Reformationsgeschichte vor der Haustür

Uwe Lehmann vor der Kanzel in der Zwötzener Kirche mit seiner Publikation über die Familiengeschichte derer von Lüschwitz, für die er ausgezeichnet wurde.
  • Uwe Lehmann vor der Kanzel in der Zwötzener Kirche mit seiner Publikation über die Familiengeschichte derer von Lüschwitz, für die er ausgezeichnet wurde.
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Ausgezeichnet: Hobbyhistoriker Uwe Lehmann erhielt für eine Familiengeschichte einen Preis

Von Wolfgang Hesse

Viele kennen Uwe Lehmann als Gästeführer mit schwarzer Kutte und Laterne. Jetzt wurde er im Rahmen des Historikerpreises »Ur-Krostitzer Jahresring« in der Kategorie Familiengeschichte geehrt. Er richtet sich an Hobbyhistoriker, die sich vorrangig mit regionaler Geschichte beschäftigen. Uwe Lehmanns Publikation behandelt »Die Familie derer von Lüschwitz zu Zwötzen vor, während und nach der Reformation«.
Uwe Lehmann ist in diesem Geraer Stadtteil aufgewachsen. Von klein auf interessierte sich der Hobbyhistoriker für die Geschichte von Gera, insbesondere seines Heimatortes Zwötzen. Die Mitglieder der benachbarten Kirchengemeinden Zwötzen, Liebschwitz, Taubenpreskeln und Kaimberg kennen ihn vom vierteljährlichen Gemeindeblatt. Seit über 20 Jahren schreibt Lehmann Beiträge zur Ortsgeschichte und berichtet dabei von Persönlichkeiten und Ereignissen in seiner Heimat. Seit Anfang der 90er-Jahre gehört er zum Gemeindekirchenrat und übernimmt auch des Öfteren als Lektor die Gottesdienste.
»Im Zuge der Lutherdekade und dem Reformationsjubiläum habe ich eine Schulung für die Geraer Gästeführer organisiert und über die Geschichte und die Personen der Reformation in Gera berichtet. Im Zusammenhang meiner Recherchen bin ich neugierig geworden und wollte wissen, was zu dieser Zeit hier in Zwötzen passierte«, erklärt er. »Dabei stieß ich auf die Familie derer von Lüschwitz, die hier zwischen 1450 und 1691, also knapp 250 Jahre, lebte und Eigentümer des Rittergutes in Zwötzen war.« Der Anlass für seine Nachforschungen war ein Aufruf zur Reformationsgeschichte vor Ort vom Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Über sechs Monate studierte Lehmann historische Schriften im Internet, war im Stadtmuseum Gera, dem Stadtarchiv und in der Geraer Bibliothek aktiv. Dabei stieß er auf das Phänomen, dass fast alle männlichen Nachkommen derer von Lüschwitz den Vornamen Gerhard trugen. »Ich habe in meiner Arbeit versucht, das Adelsgeschlecht zu sortieren. Dabei bin ich auf 33 Nachfahren mit dem Namen Gerhard gekommen, die ich erstmals unterschieden und mit römischen Zahlen versehen habe«, weiß der Hobbyhistoriker. Schon vor 1533 habe der evangelische Glaube um Gera herum Fuß gefasst, obwohl der Herr der Stadt selbst sehr lange am Katholizismus festhielt. Visitationsprotokolle mit den Namen derer von Lüschwitz belegten, dass es unweit von Gera Lutheraner gab. »Gerhard [XXVIII.] war ein bedeutender Vertreter der Familie und ein Zeitgenosse von Heinrich Posthumus Reuß«, hat Uwe Lehmann herausgefunden. Der Reuße herrschte um 1600 und gilt als Vollender der Reformation in Gera. »Auf das Wirken dieses Gerhards geht möglicherweise die Wandlung der Rittergutskapelle in eine Kirche zurück«, schätzt Lehmann. »Heinrich Posthumus spendete Geld für einen Turm an der Kirche in Zwötzen. 1604 hatte Zwötzen einen eigenen Pfarrer, der ab 1610 auch im Ort wohnte.«
Noch sei die Familiengeschichte nicht zu Ende geschrieben, gibt Uwe Lehmann zu bedenken, denn erst um 1735 starb die Familie mit dem Tod des letzten männlichen Nachfahrens aus. Er möchte einen Teil des Preisgeldes in Höhe von 500 Euro für die Weiterarbeit verwenden. Dazu will er in Franken recherchieren, wo ein bedeutender Zweig der Familie derer von Lüschwitz lebte. Ein Teil des Preisgeldes stellt Lehmann dem Geschichtsverein in Zwötzen zur Verfügung, dessen Gründungsmitglied er ist und der ihn bei seiner Publikation unterstützte.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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