Die Themen kommen aus den Gemeinden

Collegium maius: Das Hauptgebäude der Alten Universität in Erfurt im ehemaligen »lateinischen Viertel«. Schon Martin Luther studierte hier. Heute ist es der Sitz des Landes-kirchenamtes. Im großen Saal (Foto) tagt die Synode.
  • Collegium maius: Das Hauptgebäude der Alten Universität in Erfurt im ehemaligen »lateinischen Viertel«. Schon Martin Luther studierte hier. Heute ist es der Sitz des Landes-kirchenamtes. Im großen Saal (Foto) tagt die Synode.
  • Foto: Willi Wild
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Herbsttagung: Die Mitglieder der Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutsch-land (EKM) trafen sich in Erfurt. Dieter Lomberg, der ehrenamtliche Vor-sitzende der Versammlung, über die Situation der Landeskirche und der Kirchengemeinden.

Wie erklären Sie Ihrem Sohn, was Sie bis Sonnabend in Erfurt machen?
Lomberg:
Meinem fünfjährigen Sohn erkläre ich, dass ich für einige Tage ein großes Treffen von Menschen leiten werde, die gemeinsam Entscheidungen treffen, wie es mit der Kirche weitergehen wird, mit der Kirche bei uns im Dorf, aber auch an anderen Orten. Es wird schwierig werden, weil es immer viele Meinungen, Wünsche und Ideen dazu gibt, die nicht immer sofort zueinander passen. Aber es kann gelingen, wenn jede und jeder zuerst versucht, die und den anderen zu verstehen, was sie und er wollen.

Was sind die drängendsten Aufgaben in der Landeskirche?
Lomberg:
Dass wir lernen, uns nicht in allem drängen zu lassen. Natürlich gibt es eine Reihe von Baustellen, an denen wir arbeiten. Aber das war immer schon so. Ich wünsche mir, dass wir vernetzter denken, zunächst weg von Individualinteressen. Das gemeinsame Ziel, eine zukunftsfähige Kirche zu sein, muss uns einen. Dann werden wir wissen, was wir wollen, sehen, was zu tun ist und wer es wie am besten kann. Das wird ein Ringen um Wege und Kompromisse erfordern. Das gelingt, wenn wir uns dabei in die Augen sehen. Das haben einige Debatten und die Gemeindesynode gezeigt.

Wo sehen Sie derzeit den größten Gesprächsbedarf?
Lomberg:
Die Gesprächsbedarfe sind unterschiedlich, aber es geht sehr häufig um die Frage nach der Kirche im 21. Jahrhundert: Wie wollen und können wir künftig Kirche für uns und die Menschen in unserem Umfeld sein? Das wird eine vielfältige Kirche sein, bestimmt davon, das Evangelium zu den Menschen zu bringen, mit ihnen zu leben, sie zu verstehen und abzuholen zu Gott.
Dazu gehört auch das Gespräch über die Darstellung der Kirche. Ich habe nicht den Eindruck, dass inner- und außerhalb der EKM deutlich wird, dass die Kirche auch von ehrenamtlich Tätigen geleitet wird. Den vielen Ehrenamtlichen an dieser Stelle ein großes Dankeschön dafür! Mit Kirchenleitung wird noch viel zu regelhaft das Hauptamt verbunden, die Pfarrerin, der Pfarrer. Prüfen Sie doch einmal den Inhalt auch Ihrer Zeitung daraufhin.

In den Kreissynoden scheinen die kleiner werdenden Gemeinden, Einsparungen, Vakanzen und Überlastung die Debatten zu bestimmen. Wie schätzen Sie die Situation an der Kirchenbasis ein?
Lomberg:
Diese Debatten werden immer geführt werden. Das ist gut und richtig so. Nur wenn wir diskutieren, also über unseren Weg in den Gemeinden und Kirchenkreisen reden, ergeben wir uns keinem Schicksal, sondern gestalten das, was wir wollen mit dem, was wir haben, und wie wir es können, ohne uns zu überlasten. Das ist sicherlich noch nicht überall so, aber es gibt große Fortschritte.

Wird die Situation in den Kirchengemeinden auch die Landessynode bestimmen?
Lomberg:
Die Situation der Landessynode bestimmt sich immer von den Kirchengemeinden her. Wir sind überwiegend Menschen, die aus und von den Gemeinden in die Landessynode gewählt sind, um in ihrem Sinne die Geschicke der Landeskirche zu lenken. Ich hoffe, dass sich weiterhin Menschen finden, die Lust haben, diesen geistlichen Gestaltungsprozess mit Lust und Liebe zu gestalten, die damit verbundenen Lasten zu tragen und sich von Enttäuschungen nicht entmutigen zu lassen.

Was halten Sie von der Idee des Kirchenkreises Bad Frankenhausen-
Sondershausen, der kreisübergreifenden Zusammenarbeit bei der Stellenplanung?
Lomberg:
Der Idee kann ich viel abgewinnen. Es sollte unbedingt ausprobiert werden, da, wo es gewollt und sinnvoll ist. Das gefällt mir besser, als die Kirchenkreise noch größer werden zu lassen, die dann so groß sind, dass wir Ehrenamtlichen die Fahrstrecken zu den monatlichen Beratungen nicht mehr bewältigen können.

Sie werden selbst einen Antrag zum Umgang mit den Klimazielen der EKM einbringen. Worum geht es Ihnen dabei?
Lomberg:
Mein Antrag hat zum Ziel, dass wir an dieser Stelle einmal überprüfen, wie ernst wir unsere State­ments, Verlautbarungen, Beschlüsse und Kampagnen nehmen. Wir sind immer schnell dabei zu wissen, was andere zu tun und zu lassen haben. Da scheuen wir uns auch nicht, ihnen das sehr deutlich zu sagen und Leistungen einzufordern. Aber wenn es um uns selbst geht, dann wollen wir das alles doch nicht so ernst nehmen.
Ich werde mit dem Antrag – sollte ihm gefolgt werden – nicht das Klima retten. Die Debatten sind weiter und breiter zu führen, auch auf anderen Teilgebieten. Ich wünsche mir eine systematischere Debatte, statt einer einzelfallbezogenen. Wenn mein Antrag Teil einer solchen aufzunehmenden Debatte ist, dazu vielleicht Anstoß gibt, bin ich sehr zufrieden.

Die Fragen stellte Willi Wild.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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