Altarraum in neuem Glanz

Barocktrompete: Kantor Michael Jahn will in der Erfurter Kaufmannskirche den historischen Originalklang zur Entfaltung bringen.
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  • Foto: Franzisca Friedrich
  • hochgeladen von Adrienne Uebbing

Musik, die zuletzt vor 300 Jahren zu hören war, steht im Mittelpunkt einer Festwoche zum 650. Geburtstag der Erfurter Kaufmannskirche.
Von Franzisca Friedrich

Just zu diesem großen Jubiläum erstrahlt der Altarraum der Kirche nach einer mehrjährigen, aufwendigen Sanierung in neuem Glanz. Kanzel und der prächtige Schnitzaltar von Hans Friedemann d. J. aus dem Jahr 1625 kommen nun besonders gut zur Geltung. Auch der Kantor der Kaufmannskirche, Michael Jahn, strahlt. Zur Vorbereitung auf die Festwoche hat er in verschiedenen Thüringer Archiven recherchiert und dabei musikalische Schätze gehoben, die dort seit Jahrhunderten ungenutzt lagern. Sechs Werke – allesamt Kantaten – werden nun nach Pfingsten in der Kaufmannskirche erklingen. Allein drei davon stammen aus der Feder von Kantoren, die einst in dem Gotteshaus tätig waren.
Kantor Michael Jahn widmet sich dieser Form von Traditionspflege mit Leidenschaft. Regelmäßig taucht er in Archiven ab, um dort nach vergessenen Werken, vorzugsweise aus der Zeit von Johann Sebastian Bach, zu suchen. »Diese Werke sind musikalische Glaubenszeugnisse vieler Generationen und gehören somit zu den großen Grundfesten der evangelischen Kirche«, betont er. So seien in den letzten knapp 20 Jahren fast 100 Kantaten aus den unterschiedlichsten Thüringer Archiven in der Kaufmannskirche nach Jahrhunderten wieder zu Gehör gebracht worden.
»Durchs Bachs Genialität geraten Komponisten aus dieser Zeit, die sich durchaus mit ihm messen können, leider aus dem Blickwinkel«, sagt Jahn. Dabei hätten es deren Werke, die zum Teil durch herausragende musikalische Qualität bestechen, durchaus verdient, aufgeführt zu werden. Einige dieser »wiedergefundenen« Werke sind zwischenzeitlich im Zentrum für Kirchenmusik in Erfurt durch ihn verlegt worden und stehen damit der Allgemeinheit wieder zur Verfügung. Immer häufiger kommen inzwischen auch aus dem Ausland Anfragen nach diesen Editionen dieser Werke, die nach aufwendiger Recherchearbeit von ihm rekonstruiert werden konnten.
Zwei kleinere Kantaten, die während des Festgottesdienstes am 27. Mai in der Kaufmannskirche aufgeführt werden, stammen aus der Feder des Erfurter Organisten Johann Heinrich Buttstett (1666–1727). Dieser hatte neben dem Kantorenamt in der Erfurter Kaufmanns-, Prediger- und Reglerkirche auch das Organistenamt in der katholischen Kirche St. Severi inne und war zudem noch Prediger an der Kaufmannskirche. Eine Osterkantate des Nordhäuser Kantors Christoph Gottlieb Schröter (1699–1782) mit dem Titel »Willkommen o Held« wird den Festgottesdienst beschließen. Schröter, dessen umfangreiches kompositorisches Werk 1761 bei Plünderungen im Siebenjährigen Krieg in Nordhausen fast vollständig vernichtet wurde, hatte noch 1750 mit Johann Sebastian Bach, wenige Wochen vor dessen Tod, einen regen Schriftwechsel geführt.
Innerhalb der Festwoche wird es am 24. Mai eine Abendmusik mit in Erfurt entstandener Musik geben: Neben Orgelwerken von Heinrich Buttstett und Andreas Armstorff (1660–1699) erklingt die Kantate »Lasst freudige Trompeten erschallen« des Erfurter Kantors Georg Peter Weimar (1734–1800), die er für die Kirchweihe der Kaufmannskirche komponierte. Außerdem stehen Vertonungen von Christian Ludwig Boxberg (1670–1729) und Philipp Heinrich Erlebach (1657 bis 1714) auf dem Programm.

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