Das haben wir schon immer so gemacht. Neues wagen!

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Lukas 9, Vers 62
Von Katharina Freudenberg, Vikarin in Holzthaleben

Jeder kennt sie, die kleinen und großen Furchen. Der Blick in den Spiegel offenbart sie, die Falten im Gesicht. Manche verlaufen geradlinig, manche gebogen, andere verzweigen sich. Einige dieser Furchen finden sich dort seit vielen Jahren, andere sind kürzlich erst dazugekommen. Sie alle erzählen auf ihre Weise von einem Stück Lebensgeschichte.
An die glücklichen Momente erinnern die Lachfalten. Manche Linien auf der Stirn zeigen Verwunderung, Erstaunen oder auch Zweifel. Über der Nasenwurzel verraten die zur Stirn aufsteigenden Fältchen angestrengtes Nachdenken und vielleicht auch so manchen von Wut geprägten Augenblick. All diese Emotionen und Erinnerungen haben sich uns tief eingeprägt. Sie sind entstanden aus den Begegnungen mit anderen Menschen – Eltern und Geschwistern, Freunden, Kollegen auf Arbeit, dem Tankwart, der Friseurin, der Pfarrerin, dem Arzt, der Lehrerin. Sie alle sind Teil unserer persönlichen »Furchengeschichte«, die unser Tun im Hier und Jetzt beeinflusst.
Der Wochenspruch warnt uns davor, unseren Blick zu stark auf die geprägten Linien unseres Lebens zu richten und uns davon gefangen nehmen zu lassen. Wie schnell ist man dabei zu sagen: »Ich bin eben so, daran ändert sich nichts mehr« oder »Das haben wir schon immer so gemacht, das bleibt so.« Wenn man auf den eingetretenen Wegen läuft, ist man scheinbar auf der sicheren Seite. Eine neue Furche zu graben, erfordert Mut und letztlich tiefes Vertrauen. Das Reich Gottes wird uns in der Bibel als etwas Dynamisches beschrieben – ein Baum, der aus einem Senfkorn erwächst, ein Schatz oder eine Perle, für die man alles verkauft. Da gibt es viele Überraschungen und ungewohnte Wege. So sind wir eingeladen, unsere Augen und unser Herz weit zu machen – erwartungsvoll, wie Gott sein Reich mit uns und durch uns gestalten möchte. Der Blick für das Neue geht nach vorn – hin zu den neuen Furchen, die wir als Teil von Gottes Reich mitgraben und dadurch auch selbst verändert werden.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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