Gemeindediakonat – ein Dienst für alle Menschen im Ort

Ideen: Wie ein neues Arbeitsgebiet im »Anhaltischen Verbundsystem« aussehen kann 

Von Angela Stoye

Im Zusammenhang mit dem Zukunftsprojekt des »Anhaltischen Verbundsystems« soll das Gemeindediakonat eine besondere Rolle spielen. Die Landessynode beauftragte Landesdiakoniepfarrer Peter Nietzer, eine Konzeption dafür zu erarbeiten. Den Synodalen dienen seine Beobachtungen und Überlegungen als Basis für die Weiterarbeit.
»Der in vielen Kirchengemeinden übliche Besuchsdienst wendet sich fast ausschließlich an Gemeindeglieder«, beschreibt Nietzer den Ist-Stand. Die Besuchten sollten weiter am Gemeindeleben teilhaben können. Gelegentlich würden Hausabendmahle oder Andachten verlangt, sehr selten Verkündigung oder Glaubensunterweisung. »Darüber hinaus gibt es aufsuchende ehrenamtliche diakonische Dienste, die sich nicht ausdrücklich an Gemeindeglieder wenden«, so der Pfarrer. Dazu gehörten etwa einfache Hilfen in Haus und Hof oder die Begleitung bei Arztbesuchen. Nietzer verweist auf die 5. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD, in der es auch um Neuansätze der Gemeinwesen-Diakonie ging. In Dörfern und Stadtteilen werde das diakonische Handeln der Kirchengemeinden mit dem Ziel, Gottes Liebe aller Welt auszurichten, besonders erkennbar.
Anhalt mit seinen vielen Dörfern sei vom Rückgang sozial unterstützender Infrastruktur geprägt; junge Menschen zogen und ziehen fort. »Alte Menschen und Menschen mit besonderem Hilfebedarf bleiben zurück.« Die Folge ist: »Immer mehr Menschen sind vom selbstbestimmten Leben abgeschnitten, wenn sie nicht unterstützt und begleitet werden.« Viele Aufgaben würden Frauen und Männer ehrenamtlich wahrnehmen. Diese benötigten und benötigen Begleitung durch hauptamtliche Mitarbeiter der Kirche.

Vielseitig Mitarbeitende werden benötigt

Der Mitarbeiter, der im künftigen Verbundsystem die Planstelle des Gemeindediakonats besetzt, sei zuständig, die niedrigschwellige sozialdiakonische Arbeit wahrzunehmen, zu organisieren und zu begleiten, heißt es in dem Papier. Er sollte einen Abschluss als Sozialarbeiter oder -pädagoge und eine diakonische Zusatzausbildung haben, um auch Andachten und Gottesdienste halten zu können. »In den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden, dass die körperliche Pflege kranker und alter Menschen allein nicht ausreicht«, begründet Pfarrer Nietzer. Die Gepflegten und ihre Angehörigen benötigten auch geistlich-seelische Hilfen. In den vergangenen Jahrzehnten seien die Arbeitsgebiete Pflege und Hauswirtschaft organisatorisch, finanziell und nach Mitarbeitern getrennt worden. Von wem das Gemeindediakonat im Verbundsystem künftig getragen und finanziert werden soll, bedürfe gründlicher Überlegungen. In einer Sache ist sich Peter Nietzer aber sicher: »Die Gemeindeschwester wie früher – mit der Thermoskanne voller Suppe an einem Fahrradlenker und der Tasche mit Blutdruckmessgerät und Verbandmaterial am anderen – wird es nicht wieder geben.«

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