Vom Gärtner in der gemütlichen Hütte lernen

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Johannes 12, Vers 24

Von Katharina Freudenberg, Vikarin in Holzthalleben

Auf diesen Moment wartet er Jahr für Jahr. Wochenlang ist nichts zu sehen außer brauner Erde. Und dann, ganz leise und zaghaft, gräbt sich ein kleines Grün hindurch und beginnt sich langsam zu strecken. So oft hat er es in den vergangenen dreißig Jahren schon gesehen, und doch ist es jedes Mal eine kleine Sensation, wie aus diesem kleinen Saatkorn solch eine imposante Pflanze wird. Er bemüht sich, dass die kleinen Triebe einen guten Start haben.
Und doch klappt es nicht immer. Besonders die Möhren tun sich in seiner Erde mitunter schwer und er muss sie ein zweites Mal aussäen, bevor sich das erste Grün zeigt. In den ersten Jahren hat er sich noch darüber geärgert und sich gefragt, ob er etwas falsch macht. Mittlerweile weiß er, dass das Gelingen nicht nur in seiner Hand liegt. Wenn ihm ein Nach-
bar zuraunt: »Mensch, was du wieder für tolle Kartoffeln gezogen hast«, dann ist es ihm ein Bedürfnis zu sagen: »Ich habe versucht, gute Bedingungen zu schaffen, aber ich kann die Pflanze nicht selbst in die Höhe ziehen und ihre Früchte formen. Das tut ein anderer.«
Im Laufe des Jahres kommen auch die Kinder aus der Kirchengemeinde gerne zu ihm. Sie nennen ihn den »Gärtner mit der gemütlichen Hütte«, denn dort hat er meist eine Kleinigkeit für sie vorbereitet. Oft erzählt er ihnen eine Geschichte aus der Bibel und dann dürfen sie etwas im Garten mitmachen. Die Kinder fühlen sich wohl bei dem
alten Gärtner, der immer noch darüber staunen kann, wie seine Pflanzen wachsen. Sie spüren sein Gottvertrauen. Er versucht nicht, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Er lässt den Kindern Platz
für Gedanken und Fragen und bereitet damit einen guten Boden für ihr Glaubens-Samenkorn. Der Wochenspruch ermutigt uns, es dem Gärtner gleichzutun: von der eigenen Person abzusehen, das innere Streben nach Ehre sterben zu lassen und stattdessen mitten in unserem aktiven Tun auf Gottes Wirken zu vertrauen.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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