Die Mischung macht es

Drei der Aktiven: Um das Kirchengebäude und ein reges Gemeindeleben kümmert sich der Gemeindekirchenrat (v. l.) um den Vorsitzenden Matthias Gommlich, hier mit Christel Krüger und Eberhard Ganzer.
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  • Drei der Aktiven: Um das Kirchengebäude und ein reges Gemeindeleben kümmert sich der Gemeindekirchenrat (v. l.) um den Vorsitzenden Matthias Gommlich, hier mit Christel Krüger und Eberhard Ganzer.
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Vorgestellt: Eine kleine Gemeinde am Stadtrand von Zerbst schafft es, ihre Kirche baulich zu erhalten und mit Leben zu füllen.
Von Helmut Rohm

Die Kirche ist top. Das Pfarrhaus ist frisch renoviert. Und was wir als kleine Gemeinde auf die Beine stellen, das ist schon aller Ehren wert.« Voller Stolz sind diese Worte von Matthias Gommlich, dem Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates von St. Marien Ankuhn in Zerbst. Sie beschreiben, was das Leben ausmacht in der gerade 230 Glieder zählenden Kirchgemeinde mit ihrer in den »Wurzeln« mehr als 800 Jahre alten Kirche.
Ankuhn, die 805 Jahre alte, einst eigenständige und im Jahr 1850 nach Zerbst eingemeindete Vorstadt, hat sich ihre landwirtschaftliche Prägung erhalten. Und vom Gefühl her ein bisschen auch ihre Eigenständigkeit. »Es liegt an uns, hier was zu machen«, meint Matthias Gommlich, weil es ja die Gemeinde Ankuhn im Sinne einer Ortschaft mit Bürgermeister und Rat nicht gebe.
Und sie machen: der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates und sein alles in allem neun Mitglieder zählendes Gremium. Den Pfarrer Albrecht Lindemann einbezogen. 2017 wurden sie für sechs Jahre wieder gewählt. Neu ist die 28-jährige Andrea Thiem. »Wir sind eine gute Mischung«, sagen die »alten Hasen«. Matthias Gommlich ist seit zwölf Jahren im Amt. Sein Vorgänger Eberhard Ganzer gehört ebenfalls noch der Kirchengemeindeleitung an.
Gerade konnten sich die Ankuhner über 10 000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz freuen. Damit ist – mit weiteren Fördermitteln und 7 500 Euro Eigenanteil – die Finanzierung komplett für Bauarbeiten, die im Herbst laufen sollen. Insgesamt 40 000 Euro fließen in die Putzsanierung der letzten vier Fächer der Ostfassade. »Dann haben wir die Kirche innen und außen einmal durchsaniert«, beschreibt Matthias Gommlich den guten Zustand des aus einem romanischen und einem gotischen Teil bestehenden Bauwerkes. Bei der Bombardierung von Zerbst am 16. April 1945 wurde auch diese Kirche schwer beschädigt und brannte aus. Die Kirchengemeinde sicherte die Ruine, der romanische Westteil wurde mit einem Ringanker stabilisiert. 1950 wurde ein Notdach auf den als Kirche dienenden Chorraum aufgesetzt.
»Seit 1991 bauen wir intensiv«, sagt Eberhard Ganzer. Erstes Projekt war der Einbau einer Glas-Stahl-Wand, die den bis dahin offenen Kirchenraum abschließt. Es seien immer der Gemeindekirchenrat und zum Teil die Pfarrer gewesen, die die Dinge »in Gang gebracht«, sich engagiert hätten. So auch die heutigen Mitglieder des Gemeindekirchenrates. Sie freuen sich über ihr komplett renoviertes Pfarrhaus, in dem, seit es nicht mehr als Pfarrwohnsitz gebraucht wurde, eine zusätzliche Wohnung ausgebaut und vermietet sowie ein Gemeinderaum neu hergerichtet wurde.
2013 feierte der »Stadtteil« Ankuhn sein 800-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde der Kircheninnenraum neu gemalert und die Elektroanlage in Ordnung gebracht. Jetzt »haben wir die Kirche vor dem weiteren Verfall bewahrt. So muss man ja mit Ruinen umgehen. Und es ist schön geworden«, betont Matthias Gommlich. »Die Kirche hat einen gewissen Charme«, ergänzt Bärbel Matzke.
Diesen haben viele Zerbster zum 800-jährigen Jubiläum überhaupt erst entdeckt. Inzwischen ist die Kirche auch sehr beliebt zum Heiraten. Dazu kommt ein vielseitiges Gemeinde­leben. Da sind das jährliche Gemeindefest, die Osternacht mit dem Osterfeuer, die Marienserenade, der zentrale Gottesdienst zu Himmelfahrt. Seit 2013 gibt es ein Sommerfest, das der Gemeindekirchenrat und junge Familien zusammen organisieren, und am vierten Advent einen kleinen Weihnachtsmarkt. Regelmäßig besuchen sich die Ankuhner und ihre Partnergemeinde in Donop in der Lippischen Landeskirche. Den Gemeinderaum nutzen sie im Winter für Vorträge und Diskussionen. Gottesdienst wird in St. Marien einmal im Monat gefeiert und natürlich zu den Festtagen.
Wenn Bärbel Matzke darauf verweist, dass das jährliche Krippenspiel inzwischen nicht mehr von Kindern, sondern von Erwachsenen aufgeführt wird, dann ist das ein Teil dessen, was sie auch sehen im Gemeindekirchenrat. »Der Anteil der Älteren steigt, vor allem derjenigen, die keine Kirchensteuer bezahlen. Und die Pfarrer werden immer weniger«, nennt Matthias Gommlich nur zwei Probleme, die sich auch auf das Gemeindeleben auswirken.
Die Ankuhner, so hat es den Eindruck, lassen sich davon bisher nicht verdrießen. Und übrigens: »Es sind auch schon wieder ein paar Kinder dabei beim Krippenspiel.«

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