecken ist auf den ersten Blick auch ein Geflecht aus Bruchkanten zu sehen und manchmal stehen Kreide-Leim-Grund und Farbe in Schollen ab.
Solche Kunstwerke müssen notgesichert werden. Dafür wird hauchdünnes Japanpapier mit Fischleim über die brüchige Stelle gelegt. Damit soll bei weiteren Bewegungen des Holzgrunds ein Brechen und Abblättern der Farbe verhindert werden. Eine dauerhafte Lösung ist das nicht, denn sowohl Leim als auch Papier reagieren mit dem wertvollen Original. Dennoch muss das Japanpapier oft länger auf den Werken bleiben, weil das Geld für eine echte Konservierung fehlt.
Bettina Seyderhelm, die auch Vorsitzende der Kirchlichen Stiftung Kunst- und Kulturgut in der Kirchenprovinz Sachsen ist, hat das Thema in der Kuratoriumssitzung der Stiftung angesprochen. Aus dem Notsicherungsfonds werden sich nicht alle Arbeiten finanzieren lassen. »Wir müssen uns grundsätzlich Gedanken machen.« So zählen die Kirchen in Sachsen-Anhalt zwar zu den größten Denkmalseignern im Land, im Gegensatz zu den staatlichen Museen gibt es aber keine festangestellten Restauratoren. Die Verantwortung für die historischen Schätze verteilt sich auf einzelne Gemeinden, die unterschiedlich groß und leistungsfähig sind.
Viele Gemeinden und natürlich auch die ehrenamtlichen Kunstbeauftragten der Kirchenkreise sind seit dem Sommer sensibilisiert und haben Schäden bereits gemeldet. Neben der Gefahr durch die Trockenheit fragen sich die Experten auch, ob und wenn ja, welchen Einfluss die hohen Temperaturen auf die Entwicklung von Schimmelpilzen haben könnten. Fragen, die natürlich auch die Kirchbau- und die Orgelreferenten beschäftigen. Gemeinsam soll nach Lösungen für kostengünstige Messungen und ein praktikables Lüftungsmanagement gesucht werden, sagt Bettina Seyderhelm.

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Online-Redaktion aus Weimar

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