»Ja, ich glaube das!«

Kirchenpräsident Joachim Liebig

Auferstehung: Die Idee, die unseren Verstand überfordert

Von Joachim Liebig, Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts

»Ja – ich glaube das!« Mit erhobener Stimme reagiere ich auf die spöttisch-kritische Frage eines weitläufigen Bekannten. Vorangegangen war ein zunächst harmloses Gespräch, buchstäblich über Gott und die Welt. Dann wurde es ernsthafter. Er erzählte vom Tod seines Vaters im Herbst vergangenen Jahres. Wie froh er sei, dass nun die Qual ein Ende habe, und mit 87 Jahren sei es auch ein langes Leben gewesen.
Zur Beerdigung war er mit seiner Frau allein anwesend; die weite Anreise sei für die Kinder ja nicht zumutbar. Und außerdem sei ja nun sowieso alles vorbei.
An der Stelle hatte ich mit der Bemerkung eingehakt, das könne man auch anders sehen. Daraufhin nahm das bisher durchaus ernsthafte Gespräch eine unerfreuliche Wendung: »Ach ja, Du glaubst ja an ein Leben nach dem Tod.« In diesem Moment stand die Überheblichkeit des Besserwissers zwischen uns. »Du kannst nicht ernsthaft annehmen«, setzte er nach, »es gäbe eine Existenz jenseits unserer Wahrnehmung!« »Ich bin sicher, so ist es«, erwiderte ich. Und dann fiel der Satz: »Ich glaube das.« Das Gespräch endete damit.
Hier trafen zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen offensichtlich unvermittelbar aufeinander. Für mich bleibt in solchen Gesprächen stets offen, mit welchem standhaften Glauben behauptet wird, es könne nur Dinge geben, die unser begrenzter Verstand erfassen kann. Ganz ohne Zweifel ist die österliche Botschaft vom Ende des Todes und die Verheißung einer lebendigen Ewigkeit nach dem Tod eine so große Idee, dass unser Verstand damit bei weitem überfordert ist. Dennoch bleibt es unerklärlich, warum sich Menschen dem Universum des Glaubens verschließen, nur weil es der Vernunft nicht zugänglich ist. Der Glaube ist Teil der Vernunft und überschreitet sie.
Das leere Grab am Ostermorgen ist die größte Zusage, die wir als Menschen erhalten können. Die lapidare Feststellung, mit dem Tod sei alles vorbei, ist weder begründet noch hilfreich – erst recht nicht tröstend.
Auf Gottes Zusage fest zu vertrauen, erfordert die Bereitschaft, bisher Vertrautes hinter sich zu lassen und Gott selbst beim Wort zu nehmen. Zunächst sind es drei Frauen, die den Satz hören: »Er ist nicht hier, er ist auferstanden.« (Lukasevangelium, Kapitel 24, Vers 6) Dieser Satz gilt uns. Wir werden auferstehen. Der Tod wird ein Ende haben. Fröhliche Ostern!

Autor:

Evangelische Landeskirche Anhalts aus Dessau

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