Dessau öffnet die »Schatzkammer der Reformation«

Im Kellergewölbe des ehemaligen Dessauer Residenzschlosses sind derzeit Drucke, Handschriften und Illustrationen der Georgsbibliothek zu sehen.
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  • Foto: Lutz Sebastian
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Sonderausstellung im Johannbau offenbart Einblicke in die sonst nicht öffentlich zugängliche Georgsbibliothek

Von Danny Gitter

Manchmal sind es Nebensächlichkeiten, die ein Gesamtbild stimmig machen. So wie bei der aktuellen Sonderausstellung »Schatzkammer der Reformation« im Dessauer Johannbau, die noch bis zum 9. Juli zu besichtigen ist. Wer »eine Zeitreise in die Bücherwelt der Reformation« machen will, wie es Adrian La Salvia, Direktor der Anhaltischen Landesbücherei und Mitkurator der Ausstellung formuliert, der muss mit dem Fahrstuhl tief runter in das Kellergewölbe des ehemaligen Dessauer Residenzschlosses. Dort – wo auch sonst? – sollen sich Schatzkammern, die ihren Namen tatsächlich verdienen, befinden. Geschützt vor Tageslicht- und Temperatureinflüssen, präsentieren sich wohl klimatisiert die Bücherschätze aus dem Nachlass von Georg III. (1507–1553), einst Fürst von Anhalt Dessau, katholischer Priester und evangelischer Bischof.
Etwa 60 seltene Drucke, Handschriften und Illustrationen aus dem Mittelalter und der Zeit der Reformation sind im Kellergewölbe des Johannbaus zu finden. Die prominentesten Schriftstücke werden wohl die reich illustrierte Dessauer Cranachbibel mit Miniaturmalereien von Lucas Cranach dem Jüngeren und eine studentische Mitschrift der Luther-Vorlesung über den Römerbrief des Apostels Paulus sein, die im Herbst 2015 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde.
In einer eigens angelegten Bibliothek hat Georg III. aus dem Hause Anhalt einst diese und Hunderte andere Schriftstücke, Bücher und Bände gesammelt, die fast 500 Jahre später noch immer als »Georgsbibliothek« in seltener Vollständigkeit existierten und derzeit im Besitz der Anhaltischen Landesbücherei sind. »Schon zu Lebzeiten hatte er den Traum, seine Büchersammlung nach dem Tod der Öffentlichkeit zugänglich zu machen«, erzählt Adrian La Salvia. »Doch wurde daraus ein langer Dornröschenschlaf«, stellt der Direktor der Anhaltischen Landesbücherei fest, die zusammen mit der Stadt Dessau-Roßlau und vielen Kooperationspartnern die Ausstellung organisiert. Durch die mittlerweile besonderen klimatischen Anforderungen und den unschätzbar großen Wert des Bestandes der Georgsbibliothek sind die Schriften heute noch immer nicht der breiten Öffentlichkeit zugänglich.
Das wollte die Anhaltische Landesbücherei zumindest temporär ändern. Das Reformationsjubiläum schien der beste Zeitpunkt dafür zu sein. Selten zuvor saß das Geld bei öffentlichen und privaten Förderern so locker wie derzeit für eine publikumswirksame Ausstellung, die mit einem kleinen Ausschnitt aus der Georgsbibliothek große Einblicke in eine bewegte Zeit gibt. Georg III. ist der beste Protagonist dafür. Als Kind und Jugendlicher streng katholisch erzogen und schon in jungen Jahren als Dompropst in Magdeburg in Diensten der katholischen Kirche, wandte er sich nach einem intensiven Studium der Bibel und der Schriften des Wittenberger Theologie-Professors Martin Luther in späteren Lebensjahren der Reformation zu. So setzte er den evangelischen Glauben in Anhalt-Dessau durch und wurde 1544 zum ersten evangelischen Bischof von Merseburg ordiniert.

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Online-Redaktion aus Weimar

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