Predigttext zum Sonntag
Der offene Himmel

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Johannes sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete: Lass es jetzt zu!
Matthäus 3, Verse 14 und 15a

Manchmal träume ich vom Himmel auf Erden. Aber dafür müsste die Welt ganz anders werden, müssten die Menschen ganz anders werden. Wenn es nicht gelingt, geht die Welt unter. „Die Axt ist den Bäumen schon an die Wurzel gelegt“, warnte schon Johannes der Täufer seine Zeitgenossen. Das war ihm klar: Wer zur Besinnung kommen und neu anfangen wollte, brauchte Distanz. So lebte er selbst in der Einöde. Und dorthin kamen die Zöllner, die Belasteten, die Hilflosen, die Schwachen. Er taufte sie als Zeichen für einen Neuanfang. Ob er ihnen gelungen ist?

Bei einer Weiterbildung spielten wir in einem Bibliodrama die Geschichte von der Sturmstillung als Geschichte vom Aufbruch zu neuen Ufern. Wir waren also nun die Jünger, das Boot und der Wind und waren gespannt, wie diese bekannte Geschichte als eigene Geschichte sich entwickeln und ausgehen würde. Der Wind versuchte, uns den Mut zu nehmen und uns am Aufbruch zu hindern: Viel zu gefährlich sei unser Vorhaben. Wir stiegen trotzdem ins Boot. Der Wind blies immer stärker, schrie uns in die Ohren: Es sei sinnlos, wir würden sowieso untergehen. Einer bat den Wind-Spieler, dann schrie er ihn an: Er möge schweigen. Er umgriff ihn und warf ihn mit Gewalt auf den Boden. Wir mussten abbrechen. Das Spiel endete, bevor wir ans andere Ufer gelangten. Aber wir anderen hatten doch Distanz gehalten zur Gewalt der beiden, hatten nicht mitgetan!

Manchmal träume ich davon, dass der Himmel offen steht. Und da geschieht es: Zu Johannes kommt Jesus, um sich taufen zu lassen. Er stellt sich in die Reihe mit den Zöllnern, den Belasteten, den Hilflosen, den Schwachen. „Du hast doch mit denen allen nichts zu tun. Warum stellst du dich mit denen in eine Reihe“, fragt Johannes. Warum stellt Jesus sich mitten hinein in den Schlamassel, in dem wir stecken? „Lass es geschehen. So muss es sein, um alle Gerechtigkeit zu erfüllen!“, sagt Jesus.

Das ist der Weg. Ich höre Gottes Stimme: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Der Himmel steht offen, und ich bekomme neuen Mut. Wir werden noch einmal ins Boot einsteigen, aufbrechen zu neuen Ufern. Wenn er mit im Boot ist, kann es gelingen.

Ulrike Magirius-Kuchenbuch, Pfarrerin in Königshofen, Kirchenkreis Eisenberg
Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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