Glaube versetzt Kirche

Nordisches Kirchlein mitten im Harz: Auf dem Gelände eines ehemaligen Sanatoriums steht die Stabkirche von Stiege. Mit Hilfe eines Vereins soll sie ins Dorf »umziehen«.
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  • Foto: Frank Drechsler
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Ungewöhnlicher Umzug: Mit Hilfe von Zug und Luftfracht soll eine Stabkirche umgesetzt werden

Von Uwe Kraus

Gegenüber dem Bahnhof der Harzer Schmalspurbahn in Stiege wehen Absperrbänder im Wind. Hier bahnt sich eine spektakuläre Aktion an. Nichts Geringeres als eine Kirche soll umziehen.
Vor 112 Jahren wurde die Stabkirche am Albrechtshaus zwischen Stiege und Güntersberge vollendet. Ein Patient aus Schweden habe das Geld für den Bau nach seiner Heilung von der Tuberkulose im Albrechtshaus gespendet, sagt die Chronik. Die Kirche ist ein Kleinod. Gibt es doch außer ihr nur vier dieser skandinavischen Kirchen in Deutschland: in Hahnenklee, auf dem Friedhof Stahnsdorf, in Lübeck und im Europapark Rust. Aber nur der in Stiege (Landeskirche Braunschweig an der Grenze zu EKM und Anhalt) konnten Umbauten bisher nichts anhaben.
Jedoch bedroht ist sie trotzdem. Regina Bierwisch vom Verein »Stabkirche Stiege« berichtet, dass Diebe, Vandalismus und die raue Harznatur dem Holz-Bau im Wald kräftig zusetzen. Mit Kettensägen habe man versucht, in die Kirche einzudringen. Die Liste der Schäden am historischen Gebäude ist lang: Bänke und Türen zerstört, Dachrinnen und Abflussrohre demontiert, gar die Glocke gestohlen. Als vor vier Jahren das Gelände der ehemaligen Lungenklinik Albrechtshaus, die vor 14 Jahren schloss, in Flammen aufging, dachten viele Stieger Gemeindeglieder, dass nun auch für die Stabkirche die letzte Messe gesungen wird.
Doch sie fanden sich zusammen: der damalige Ortsbürgermeister Helmut Hoppe, Sybille Ziesenhenne mit ihrer Erfahrung als Bauingenieurin, Menschen wie Mathias Wenzel und Regina Bierwisch, die das Bauwerk erhalten wollen. Heute zählt ihr Verein 64 Mitglieder. Sie wollen ihrem Kirchlein Beine machen, indem sie etwas auf die Beine stellen. So planen sie, die Stabkirche, die an der Strecke der Harzer Schmalspurbahn steht, in das rund sechs Kilometer entfernte Dorf Stiege umzusiedeln.
Das Gebäude könnte der Verein von der Firma, der auch das Gelände des ehemaligen Sanatoriums gehört, zu einem eher symbolischen Preis übernehmen. Das könnte nach den Worten von Regina Bierwisch schon bald geschehen. Dann gehe es an das Schreiben der Fördermittelanträge. Spenden für die Umsetzaktion werden seit einiger Zeit gesammelt. Während der Verein die neue Fläche am Bahnhof von der Stadt Oberharz am Brocken pachten kann und ein Experte ein Baugrundgutachten erarbeitet und Bodenproben nimmt, bereiten die technischen Umzugsmodalitäten Kopfzerbrechen. Erste Pläne sahen vor, die Kirche in ihre Einzelteile zu zerlegen und wie ein Puzzle am neuen Standort zusammenzusetzen. Doch der Plan, per Schwerlasttransporter den Weg vom Waldstück in den Ort zu bewältigen, scheint an schmalen Zufahrten und zu engen Kurven zu scheitern.
Nun sollen andere Verkehrsmittel genutzt werden, um die Kirche auf Reisen zu schicken. Das Mittelschiff könnte zerlegt auf den Schienen der Schmalspurbahn an den neuen Standort umziehen. Die Seitenschiffe der Stabkirche möchte man per Luftfracht nach Stiege versenden. Riesige Lastenhubschrauber würden die Gebäudeteile an den Haken nehmen. Die Kosten für das Unterfangen liegen bei rund einer halben Million Euro. Ein ambitioniertes Vorhaben, doch Regina Bierwisch und ihre Mitstreiter, die eng mit dem Denkmalschutz zusammenarbeiten, strahlen großen Optimismus aus. Mit Benefizkonzerten und weiteren Aktionen wolle man die Spendenkasse füllen und hofft auf eine tatkräftigere Unterstützung des Kirchenkreises.
Am Tag des offenen Denkmals am 10. September sind wieder Führungen durch die nordische Holzkirche geplant.

www.stabkirche-stiege.de

Autor:

EKM Nord aus Magdeburg

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