Sieben und zwei macht eins

Gemeinsam reden, planen und essen: Zwei Mal im Jahr treffen sich Kirchenälteste und Hauptamtliche zum Regionalbeirat im »Nözz« – der kirchlichen Region nördliches Zeitz (Kirchenkreis Naumburg-Zeitz).
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Kirche in der Region:
Nördlich von Zeitz wachsen zwei Gemeinden und sieben Kirchspiele zusammen zum nördlichen Zeitz, kurz »Nözz«. Ein Erfahrungsbericht.

Von Katja Schmidtke

Die Türme der 36 Kirchen sind nicht zu übersehen, seit Jahrhunderten prägen sie die Dörfer rund um Zeitz, und dennoch wuchs nach der Jahrtausendwende die Angst, ob die Kirche im Dorf bleibt oder unsichtbar wird. Weniger Mitglieder, weniger Pfarrstellen und doch so viel Arbeit, dass sie keine Gemeinde allein bewältigt, eigentlich nicht einmal ein Pfarrbereich.
Verlust und Angst standen am Anfang, doch daraus ist im Süden von Sachsen-Anhalt Neues und Mutmachendes entstanden. Vor zehn Jahren machten sich die Gemeinden auf den Weg, zu einer Region zusammenzuwachsen, zum »Nözz« – der Region nördliches Zeitz.
Formal-juristisch besteht die Struktur mit Pfarrer und Ortsgemeinde fort, es existieren weiterhin zwei eigenständige Gemeinden und sieben Kirchspiele und Kirchengemeindeverbände. Aber das Selbstverständnis hat sich gewandelt. Die zwei Pfarrstellen und die anderthalb Stellen für Gemeindepädagogen verteilen sich auf insgesamt fünf Hauptamtliche, hinzu kommt eine Vikarin. »Ich bin nicht der Pfarrer für Profen. Wir alle sind Mitarbeiter für die Region«, sagt Matthias Keilholz.
Wo die Zusammenarbeit früher auf Zuruf geschah, wird nun strukturiert die Arbeit geteilt. Pfarrer Keilholz, die ordinierten Gemeindepädagogen Friederike und Johannes Rohr sowie die Gemeindepädagogen Georg Frick und Katrin Lange sind in allen Orten und Gruppen unterwegs, sie sind in der Region präsent, kennen sich aus, können sich so im Fall von Urlaub und Krankheit besser vertreten.
Das »Nözz« ist in fünf Gemeinschaften unterteilt, in denen jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert wird – die Orte und Prediger wechseln sich ab. Keiner der insgesamt 2 500 Christen der Region soll mehr als zehn Kilometer zum nächsten Gottesdienst fahren müssen. »Manche fahren in den Nachbarort, andere nicht«, sagt Pfarrer Keilholz. Es gelingt nicht immer, das Kirchturmdenken zu durchbrechen. Das ist Arbeit für eine Generation.
Der Basis ist nichts übergestülpt worden: Im Gegenteil. »Die Gemeinden haben damals das Problem erkannt und wussten, dass sie handeln müssen«, sagt Daniel Thieme, Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Naumburg-Zeitz. Als das Vorhaben »Nözz« als Modellprojekt der Landeskirche startete, stimmten die Gemeindekirchenräte zu. In einem Beschluss legten sie fest, nach innen und außen als eine Region aufzutreten. Zwei Mal jährlich treffen sich die Kirchenältesten und Hauptamtlichen zum Regionalbeirat. Hier planen sie das Jahr und tauschen sich aus, etwa über ihre Haltung zum Abendmahl mit Kindern oder ob die Kirchen auch für weltliche Trauerfeiern offen sein sollten. Auch der Regionalkonvent mit den Christen aus Zeitz ist seit Jahren eine feste Größe. Das »Nözz« gibt einen gemeinsamen Gemeindebrief heraus, betreibt eine Homepage, organisiert Kirchentage oder besondere Gottesdienste. Nach zehn Jahren, bilanziert Pfarrer Keilholz, verstehe sich die Region tatsächlich als Region. Die Christen zwischen Rathewitz und Langendorf, Muschwitz und Gleina erleben, dass kirchliches Leben im Dorf angeboten wird: Gottesdienste und Musik, Konfi-Arbeit, Angebote für Kinder und Jugendliche, Seniorentreff und Bibelgespräch. »Eigentlich sind wir nun sogar mehr Hauptamtliche als in der klassischen parochialen Struktur«, sagt
Pfarrer Keilholz.
Die Region hat aber ihre Tücken: Nach wie vor wohnt der Pfarrer, wohnt die Gemeindepädagogin an einem Ort, bekommt nur dort den Alltag mit. Die Wege sind lang, der Kontakt zu den Mitarbeitern weniger direkt und auch rechtlich ist das »Nözz« nicht eins. Als das Ehepaar Rohr in Hohenmölsen eingestellt wurde, war im Auswahl- und Bewerbungsprozess nur das dortige Kirchspiel beteiligt. Nicht alles ist zu Ende gedacht, an manchem gibt es Kritik und vieles muss sich noch entwickeln. Trotzdem sagt Pfarrer Keilholz: »Es gibt keine Form, wie es anders laufen könnte.«

Gemeinsam reden, planen und essen: Zwei Mal im Jahr treffen sich Kirchenälteste und Hauptamtliche zum Regionalbeirat im »Nözz« – der kirchlichen Region nördliches Zeitz (Kirchenkreis Naumburg-Zeitz).
Kirche im Dorf: 
(v. li.) Pfarrer Matthias Keilholz und der ordinierte Gemeindepädagoge Johannes Rohr mit Landes-
bischöfin Ilse Junkermann beim regionalen Kreis-
kirchentag in Stößen
Autor:

EKM Süd aus Weimar

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