Nach dem Angriff auf die Frauenbergkirche
Mitglieder im Team Deutschland

Pfarrer Klemens Müller mit afghanischen Gästen in der Frauenbergkirche - ein Abend der ersten Schritte.
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Mittwochabend am Frauenberg in Nordhausen – der Vorplatz der Kirche ist voller Menschen, einzelne Mitglieder des Gemeindekirchenrates schlängeln sich hindurch. Teils mit mulmigem Gefühl, zu präsent ist der Angriff auf ihre Kirche noch. Knapp 40 afghanische Flüchtlinge sind zur Frauenbergkirche gekommen. Frauen, Kinder, Jugendliche und Männer warten geduldig. Alle tragen Blumen in den Händen. Ein Zeichen für ein schönes, freundliches Gesicht, wie Nader Mahboubchah, der frühere Vorsitzende des Nordhäuser Integrationsbeirates, erklärt. Später legen sie sie vor dem Altar ab.

Die Menschen sind gekommen, um sich zu entschuldigen. Afghanen, die selbst nichts mit der religiös motivierten Ausräumung der Frauenbergkirche in der letzten Woche zu tun haben. Pfarrer Klemens Müller heißt sie genau mit diesen Worten willkommen, öffnet Türen, aber spricht auch klar von der tiefen Verletzung der Gemeinde. Unter den Zuhörern Mitglieder des Nordhäuser Integrationsbeirates, wie Tim Rosenstock und Radoslaw Romanczyk.

Der Vorsitzende des Integrationsbeirates Mohamed Sayed geht vor und verbeugt sich. Doch schnell dreht er sich wieder um, setzt sich kurz und wischt sich über die Augen. Später wird er erklären, warum. „Sie wurden angegriffen und trotzdem heißen Sie uns willkommen. Ich habe diese Geste der Liebe gefühlt. Sie hat mich beschämt“, sagt er immer noch sichtlich bewegt. Sie seien aus einem Land gekommen, in dem sie selbst Opfer waren. Opfer genau dieser Menschen, wie der Täter einer ist. Solch einen Menschen hier in Aktion zu wissen, hat sie zutiefst erschreckt, doch auch der Sturm gegen Afghanen in den Medien. „Diese Gefährdungslage musste schnell geklärt werden“, erklärt der Vorsitzende. Die Menschen, die heute Abend gekommen seien, hätten dies aus voller Überzeugung getan. Es ist ihnen wichtig. Immer wieder wird sich verbeugt, wird ein sanftes Lächeln über den Gesichtsmasken sichtbar.

Der Abend ist ein guter erster Schritt aufeinander zu. Ralf Schumann, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, erzählt, dass sein Sohn mit einem Afghanen Fußball spielt. Sie seien ein Team und genau das wünscht er sich für alle Anwesenden. „Lassen Sie uns alle gemeinsam Mitglied im Team Deutschland werden. So werden wir zusammen gewinnen“, fordert er mit freundlichem Nachdruck. Zuvor hat ein junger Afghane noch Worte verlesen, die seine Einstellung zu einem Leben in Deutschland spiegeln. Er spricht vom bedingungslosen Respekt für sein Gastland, vom unerlässlichen friedlichen Umgang mit allen Menschen und dem festen Willen sich zu integrieren.

Am Ende spricht Pfarrer Müller vor dem Altar mit Nader Mahboubchah ein freies Gebet. „Liebe auch die, die dir feindlich gesinnt sind. Wir spüren, wie schwer uns das fällt, wenn es dich selbst betrifft“, formuliert Müller. „Doch auch weiterhin soll aus dieser Kirche ein Signal der Versöhnung und des Friedens ausgehen“, schließt er. Es folgt eine herzliche Einladung zum nächsten Gottesdienst. Auch wenn man nicht gleich zur Tagesordnung übergehen könne, so möchte man die Tür doch offenhalten.

Autor:

Regina Englert

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