Karmelitenkloster: »Schmuckkästchen« in der Innenstadt

Blick in die Vergangenheit: Im Zentrum Jenas befinden sich die Überreste des ehemaligen Karmelitenklosters.
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  • Foto: Beatrix Heinrichs
  • hochgeladen von Adrienne Uebbing

Überreste von Sakristei und Kapitelsaal bilden den Kern der neuen Stadtbibliothek

Von Beatrix Heinrichs

Das Grün leuchtend – ein lebendiger Kontrast vor den steingewordenen Spuren der Zeit. Inmitten der belebten Innenstadt Jenas ist ein kleines Idyll entstanden. Der frische Rasen umreißt heute die Stelle, an der sich vor 500 Jahren der Kreuzgang des Karmelitenklosters befand. Ein Ort mit wechselvoller Geschichte. Nach aufwendigen Sanierungsarbeiten sind der Klosterhof und die erhaltenen Überreste von Sakristei und Kapitelsaal nun zugänglich.
»Ein Schmuckkästchen« nennt es Karl-Hermann Kliewe, Werkleiter des Jenaer Eigenbetriebs Kommunale Immobilien, der mit der denkmalgerechten Restaurierung beauftragt war. In Thüringen ist es die letzte noch erhaltene Klosteranlage des Karmelitenordens.
Neben kleineren Funden während der Grabungen, die auf die intensive Nutzung der Anlage hinweisen, machte Stadtarchäologe Matthias Rupp eine besondere Entdeckung: »Mit der Dachabnahme trat nicht nur ein Orginalfußboden aus dem 15. Jahrhundert zutage, die Sicherung des Bestands brachte auch Aufschluss über die Ausmaße des Gebäudes, das mit einer Gesamthöhe von zwölf Metern gigantisch war.«
Die Brüder der Seligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel kamen im
13. Jahrhundert aus dem Heiligen Land nach Europa. Der jüngste der vier großen Bettelorden der katholischen Kirche wirkte vor allem in der Seelsorge für Laien. Über die Spenden und Stiftungen aus dieser Tätigkeit finanzierten sich auch die Jenaer Karmeliten. 1414 siedelte sich der Orden vor den Toren der Stadt an. Das kleinste der drei Jenaer Klöster bestand nur etwas mehr als einhundert Jahre. Im Zuge der Reformation wurde es säkularisiert und ging in den Besitz des Landesfürsten über. Der wusste das Gebäude bald zugunsten der noch jungen Universität zu nutzen. 1554 gab Herzog Johann Friedrich I. von Sachsen die Gründung einer Druckerei in Auftrag. Neben der Lutherbibel wurde hier auch die Jenaer Gesamtausgabe der Lutherschriften gedruckt. Zwölf Bände, erschienen in fünf Auflagen, die Luthertexte chronologisch geordnet, um fremde Kommentare bereinigt und ergänzt durch Briefe Luthers und Dokumente zur Reformationsgeschichte. Nach Meinung von Historikern und Theologen weit bedeutender als die Wittenberger Fassung.
Als im Dreißigjährigen Krieg die Kirche zerstört wird, beginnt der langsame Verfall des Klosterareals.
Nun schlägt die Stadt den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, denn die Überreste des Karmelitenklosters sollen den Nukleus der neu entstehenden Jenaer Stadtbibliothek bilden.

Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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