»… alles mit grossem Muth überwunden«

Der Grabstein der Elisabeth 
von Weida befindet sich in der Gernröder Stiftskirche.
  • Der Grabstein der Elisabeth
    von Weida befindet sich in der Gernröder Stiftskirche.
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Anhaltgeschichte(n): In der neuesten Folge geht es um Elisabeth von Weida, Äbtissin von Gernrode. Sie war eine kluge Frau und setzte sich früh für die Einführung der Reformation in ihrem »Ländchen« ein.

Von Jan Brademann

Gottes Wort hat sie in diesem Stifft Erst klar erkandt / und Papstes Gifft Rein ausgefeget / darumb sie ward Vom Teuffel und Welt bedrenget hart / Dazu die bösen Bauren auffstunden / Hat’s alles mit grossem Muth überwunden.«
Diese Worte ließ Anna von Kitlitz (gest. 1558), Äbtissin des Stifts Gernrode, in den 1550er-Jahren am Grab ihrer Vorvorgängerin anbringen. Lässt man die zeittypischen Sprachmuster beiseite (und sieht man über das ungelenke Versmaß hinweg), so kann von ihnen aus die Lebensleistung der Elisabeth von Weida gut beschrieben werden.
Elisabeth, 1460 als Tochter Heinrichs XXI., Vogt von Weida, und seiner Frau Agnes von Landsberg geboren, wurde 1504 zur Vorsteherin des 14 Stiftsdamen und mehrere Kanoniker zählenden Konvents gewählt. »Großer Mut« wurde für sie, die bis zu ihrem Tod 1532 die Geschicke des Stifts lenkte, in der Tat auf vielen Feldern nötig. Sie befand sich in einer strukturellen Schwächeposition. Zwar rührten ihre Herrschaftsrechte vom Kaiser, besaß sie einen Platz im Reichstag und konnte einen reichsunmittelbaren Rang beanspruchen. Doch das ihrem Amt zugrunde liegende Wahlprinzip und ihr Geschlecht benachteiligten sie in einer Gesellschaft, die die Kontinuität und Legitimität von Besitz und Herrschaft über die männliche Erbfolge organisierte. Die Rechte des 959 gegründeten Stifts an Land und Leuten waren längst zusammengeschmolzen. Mit klugem Rechtsbeistand, Mut und Hartnäckigkeit steuerte Elisabeth hier entgegen. Sie stritt erfolgreich mit den Erzbischöfen von Magdeburg, den Bischöfen von Halberstadt und den Fürsten von Anhalt – die das Stift als Vögte besonders deutlich unterzuordnen versuchten – um Landbesitz, Fischereirechte, Steuern und manches mehr und zog damit bis vor die Reichsgerichte.
Die »harte« Bedrängnis von Seiten »der Welt« steigerte sich, als Elisabeth die Lehre Luthers für sich annahm und in ihrem »Ländchen« – neben der Stadt Gernrode lediglich mehrere Dörfer, darunter Klein- und Großalsleben in der Börde – seit etwa 1526 verbindlich machen wollte. Dies geschah mit Unterstützung durch Andreas Molitor, der seit 1511 in Gernrode Diakon gewesen war und 1519 bis 1521 in Wittenberg studiert hatte. Und es geschah dort, wo sich Elisabeth dazu berechtigt sah: im Stiftskonvent und in den ihm unterstehenden Pfarrkirchen. Die hierfür grundlegende Kirchenordnung nahm Bezug auf »doctor Martinus«. Sie regelte in groben Zügen den Ablauf des Stundengebets und der Messe, benannte die Feiertage, die wöchentlichen Andachten und Gottesdienste. Auf die Verlesung des Evangeliums und die Predigt wurde besonders geachtet, und statt ausschließlich lateinischer Psalmen sollten die Stiftsdamen künftig mehr »deudsche gesenge, die sie vorstehen«, anstimmen.
Manches Alte wie die Heiligenverehrung mag neben Neuem, wie der Priesterehe und der Kommunion unter beiderlei Gestalt, noch einige Jahre weiterbestanden haben. Statt eines »Rein-Ausfegens« konnte es in einer Zeit, in der der Großteil der Fürsten noch dem alten Glauben anhing, nur ein vorsichtiges Ordnen und Hinleiten geben. Der Versuch Elisabeths, in Waldau (heute Bernburg) 1526 einen evangelischen Prediger durchzusetzen, wurde prompt durch Fürst Johann von Anhalt (bzw. die Dessauer Regierung) vereitelt.
Die von ihr geplante Stiftung einer Lateinschule für Gernrode, die 1533 umgesetzt wurde, und die Durchführung eigener, landesherrlicher Visitationen (erstmals 1545) erlebte sie nicht mehr – aber ebenso wenig auch die Eingliederung des Stifts in das anhaltische Territorium.
Elisabeth war die erste evangelische Äbtissin im Reich, und als solche ragt sie bis heute besonders aus dem Fluss der Vergangenheit heraus. Dass sie einst die für den Erhalt oder den Ausbau ihrer Macht anfallenden Kosten an die schwächsten Glieder der Gesellschaft weitergab, ordnet sie ein Stück weit zurück in die Reihe ihrer Standesgenossen: Die »bösen Bauren« rotteten sich im Mai 1525 nicht zuletzt deswegen zusammen, weil die Äbtissin über Jahre die Abgaben und Dienste erhöht hatte. Mag hierzu weniger Mut als zur Reformation gehört haben – Glaubens- und Machtpolitik gehörten auch bei Elisabeth von Weida zusammen.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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