Unverzagt, gelassen und mit Humor

Peter Schicketanz

Zum Tod des Theologen, Soldatenseelsorgers und Pädagogen Peter Schicketanz

Von Gerhard Zachhuber

Am 17. Januar ist Peter Schicketanz verstorben. Am 25. April wäre er, der von Jugend auf nach einer Erkrankung schwer Behinderte, 87 Jahre alt geworden. Bis in die letzte Zeit war er aktiv und – wenn auch im Rollstuhl – mobil. Freunde und Weggefährten erinnern sich mit größtem Respekt an eine außergewöhnliche Lebensleistung – in seinem persönlichen Leben und im Dienst der Kirche.
Peter Schicketanz wurde in Görlitz geboren, lebte bis zu seinem 14. Lebensjahr im damals sudetendeutschen Friedland, wo sein Vater eine Eisenwarengroßhandlung hatte. Als die Familie ihre Heimat verlassen musste, wohnte er wieder in Görlitz, machte 1949 Abitur und nahm eine Lehre zum Maschinenschlosser auf mit dem Ziel, Ingenieur zu werden. Kurz nach Beginn der Lehre jedoch gab, wie er in einem Lebenslauf schrieb, Gott seinem Leben »rasch und gründlich eine andere Richtung«. Er erkrankte schwer an spinaler Kinderlähmung, und es dauerte zwei Jahre, bis er soweit hergestellt war, dass er einen neuen Anfang machen konnte. Er war sich nun sicher, dass sein Weg zum Dienst als Pfarrer führen müsse. Er studierte von 1951 bis 1956 in Halle Theologie, wo ihn die Studentengemeinde stark geprägt hat, und bis 1957 in Basel; er war Vikar und Studieninspektor am Reformierten Konvikt in Halle, promovierte an der Kirchlichen Hochschule Berlin und wurde 1960 Pfarrer in Nordgermersleben. 1958 heiratete er Gisela, geb. Zimmer; und die beiden bekamen vier Söhne.
Er hat sich von seiner Behinderung nicht lähmen lassen, sondern sich seinem Leben mit ihr entschlossen und mutig zu stellen vermocht – unverzagt und ohne Verbissenheit, vielmehr mit Gelassenheit, einem charakteristischen lakonischen Humor und einer gewinnenden, wenn auch etwas bärbeißig wirkenden Freundlichkeit.
Seine Lebensleistung für die Kirche war – zumal aus der Sicht der damaligen Kirchenprovinz Sachsen, der er sich seit seinem Studium zugehörig fühlte – ebenfalls bewundernswert. Von 1964 bis 1968 war er persönlicher Referent von Bischof Johannes Jänicke. Es war von Bedeutung für seinen weiteren Weg, dass er 1965 die Funktion eines Redaktionssekretärs in einem Arbeitskreis übernahm, der die Handreichung »Zum Friedensdienst der Kirche« verfasste, eine damals eminent wichtige Ausarbeitung mit großer Wirkung in der DDR. Das Thema Wehrdienstverweigerung blieb Schwerpunkt seiner Arbeit und seines Nachdenkens. Er beriet und besuchte Bausoldaten, was mancherlei Schwierigkeiten mit sich brachte und ihn auch ins Visier der Stasi geraten ließ. Zuletzt beschäftigte ihn die Thematik, als er mit Bernd Eisenfeld das 2011 erschienene Buch über »Bausoldaten in der DDR« schrieb.
Ab 1968 war Peter Schicketanz Ausbildungsdezernent im Magdeburger Konsistorium. In diesen Jahren hat er entscheidende Weichen für eine Reform der theologischen Ausbildung, speziell der 2. Theologischen Prüfung, gestellt, aber auch durch Besuche in Ausbildungsstätten und Rüstzeiten vertrauensvolle Kontakte zu den Studierenden und Vikaren gesucht. Ab 1977 war er an einem neuen Projekt beteiligt: der Ausbildung von Gemeindepädagogen zu einem dem Pfarrdienst gleichrangigen Verkündigungsdienst. 1979 wurde er erster Rektor der Ausbildungsstätte für Gemeindepädagogik in Potsdam. Er hat diesen Dienst bis 1996 getan.
Nach dem Tod seiner Frau Gisela hat er am 11. Juni 1999 noch einmal geheiratet. Mit Ingeborg Dirksen-Küfner hat er in Garbsen bei Hannover gelebt. 2016 ist auch sie verstorben. Seine letzte Lebenszeit hat er in Wittenberg verbracht.
Mit dem Tod von Peter Schicketanz verliert unsere Kirche einen Menschen, der für ihren Weg durch die DDR und danach von prägender und bleibender Bedeutung war. Viele Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche werden im Gedächtnis behalten, wie er ihnen mit Rat und Wegweisung beigestanden hat. Und viele denken mit Anteilnahme an die Familien seiner Söhne mit Enkeln und Urenkeln.

Der Autor ist Oberkonsistorialrat i. R.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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