Wenn die Kirche zum Multifunktionsraum wird

Haben einen Plan: Pfarrer Andreas Schuster (links) und Ernst-Friedrich Leiberich vom Gemeindekirchenrat der Petri-Gemeinde.
  • Haben einen Plan: Pfarrer Andreas Schuster (links) und Ernst-Friedrich Leiberich vom Gemeindekirchenrat der Petri-Gemeinde.
  • Foto: Claudia Crodel
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Löbejün: Die Petri-Gemeinde will ihr Gotteshaus nicht nur für Gottesdienste nutzen

Von Claudia Crodel

Was tun, wenn eine kleine Kirchengemeinde ein Gemeindehaus hat, das – in die Jahre gekommen – nur noch mit sehr großem Aufwand in Ordnung gehalten werden kann und der Gemeindekirchenrat das nur mit enormen Anstrengungen schafft? Die Petri-Gemeinde in Löbejün hat sich auf eine außergewöhnliche Lösung diese Problems geeinigt: Sie hat das Gemeindehaus zum 1. Januar 2017 verkauft und will nun demnächst das Kirchengebäude selbst einer multifunktionalen Nutzung zuführen. Das heißt, die Gemeinderäume – also der Gruppenraum, eine Tee-Küche, das Büro, die Toiletten und eine gemütliche Sitzecke – sollen mit in den sakralen Bau, der aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt.
»Ein vergleichbares Projekt kenne ich in unserem gesamten Kirchenkreis nicht«, sagt Torsten Bau, der Sprecher des Kirchenkreises Halle-Saalekreis. Doch bis das Vorhaben realisiert ist, wird noch einige Zeit vergehen. Zunächst erstellten mehrere Architekturbüros Vorschläge für die Umsetzung. Dabei ging es um die Frage: Wo in der Kirche sollen die für ein sa­krales Gebäude ungewöhnlichen Räume hinkommen, ohne dass es zu großen Eingriffen in den Gesamteindruck des denkmalgeschützten Baus kommt? Den Zuschlag bekam das Büro von Architektin und Dombaumeisterin Regine Hartkopf, die ganz darauf setzt, tragfähige, langfristige Lösungen im Spannungsfeld zwischen den berechtigten Ansprüchen der heutigen Zeit und dem Erhalt der historischen Substanz zu finden. »Ihr Entwurf verbessert zudem den bislang eher farblosen, tristen Eindruck beim Betreten der Kirche«, stellt der zuständige Pfarrer Andreas Schuster in Aussicht.
Unter der Orgelempore soll der Gemeinderaum entstehen, der zum Altar hin eine Glasfront bekommt. Dafür müssen einige Reihen der Kirchenbänke reduziert werden. Der Haupteingang wird von der Nord- auf die Südseite der Kirche verlegt. Der Zugang auf der Nordseite, der direkt in den Gemeinderaum führt, wird barrierefrei. Ein Aufgang zur Empore wird wegfallen. Im dahinter liegenden Turm werden die Küche und eine gemütliche Sitzecke Platz finden, im Untergeschoss des Turms die sanitären Anlagen. Nur das Gemeindebüro findet in diesem Bereich des sakralen Baus keinen Platz mehr. Es soll deshalb in den Raum neben dem Altarraum ziehen, in dem es eine Fußbodenheizung gibt.
Das Bauvorhaben, für das bereits die denkmalrechtliche Genehmigung vorliegt, wird 250 000 Euro kosten. Für die Finanzierung erhofft sich die Kirchengemeinde Fördergelder der Landeskirche. Aber auch ein Kredit soll aufgenommen werden. Was dessen Rückzahlung betrifft, blickt man optimistisch in die Zukunft. »Es gibt regelmäßige Einnahmen von Funkanbietern, die den Kirchturm für Funkmasten für den Handyempfang nutzen«, erläutert Pfarrer Schuster. Noch in diesem Jahr hofft man, mit der Umsetzung der Baumaßnahmen beginnen zu können. Im ersten Schritt geht es um die Arbeiten unter der Orgelempore und im Turm. »Dieser erste Bauabschnitt soll 2018 über die Bühne gehen«, so Schuster. »Zu Karfreitag 2019 soll er fertig sein, denn dann soll es einen Festgottesdienst zum 150. Todestag des wohl berühmtesten Sohns des Ortes Löbejün, des Komponisten Carl Loewe, geben.«

Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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