Predigttext
Anders aktiv

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Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.
Jesaja 40, Vers 31 a

Man muss kein Ornithologe sein, um zu wissen, wie ein Adler fliegt. Scheinbar bewegungslos gleitet er unter den Wolken dahin, minutenlang ist kein Flügelschlag zu sehen. Die Thermik sei dafür zuständig, haben wir in Physik gelernt. Greifvögel nutzen Aufwinde an einem Gebirgshang oder überall dort, wo sich die Luft erwärmen und aufsteigen kann.
Wer schon mal in einem Segelflugzeug mitfliegen durfte, weiß auch, wie sich das für einen Menschen anfühlen kann. Und wie sehr es sich unterscheidet, dieses schnelle, leichte und leise Dahin-gleiten, von den mühsamen Wegen auf dem Boden der sogenannten Tatsachen.

Das Bild des Propheten ist durchdrungen von einem Verständnis der Wirklichkeit, in der Betriebsamkeit nur noch einen ganz bescheidenen Platz einnimmt. Wenig eigene Energie scheint notwendig, um in die Luft zu kommen. Das Allermeiste geschieht, wenn sich ein Adler der Thermik überlässt, sich heben und tragen und dorthin bringen lässt, wo er sein muss, um zu überleben.
Was wäre das eigentlich für eine Kirche, die sich der tragenden Kraft eines göttlichen Aufwinds überlassen und sich heben und tragen und dorthin bringen lassen würde, wo sie sein muss, um zu überleben? Und um ihrem Auftrag gerecht zu werden?

Jedenfalls passen kirchliche Reformbemühungen, Strukturüberlegungen und die damit einhergehenden Ermüdungserscheinungen nicht so ganz zu Jesajas Bild. Vielleicht laufen sie ihm sogar zuwider. Aber es wäre zu kurz gesprungen, hier einfach nur ein unsere Wirklichkeit abwertendes Gegenbild zu erkennen, in dem allein auf Passivität gesetzt wird.

Jesajas Bild gibt vielmehr etwas Aktives zu erkennen, das wir längst vergessen hatten. Oder von dem wir insgeheim meinten, es sei überholt, weil es nicht mehr in die Zeit passe, dieses Harren auf Gott. Das ist etwas, was man durchaus aktiv betreiben muss: auf Gott harren. Es setzt voraus, die eigenen Bemühungen nüchtern in ihrer Begrenztheit zu sehen, sich – durchaus fröhlich – nicht zu überschätzen und dabei eben auch warten zu lernen. Manchmal sind die Umstände zwar überhaupt nicht schön, aber schaffen Raum für ein neues Harren auf Gott. Womöglich sollten wir diese Wochen dafür nutzen und auf die neue Kraft vertrauen, die uns unweigerlich geschenkt werden wird.

Mathias Imbusch, Superintendent des Kirchenkreises Torgau-Delitzsch
Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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