Dorfkirche St. Susanna in Dederstedt
Glocken der Einheit

 Am 3. Oktober wurden die neuen Glocken der Gemeinde vorgestellt. Allerdings können sie erst nach Reparatur des Kirchturms an den Ort ihrer Bestimmung gelangen.
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  • Am 3. Oktober wurden die neuen Glocken der Gemeinde vorgestellt. Allerdings können sie erst nach Reparatur des Kirchturms an den Ort ihrer Bestimmung gelangen.
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In den letzten Wochen traf sich die SOKO „Glocken“ in Dederstedt in immer kürzeren Abständen. An diesem Samstag, dem 3. Oktober, war es soweit: Die drei neuen Glocken zogen ins Dorf ein. Mit einem Festgottesdienst in der Kirche St. Susanna sollen sie begrüßt werden. Die Jägerschaft hat ein Holzgestell gebaut, wo sie aufgehängt werden, damit die Festgäste sie bewundern und auch selbst einmal anschlagen können. Der Heimat- und der Schützenverein sowie die Kirchengemeinde und der Pfarrhausverein halfen bei der Festvorbereitung. Alle packten an, räumten auf, mähten den Rasen im Kirchgarten und bauten sogar die Mauer am Kirchengelände wieder auf, die bei einem Sturm umgekippt war. Das Festprogramm wurde vorbereitet. Und auch, dass die Glocken so sind, wie sie jetzt sind, haben viele Menschen mitentschieden.
„Wir haben drei Gruppen gebildet. Es wurde überlegt, was auf den Glocken abgebildet sein soll, welche Sprüche darauf kommen. Zudem durften wir entscheiden, wie sie gestimmt werden sollten“, erklärt Regina Weihrauch aus dem Gemeindekirchenrat. Der Text „Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ zieht sich über die Glocken. Die erste zeigt zudem reliefartig die Kirche, die zweite verweist auf „30 Jahre deutsche Einheit, Recht und Freiheit“ und zeigt eine Taube, und die dritte zeigt die Namensgeberin der Kirche, die Heilige Susanna.
„Angefangen hat alles, als ein Glockensachverständiger hier im Kirchturm war und feststellte, dass das Eisenjoch der Glocke in einem Zustand war, dass diese nicht mehr geläutet werden kann“, erklärt Pfarrerin Eva Kania. „Zum 50. Geburtstag vom örtlichen Landwirt, Dirk Höver, wurde Geld gesammelt, damit die Glocke bald wieder läuten kann.“ Das ganze Dorf beteiligte sich daran, Christen und Nichtchristen. Das sei so üblich in dem kleinen Ort im Landkreis Mansfeld-Südharz: Die örtlichen Vereine und die Kirchengemeinde packen zusammen an und stellen gemeinsam viel auf die Beine. „Mir hat mal eine Dorfbewohnerin gesagt: Ich bin zwar nicht in der Kirche, aber die gehört doch zum Dorf, und da mache ich mit“, erinnert sich Regina Weihrauch.
Als die Glocke fertig war, habe man sie zur Hubertusmesse im Herbst 2018 wieder eingeweiht. Sie funktionierte wieder. Doch es handelt sich um eine Eisenhartgussglocke, die nach dem Ersten Weltkrieg anstelle einer eingeschmolzenen Glocke auf den Kirchturm kam. Derartige Glocken haben eine sehr beschränkte Lebensdauer von 60 bis 80 Jahren. Die Dederstedter brachte es fast auf 100.
Unter den Besuchern der Hubertusmesse war auch Eberhard Henze, der in Dederstedt seine Kindheit verbrachte, Medizin studierte und "in den Westen" ging. Bis zu seiner Pensionierung vor acht Jahren war er Professor an der Uniklinik in Kiel. Er sagte 2018 bei der Hubertusmesse: „Wenn Dederstedt so etwas auf die Beine stellt wie die Instandsetzung der Glocke, dann bin ich bereit, eine Bronzegussglocke zu spenden.“ Doch dabei blieb es nicht. Er übernahm die Kosten für alle drei Glocken, die nun in den Glockenstuhl kommen sollen. Überhaupt ist Eberhard Henze oft wieder in Dederstedt und packt mit an. So trafen wir ihn, auf einem kleinen Gerüst stehend, am steinernen Torbogen zum Pfarrgarten mit der Maurerkelle in der Hand. „Mein Vater war hier im Ort Handwerker“, erzählt er.
Die Glocken können allerdings derzeit noch nicht eingebaut werden. Dazu bedarf es noch einer Turmsanierung. Das soll über mehrere Jahre Schritt für Schritt gemacht werden. „Aber im nächsten Jahr soll die Sanierung schon so weit fortgeschritten sein, dass die Glocken in den Turm ziehen können“, sagt Marion Harborth, stellvertretende Ortsbürgermeisterin und aktiv im Pfarrhausverein. Sie erzählt auch, dass das Gestell, das die Jägerschaft für die Glockenbegrüßung gebaut hat, später eine neue Funktion erhalten soll. Es werde vor der Kirche zu einem „Denkmal“ umgebaut. Die noch aktive Eisenglocke und eine weitere Eisenglocke, die schon kurz nach ihrer Einweihung kaputt ging und nicht mehr läutbar war, sollen dort einen neuen Platz bekommen. „Vorher müssen sie noch konserviert werden, damit sie nicht rosten“, so Regina Weihrauch. Für die Turmsanierung hat die Kirchengemeinde mehrere Förderanträge gestellt.
Und noch ein anderes Projekt will man im nächsten Jahr in Angriff nehmen, nämlich die Sanierung des Kirchenschiffs. Dank einer Spende könne man mit einer Wand beginnen. Die Dederstedter haben jede Menge Ideen, nicht nur in baulicher Hinsicht. „Früher hatten wir in dieser Kirche immer abwechselnd evangelische und katholische Gottesdienste“, erzählt Marion Harborth. Man könne sich gut vorstellen, die Kirche zukünftig wieder auf diese Weise zu nutzen, meint Regina Weihrauch.
Claudia Crodel

 Am 3. Oktober wurden die neuen Glocken der Gemeinde vorgestellt. Allerdings können sie erst nach Reparatur des Kirchturms an den Ort ihrer Bestimmung gelangen.
Die Namenspatronin der Kirche St. Susanna ziert eine der neuen Glocken.
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Online-Redaktion aus Weimar

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