Ruhlaer helfen in Ruanda

Manja Güldenpfennig betrachtet mit Dina, dem Patenkind der Evangelischen Grundschule in Eisenach, ein von ihren Schülern gestaltetes Fotobuch.
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  • Manja Güldenpfennig betrachtet mit Dina, dem Patenkind der Evangelischen Grundschule in Eisenach, ein von ihren Schülern gestaltetes Fotobuch.
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Patenschaft: Persönlicher Kontakt und konkrete Hilfe vor Ort

Von Susanne Reinhardt

Ich bin mit einem Koffer voller Geschenke nach Afrika gereist und mit einem noch praller gefüllten Koffer mit Eindrücken zurückgekommen«, erklärt Manja Güldenpfennig, Leiterin der Evangelischen Grundschule in Eisenach. Sie besuchte in den Winterferien gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem evangelischen Pfarrer Gerhard Reuther aus Ruhla, Patenkinder in Ruanda.
Für hiesige Verhältnisse sind es Kleinigkeiten, die sie als Geschenke mitnahm, die aber im fernen Afrika eine große Hilfe darstellen können – ein paar Buntstifte und ein paar Schul-
T-Shirts. Bei der Übergabe konnte sie jedoch zwiespältige Gefühle nicht unterdrücken. Denn zum einen sah sie Freude in den Augen der Kinder, aber andererseits unterstreiche man durch die Gabe den Eindruck, der dort über die »reichen Weißen« vorherrscht. Sie werden in der Landessprache Kinyarwanda nicht umsonst »Muzungu« genannt, was auch Reichtum ausdrückt. Ganz anders das Geschenk, das Kinder der Grundschule in Eisenach selbst gestaltet haben, ein Buch mit Fotografien über ihren Schulalltag und Zeichnungen für Dina. Das neunjährige Mädchen sog die Bilder förmlich mit ihren Blicken auf, berichtete Manja Güldenpfennig. Mit einem verhältnismäßig geringen monatlichen Geldbetrag ermöglichen die Eisenacher Schüler dem aus einem Elternhaus von elf Kindern stammenden Mädchen den Schulbesuch. Sie ist nicht das erste Kind, das die Evangelische Schule über das Bildungs-Patenschafts-Projekt, das vor zehn Jahren vom 1Welt-Kreis Erbstromtal gegründet wurde, betreut. Es sind vor allem benachteiligte Kinder, die darin Unterstützung finden. Dina ist gehörlos. Die Eltern, Vater Schuster, Mutter Schneiderin, schaffen es nicht, das Geld für Schulkleidung und Bücher aufzubringen.
Dass das Bildungs-Patenschafts- Projekt trotz einiger Berg- und Talfahrten seit zehn Jahren so erfolgreich ist, beweisen unter anderem die beiden jungen ruandischen Frauen Joyce und Brown. Mit ihnen fing alles an. Ein Ehepaar aus Ruhla übernahm damals die erste Patenschaft der beiden Mädchen, die, wie viele andere Patenkinder auch, gehörlos sind. Die jungen Frauen sind heute 25 Jahre alt, und können ein abgeschlossenes IT-Studium vorweisen. Zwar fanden sie bisher keine Anstellung, bewiesen aber Eigeninitiative. Brown eröffnete einen Laden, in dem sie selbst geschneiderte Kleidung und Taschen anbietet, und Joyce kümmert sich um ihren Werbeauftritt im Internet. Außerdem gründeten die beiden selbstbewussten Frauen einen Gehörlosenverein.
Da man mit den unterschiedlichsten Kooperationspartnern der Vergangenheit in Ruanda nicht immer zufrieden war, gibt es seit 2015 den »Mann vor Ort«. Der heute 68-jährige Sozialpädagoge Dietmar Mauermann aus Düsseldorf verwaltet und leitet das Projekt, worin er heute von seiner ruandischen Ehefrau Susan unterstützt wird. Seine Arbeit ist ehrenamtlich. Da die Patenkinder oft im gesamten Land verstreut leben und der Betreuer weite Strecken zurücklegen muss, sucht der 1Welt-Kreis jetzt nicht nur nach weiteren Paten, sondern auch Menschen, die einen Kompensationsfonds unterstützen würden. Um Kosten zu reduzieren, will man sich zukünftig verstärkt auf bestimmte Bildungseinrichtungen konzentrieren, die Kinder im Grundschulalter betreuen. Die Thüringer besuchten deshalb nicht nur viele Patenkinder und lernten einen Streetworker kennen, der alleinerziehenden Müttern Nähkurse anbietet, sondern besprachen auch die Zukunft des Projektes.
In zwei Jahren, so kündigte der Manager vor Ort nämlich an, möchte er sich in den Ruhestand begeben. Deshalb wird jetzt intensiv nach einem vertrauenswürdigen Kooperationspartner gesucht.

Weitere Informationen zum Projekt unter: Ev. Kirchengemeinde Ruhla-1Welt-Kreis, Telefon (0 32 22) 9 82 78 73, E-Mail
www.st-concordia.de

Manja Güldenpfennig betrachtet mit Dina, dem Patenkind der Evangelischen Grundschule in Eisenach, ein von ihren Schülern gestaltetes Fotobuch.
Pfarrer Gerhard Reuther mit Joyce und Brown. Mit ihnen fing das Bildungs-Patenschafts-Projekt vor 10 Jahren an.
Autor:

EKM Süd aus Weimar

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