Wort zur Woche
Vertrauen in die Menschlichkeit des Anderen

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.
Lukas 19, Vers 10

Von Constantin Plaul, Halle

Vor einiger Zeit sprach ich mit einem Bekannten über die Zunahme des Populismus in Europa, die in Deutschland vor allem als Stärkung des rechten Rands erfahren wird. Bei jenem Gespräch lag die letzte Bundestagswahl, bei der die AfD den Einzug ins Bundesparlament geschafft hatte, kurz hinter uns.
Mein Bekannter – ein gelernter Jurist, der Firmen in Unternehmensfragen berät – erzählte mir von zwei Kunden aus Sachsen, die er bis vor kurzem betreut hatte. Zwischen ihnen und ihm habe eigentlich eine ganz gute Atmosphäre geherrscht und die regel­mäßigen Treffen seien eine angenehme Sache gewesen – bis sie eines Tages auf Politik zu sprechen gekommen waren.
Wohl ohne sich viel dabei zu denken, hatten ihm jene beiden mitgeteilt, bei der letzten Wahl für die AfD gestimmt zu haben. Womit sie nicht gerechnet hatten: Mein Bekannter brach von diesem Moment an alle Beziehungen mit ihnen ab. Er verzichtete damit aus moralischen Gründen auf gute Geschäfte. Aber was wäre passiert, wenn er nicht so rigoros gehandelt hätte? Er hätte zum Beispiel fragen können, was sie zu jener Option bewog und welche Erfahrungen und Erwartungen dabei im Hintergrund standen. Vielleicht hätte es sogar die Chance zu einem kritisch-konstruktiven Dialog gegeben?
Der Spruch für diese Woche steht am Ende der Zachäus-Geschichte. Sven Petry schreibt dazu in seinem Buch »Fürchtet euch nicht«: »In der Erzählung vom Zöllner Zachäus empört sich die Menge darüber, dass Jesus … sich einem zuwendet, mit dem sonst niemand etwas zu tun haben möchte. Jesus heißt in der Geschichte von Zachäus nicht gut, was der Zöllner getan hat. Aber er traut ihm zu, dass er sich ändern kann.
Es braucht auch heute Menschen, die solches Vertrauen in die Menschlichkeit des Anderen aufbringen. Und die selbst dort die Türen offenhalten, wo die Gespräche als sinnlos gelten.« Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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