Der Traum soll wahr werden

Rundbau: Der Entwurf des Architekten Alfred Jacoby zeigt, wie die neue Synagoge einmal aussehen soll. (Repro: Lutz Sebastian)
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Neue Synagoge: Jüdische Gemeinde zu Dessau will in diesem Jahr den Grundstein legen

Von Danny Gitter

Es war eine große Überraschung«, erzählt Alexander Wassermann, wenn er an den Februar 2014 zurückdenkt. Zur Eröffnung des 22. Kurt-Weill-Festes im Anhaltischen Theater regte die Kurt-Weill-Gesellschaft den Neubau einer Synagoge in Dessau an. In der Pogromnacht 1938 brannte der mächtige Kuppelbau mit dem goldenen Davidstern als einer der ersten im Deutschen Reich. Nach dieser Nacht verschwand mit der Synagoge auch schnell das jüdische Gemeindeleben. Die Familie Weill war für ein paar Jahre Teil der Gemeinde. Den Vater des berühmten Komponisten zog es einst mit seiner Familie aus dem Badischen für eine Anstellung als Kantor nach Dessau. Kurt Weill wurde hier geboren. Noch vor der Pogromnacht kehrte die Familie der Stadt den Rücken.
Was die Dessauer Fürsten durch ihre Toleranzpolitik über Jahrhunderte zur Blüte brachten, vernichteten die Nationalsozialisten in kurzer Zeit. Es sollte bis Anfang der 1990er-Jahre dauern, bis sich wieder jüdisches Gemeindeleben in Dessau etablierte. Heute haben die rund 300 Gemeindemitglieder ein Haus in der Kantorstraße als Anlaufpunkt, das dort steht, wo einst die Synagoge stilprägend war. Der bestehende Gemeindesaal ist oft zu eng für größere Veranstaltungen, weshalb immer Räume etwa im Georgenzentrum oder im Hotel »Fürst Leopold« gemietet werden müssen.
Eine Stele erinnert daran, was der Stadt im Jahr 1938 genommen wurde. Deshalb elektrisiert der Gedanke eines Neubaus einer Synagoge seit fast vier Jahren die Gemeinde. Doch erst jetzt besteht Hoffnung, den großen Traum auch tatsächlich zu realisieren. »Wenn alles klappt, wie wir uns das vorstellen, dann könnte am 9. November der Grundstein für eine neue Synagoge gelegt werden«, sagt Alexander Wassermann. Es hätte Symbolcharakter. Genau 80 Jahre nach der Zerstörung der einstigen Synagoge würde damit gezeigt, dass zwar etwas unwiederbringlich verloren ging, aber Hoffnung und Toleranz auf lange Sicht menschenfeindliche Ideologien überwinden. Um diesen Traum, der in Form eines Anbaus an das bestehende Gemeindehaus wahr werden soll, wurde in den vergangenen Jahren hart gerungen.

Schwierige Suche nach Spendern und Förderern

Längst hat man sich von Visionen verabschiedet. Eine komplett neue Synagoge, wie sie sich die Kurt-Weill-Gesellschaft vorstellte, scheiterte am zu hohen Preis. 2,5 Millionen Euro hätte das Projekt gekostet. »Wir haben wirklich alles versucht, dieses Geld aufzubringen«, sagt der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde zu Dessau. Fast 30 Briefe habe sie an große, namhafte Unternehmen geschrieben und darum gebeten, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Sie habe versucht, Verwandte von Kurt Weill ausfindig zu machen und um Unterstützung zu bitten. Doch alles war vergebens. Der beauftragte Architekt Alfred Jacoby, der unter anderem an der Hochschule Anhalt lehrt, der jüdischen Gemeinde in Offenbach am Main vorsteht und schon mehrere Synagogen in Deutschland und den USA entwarf und realisierte, reduzierte seinen Neubau auf einen Anbau. Die Kosten wurden damit auf 1,2 Millionen Euro gesenkt. Gleichzeitig reichte das Dessauer Architekturbüro Bankert/Sommer, das unter anderem das Dessauer Diakoniezentrum realisierte, einen Wettbewerbsbeitrag ein, der in der Realisierung rund eine Million Euro gekostet hätte. Doch ein elfköpfiges Kuratorium, das unter anderem aus Vertretern der jüdischen Gemeinde, der Stadt Dessau-Roßlau und der Landeskirche Anhalts besteht, entschied sich Ende 2017 doch für den Entwurf von Alfred Jacoby. Der Rundbau, der den zukünftigen Gemeindesaal beherbergen soll, ähnelt einer Tora-Rolle.
Ein Drittel der Kosten, rund 400 000 Euro, sind bisher gesichert. Die Stadt Dessau-Roßlau bezuschusst das Vorhaben mit 100 000 Euro. Der Rest sind Gelder des Zentralrats der Juden, der Dessauer jüdischen Gemeinde und Spenden. Für die restlichen 800 000 Euro soll es unter anderem Gespräche mit der Landesregierung und Stiftungen geben. Großspender sollen im Anbau namentlich verewigt werden.

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Online-Redaktion aus Weimar

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