Berichtet
Michael Günther: Rund 50 Jahre als Notarzt unterwegs

Bis Ende 2021 war der 79-jährige Michael Günther im Einsatz.
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  • Foto: Foto: Susanne Concha Emmrich
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Michael Günther lebt in Halle, in der ”Stadt, die mit meinem Leben seit 79 Jahren verbunden ist. Hier bin ich Silvester 1942 mitten im Krieg geboren, erinnere Luftschutzkeller, amerikanische, dann russische Besatzung. Hier habe ich die Schule absolviert und 1961 mein Abitur abgelegt.” Sein Spracheninteresse entwickelt sich – Russisch ab der 5. Klasse und Englisch auch bei Radio Luxemburg – früh, wie im "Aquarium" der DDR nicht unüblich. Statt Atomphysik oder Chemie wird er Medizin studieren, nicht zuletzt aufgrund einer Blinddarmoperation im St. Barbara Krankenhaus. Im Elternhaus der Forsterstraße hörte man die Glocken der Marktkirche und ging hinunter zum Gottesdienst. Dort besuchte Michael auch die Junge Gemeinde. Es folgte ein engagiertes Teilnehmen am Gemeindeleben, auch Mitgliedschaft im DKR.
Die Facharztweiterbildung zum Anästhesisten absolvierte er am damaligen Bezirkskrankenhaus Dölau und übernahm den Wahlspruch seines Chefs für den Umgang mit den zu narkotisierenden Patienten: dormitantes protego (die Schlafenden beschütze ich). Er wird 32 Jahre lang als Kinderanästhesist wirken, mit Freude und zum Wohl der Patienten. Das St. Barbara Krankenhaus hatte er als politische Nische und als besonders gut ausgesttattetes Krankenhaus bewusst gewählt. Seit dem zweiten Jahr seiner Facharztweiterbildung hat er auch als Notarzt gearbeitet – bis Ende 2021. Ein rundes halbes Jahrhundert, womit er einer der dienstältesten Notärzte von ganz Deutschland gewesen sein dürfte.
Beruf, Familie und Arbeitsleben haben sich harmonisch eingeflochten in sein Leben als Christ. Dabei kam es auch immer wieder zu Herausforderungen und Prüfungen, bei denen ihm ein Gebet half. “Möge Gott die Hand darüber halten, dass es gut ausgeht” oder ein Dankgebet am Abend dafür, dass “Gott den Patienten über den Tag gebracht” hat. Auch Patienten vermittelte er, wenn er sie als Gläubige erkannte, dass sie “von Gott getragen” würden, was oft sogleich wie Medizin wirken konnte. Und doch sind zuweilen der Arzt und der Christ am Ende: “Wenn bestimmte Grenzen überschritten sind, haben wir nichts mehr zu helfen.” Diese Ohnmacht ist schwer anzunehmen. Michael Günther erzählt, dass zum Beispiel bei mehreren schwerkranken Patienten der Notarzt immer schon unterbewusst die sogenannte Triage anwendet, eine Reihenfolge der Patienten abwägen muss, um die Chancen für sie zu erhöhen. Solche Situationen treten auch gegenwärtig während der Covid19-Pandemie weltweit auf. "Erlöser, Retter, Helfer" steht auch unter "Heiland" im Duden. Jemandes Heiland sein – mag sein, das ist hochgegriffen, doch eine mögliche Charakterisierung eines Alltagsmenschen, der ohne viel Aufhebens viel für den Nächsten tut.
Auf Burg Bodenstein im Eichsfeld hat sich Michael Günther für Lektorendienste und das Leiten von Gottesdiensten ausgebildet. Lampenfieber habe er heute noch. Doch was macht das schon, wenn der Sprachenmensch Michael das Vaterunser in Englisch, Französisch, Russisch, Polnisch, Spanisch und Plattdeutsch im Wechsel mit der Gemeinde spricht und damit die Diversität des christ-lichen Glaubens in der Welt meint und würdigt.
Susanne Concha Emmrich

Autor:

Online-Redaktion

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