Evangelium hat Vorrang

Eine Andacht mit Pfarrer Andreas Müller in der Petruskapelle Alexisbad bildete den Auftakt der zweitägigen Beratungen der anhaltischen Synode.
  • Eine Andacht mit Pfarrer Andreas Müller in der Petruskapelle Alexisbad bildete den Auftakt der zweitägigen Beratungen der anhaltischen Synode.
  • Foto: Killyen/Landeskirche Anhalts
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Landessynode debattiert über Strukturreform und lehnt geschlechtergerechte Sprache ab

Von Willi Wild

Überlegungen zur Einführung freikirchlicher Strukturen in der verfassten Evangelischen Landeskirche Anhalts hat Kirchenpräsident Joachim Liebig eine Absage erteilt. Das bestehende System sei gewachsen und werde auch weiterhin Bestand haben, sagte Liebig auf der Frühjahrssynode in Alexisbad im Harz. Trotzdem sei es notwendig, sich über die Strukturen Gedanken zu machen, fügte er hinzu.
Dazu hat die Kirchenleitung ein Impulspapier veröffentlicht. Der Kirchenpräsident betonte, dass den Überlegungen immer vorangestellt sein sollte, was der Verkündigung des Evangeliums diene. Nichtsdestotrotz sei eine unabhängige Wirtschaftsprüfung beauftragt worden, die finanzielle Lage zu analysieren. Damit wolle man auch gegenüber dem Finanzbeirat der Evangelischen Kirche in Deutschland aussagefähig sein. Bei der Tagung nahmen die Diskussionen über die Zukunft der kleinsten Landeskirche in Deutschland breiten Raum ein. In Arbeitsgruppen erarbeiteten die Delegierten Vorstellungen und Thesen. Kirchenpräsident Liebig hob hervor, dass es schon einige schriftliche Rückläufe zum Impulspapier gebe. Allmählich komme die Diskussion darüber in Kreissynoden und Kirchengemeinden in Gang.
Nachgedacht wird auch über eine Neuorientierung in der sozialen Arbeit. Der Vorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland, Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg, warb für die Einführung einer hauptamtlichen Gemeindediakonie. Auf Gemeindeebene sei die soziale Arbeit zugunsten der professionellen Hilfe in staatlich finanzierten Einrichtungen zurückgetreten. Dabei sei aber deutlich geworden, dass es soziale Problemlagen gebe, die die institutionalisierte Diakonie nicht erfassen könne. Eine Gemeindesozialarbeit sollte dabei als »Scharnier« dienen, das die Kirchengemeinde und die eigenständigen diakonischen Träger miteinander verbindet, sagte Grüneberg.
Die Synode sprach sich zudem gegen eine Verfassungsänderung aus. Damit sollte eine geschlechtergerechte Sprache eingeführt werden. Nur 23 der 33 Synodalen stimmten für den Entwurf. 25 Ja-Stimmen wären für eine Verfassungsänderung notwendig. Einige der Synodalen hielten die Änderungen für überflüssig, dem Zeitgeist geschuldet und die Hinzufügung der weiblichen Form für sprachlich ungelenk. In der Neuformulierung der Verfassung sollten es beispielsweise »Pfarrerinnen und Pfarrer« und »Kirchenpräsidentin und Kirchenpräsident« heißen. Der stellvertretende Synodenpräses Wolfram Hädicke verteidigte die Änderungen: »Der Entwurf geht stärker darauf ein, dass Frauen verantwortlich mitarbeiten.« Die Ablehnung könnte als Signal missverstanden werden, dass die männerdominierte Landessynode die gleichberechtigte Mitarbeit von Frauen nicht schätze. Vor allem die vier Vertreterinnen im Kirchenparlament nahmen das Wahlergebnis mit Unverständnis zur Kenntnis.
In seinem Bericht über die Aktivitäten während des Reformationssommers räumte Pfarrer Andreas Janßen ein, dass bei den Vorbereitungen nicht alles rund laufe. Es mangele an ehrenamtlichen Mitarbeitern, und auch die Anmeldezahlen lägen hinter den Erwartungen zurück. »Der Reformationssommer ist eine Bürde für unsere kleine Landeskirche, aber er ist keine Last«, sagte Janßen. Er sehe auch eine Chance. Die Landeskirche werde in der Öffentlichkeit wahrgenommen, sei im Gespräch und werde auch kritisch hinterfragt. epd

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Online-Redaktion aus Weimar

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