Trost für die Geknickten: Ein Licht gegen die Resignation

Katharina Freudenberg, Vikarin in Holzthaleben
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Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.
Jesaja 42, Vers 3

Von Katharina Freudenberg

Wenn ich am Abend an ihrem kleinen Haus vorbeigehe, dann leuchtet immer ein Licht. Zwischen den Blumen, die sich hinter der Scheibe abzeichnen, steht eine große Kerze in einem Glas. Im Sommer, wenn die Dämmerung erst spät einsetzt, sehe ich es nur schwach. Aber im Winter, wenn es am frühen Abend schon stockduster ist, dann hebt sich das Licht deutlicher von der Dunkelheit ab. Egal wie mein Arbeitstag gewesen ist, auf dem Heimweg habe ich die Gewissheit, dieses Kerzenlicht zu sehen oder wenigstens zu erahnen. Meist bleibe ich kurz stehen und halte inne. Ich weiß nicht viel über das Leben dieser Frau. Manchmal sehe ich sie in ihrem Garten. Sie ist noch gar nicht so alt, aber sie läuft mit gebücktem Rücken. Jemand hat mir erzählt, dass sie ihren Mann verloren hat und kurz darauf auch ihren Arbeitsplatz. Der Kummer hat sie geknickt. Und doch hat sie nicht aufgegeben. Da ist eine Hoffnung, die sie auch durch diese dunklen Zeiten trägt. Das spüre ich, wenn ich allabendlich diese Kerze in ihrem Fenster sehe.
Sie strahlt die Gewissheit aus, dass nicht alles umsonst ist. Dieses Licht im Fenster ist wie ein beständiger heller Kontrapunkt gegen die düstere Resignation. Es ist kein Leuchtfeuer und kein grelles Scheinwerferlicht, das die Augen blendet. Eher ein stilles Hoffnungslicht oder eine wohltuende Trostflamme. Als ich gestern Abend am Haus der Frau vorbeiging, konnte ich das Leuchten der Kerze kaum sehen, es war ein schwacher Schein, ein Glimmen. Aber ich war mir sicher, das Licht ist da. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, beim Vorbeigehen ein kurzes Gebet zu sprechen für all die geknickten Menschen, von denen ich höre. Gott hat uns zugesagt, dass er gerade auch in die Niederungen des Lebens kommt. Zu all jenen, die im Krankenbett liegen, die zu Unrecht gestraft oder einsam in ihren Wohnungen sitzen. Auch wenn sich widrige Umstände nicht im Handumdrehen ändern, Gott hat zugesagt, die Genickten und Gebeugten nicht allein zu lassen, bei Tag und Nacht, ob wir es sehen oder nur erahnen.

Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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