Einladung zur Orgelweihe
Nach fast 50 Jahren erhält die St.-Nicolai-Kirche Oschersleben wieder eine Emporenorgel
- hochgeladen von Annett Bohse-Sonntag
Fast ein halbes Jahrhundert hat sie geschwiegen. Nun erklingt sie wieder: Die Emporenorgel der St.-Nicolai-Kirche wird am Sonntag, 13. September, dem Tag des offenen Denkmals, in einem festlichen Gottesdienst eingeweiht. Für die Kirchengemeinde geht damit ein Wunsch in Erfüllung, der viele Jahre Geduld, Engagement und Ausdauer erforderte.
Schon ihr außergewöhnlicher Name erzählt ihre Geschichte: Knauf-Rühlmann-Kühn-Schönefeld-Orgel. Er vereint die Namen der vier Orgelbauer beziehungsweise Orgelbauwerkstätten, die das Instrument über mehr als anderthalb Jahrhunderte geprägt haben. Den Ursprung legte Johann Gottlob Knauf mit seiner 1845 erbauten Orgel. Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie von der Orgelbauanstalt Rühlmann erweitert, später durch die Firma Kühn umgebaut und schließlich von der Orgelbaufirma Schönefeld umfassend restauriert, rekonstruiert und technisch neu geschaffen. Der Name macht damit deutlich, dass hier nicht einfach eine neue Orgel entstanden ist, sondern ein Instrument, das die Handschrift mehrerer Generationen von Orgelbauern in sich trägt.
„Eine Orgel wird für Generationen gebaut“, sagt Orgelbauer Thomas Augustin. Für ihn und das Team der Orgelbaufirma Schönefeld aus Stadtilm ist das Projekt deshalb etwas Besonderes. Denn vollständig neue Orgeln entstehen nur selten. Umso größer ist die Freude, dass die St.-Nicolai-Kirche nun wieder über ein Instrument verfügt, das Gottesdienste und Konzerte über viele Jahrzehnte begleiten wird.
Der Blick auf die Empore zeigt schon heute, wie sehr die neue Orgel den Kirchenraum verändert. Der historische Prospekt wurde nach dem Vorbild der früheren Orgel restauriert und mit neuen Pfeifen ausgestattet. Wo jahrzehntelang Leere herrschte, prägt nun wieder ein Instrument das Bild, das Tradition und moderne Orgelbaukunst miteinander verbindet. Mit 21 Registern, 1.529 Pfeifen und einer auf 5,5 Oktaven erweiterten Klaviatur bietet die Orgel außergewöhnliche musikalische Möglichkeiten. Hinzu kommen technische Besonderheiten wie eine Winddrossel, die eine besonders differenzierte Klanggestaltung ermöglicht. Während derzeit noch die letzten Pfeifen intoniert und gestimmt werden, wächst die Vorfreude auf den ersten großen Einsatz.
Auch Kantor Julius Jung fiebert diesem Moment entgegen. Zum ersten Mal am neuen Spieltisch zu sitzen und die ersten Töne erklingen zu lassen, sei ein bewegendes Erlebnis. Nach Jahrzehnten ohne eigenes Instrument könne die Kirchenmusik in St.-Nicolai-Kirche Oschersleben wieder in ihrer ganzen Vielfalt erklingen. Der Weg bis hierher war lang. Als die Marktkirche 1976 aufgegeben werden musste, verstummte auch ihre Orgel. Über viele Jahre blieb der Wunsch nach einem neuen Instrument unerfüllt. Erste konkrete Pläne entstanden 2016, ab 2020 nahm das Projekt schließlich Gestalt an. Möglich wurde es durch das große Engagement der Kirchengemeinde, des Fördervereins, zahlreicher Ehrenamtlicher, vieler Spenderinnen und Spender sowie öffentlicher Fördermittel. Ein besonderer Dank gilt dabei Georg Hanusch, der sich im Förderverein mit großem persönlichem Einsatz und Ausdauer für die Verwirklichung des Orgelprojekts engagiert hat. Mit der neuen Orgel findet die umfassende Erneuerung der St.-Nicolai-Kirche ihren vorläufigen Abschluss. Was über Jahrzehnte fehlte, kehrt nun zurück: ein Instrument, das den Kirchenraum mit Klang erfüllt, Menschen verbindet und den Gottesdiensten eine besondere Stimme verleiht.
Zur feierlichen Orgelweihe am 13. September lädt die Kirchengemeinde herzlich ein. Im Gottesdienst wird die neue Knauf-Rühlmann-Kühn-Schönefeld-Orgel offiziell in Dienst genommen – und nach fast 50 Jahren wird die Königin der Instrumente in St. Nicolai wieder ihre Stimme erheben.
Artik
Autor:Annett Bohse-Sonntag |
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