»Nathans Kinder«

Predigt im Alten Theater

Von Johannes Killyen

Nur du, wieder du, immer du« – 26 Mal spricht der in Liebe entbrannte Kreuzritter Kurt die von ihm angebetete Recha an. In einem Liebesbrief, den es im Originaltext von Ulrich Hubs Jugendstück »Nathans Kinder« gar nicht gibt. Die Dessauer Inszenierung von Jana Vetten, noch etliche Male auf der Bühne des Alten Theaters zu sehen, rückt in Anlehnung an Lessing die Liebe zweier junger Menschen in den Mittelpunkt, die vom unversöhnlichen Streit der Religionen bedroht ist.
Hier anzuknüpfen war für die Dessauer Theaterpredigten, die sich dem Dialog zwischen Religion und Kunst widmen, Pflicht. Die 19. Predigt hielt am 14. Mai in St. Johannis mit dem Münsteraner Theologen und Kulturpädagogen Hans-Rüdiger Schwab ein wortgewaltiger Mann, der klare Worte nicht scheut. Die Liturgie übernahm Ortspfarrerin Geertje Perlberg. Sowohl der Inszenierung als auch dem Grund­ansatz von Hub und Lessing hatte Schwab Fragen zu stellen: Würde die Abschaffung der Religionen, die Kreuzritter Kurt am Ende mit heißer Stirn fordert, tatsächlich zum Frieden führen? Ist Toleranz dann erreicht, wenn alle ihre religiöse Überzeugung zurückstellen und übereinkommen, dass es egal ist, ob man Muslim, Christ oder Jude ist?
Schwab, der zugleich künstlerischer Leiter des aufsehenerregenden Zerbster Prozessionsspieles ist (Aufführungen im September), vertritt eine andere Ansicht: Erst im überzeugten Bekenntnis für die eigene könne man andere Religionen mit ihren Eigenheiten angemessen wertschätzen. Und attestiert dem gerade in Ostdeutschland verbreiteten Atheismus eine geringe Bereitschaft zur Toleranz gegenüber glaubenden Menschen.
Die Ausführungen zum Jugendstück wurden von jungen Stimmen des Vokalensembles der Musikschule »Kurt Weill« Dessau-Roßlau in herrlich frische Töne gebettet – in Lieder, die nicht zuletzt von Liebe erzählten.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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