Restaurierung in Andisleben
280 000 Euro für den Herrgott unterm Dach
- Dirk Sterzik und Marie Graubner.
- Foto: Paul-Philipp Braun
- hochgeladen von Paul-Philipp Braun
Acht Monate lang restaurierte ein fünfköpfiges Team das barocke Deckengemälde der Andisleber Dorfkirche – für 280.000 Euro erstrahlen Gottvater, Jesus und die Taube unterm Kirchendach wieder im Urzustand. Am 26. September wird gefeiert: das fertige Bild und 300 Jahre Ortsgeschichte.
Die Luft ist stickig, keine zwei Meter unter der Kirchendecke. Während im unteren Teil des Kirchenschiffs ein angenehmes Atmen auch bei 34 Grad Celsius Außentemperatur gelingt, ist das Atmen in nicht ganz so luftiger Höhe ein ganzes Stück anstrengender. Und doch sind Dirk Sterzik und Marie Graubner an dieser Stelle dem Herrgott ganz nah. So nah, dass sie ihn sogar berühren können - was vor allem Graubner und ihr Team in den vergangenen Monaten auch immer wieder ausführlich getan haben.
Der Herrgott, den gibt es in der Kirche zu Andisleben mit leuchtendem Dreieck über dem Kopf, einer wasserblauen Weltkugel vor dem Schoß und einem langen Rauschebart. Ihm gegenüber steht - unverkennbar - Jesus Christus, der Heilige Geist erscheint in Form einer Taube. Soweit so gut, soweit so barock, soweit so erwartbar. Weniger erwartbar war hingegen, erzählt Pfarrer Sterzik, was die Sanierung des Deckengemäldes bei Peter und Paul kostete: 280 000 Euro. Geld, das zunächst vom örtlichen Kirchbauverein gesammelt wurde. "Da hat man den ersten wichtigen Schritt gemacht und 20 000 Euro bereitgestellt", sagt Dirk Sterzik. Nach und nach seien dann weitere Institutionen, darunter die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM), die Deutsche Stiftung Denkmalschutz , aber auch die Marlis Kressner Stiftung für den Erhalt historisch bedeutsamen Kulturgutes, auf das Vorhaben im Landkreis Sömmerda aufmerksam geworden. Zugleich hatten der https://www.denkmalschutz.de/aktuelles.html und andere Engagierte ein Puzzle entworfen, mit dem Patenschaften für das in der Region einzigartige Deckengemälde abgeschlossen wurden. Auch das habe, freut Dirk Sterzik sich, zum Zustandekommen des Restaurierungsbetrags beigetragen.
Deckenbild aus dem Barock
Rund achteinhalb Monate restaurierten Marie Graubner und ihr insgesamt fünfköpfiges Team das mehrere Dutzend Quadratmeter große Deckengemälde aus dem Jahr 1734. "Wir haben dabei festgestellt, dass laut Kirchenbüchern im 19. Jahrhundert schon einmal etwas an dem Gemälde gemacht wurde", berichtet Graubner, als sie unter der Darstellung von Petrus und Paulus - den Namensgebern der Dorfkirche - steht. Dabei sei auch festgestellt worden, dass Teile des Deckengemäldes vergoldet waren, andere waren einst mit einem rosafarbenen Hintergrund ausgefüllt, von dem zuletzt jedoch - wie auch von der Vergoldung - nichts mehr zu erkennen war. Die Restauratorinnen um Graubner versetzten das Bild aus dem Barock daher nun in seinen Urzustand. Eine Maßnahme, die auch bei den Verantwortlichen des Denkmalschutzes Anerkennung fand, als diese am heutigen Montag die Restaurierung final abnahmen und damit einen Rückbau des Deckengerüsts ermöglichten.
Am 26. September feiern die Andislebenerinnen und Andislebener ihr neues altes Deckengemälde. Mit einem großen Gemeindefest soll aber nicht nur die Restaurierung würdig beendet werden, es soll auch der Anlass sein, 300 Jahre Ortsbild zu würdigen. Die Wetterfahne am Kirchturm deutet nämlich mit ihrer Ausstanzung "1726" auf genau dieses Jubiläum hin.
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