Äußerlich, innerlich

Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.
2. Korinther 4, Vers 18 b

Von Albrecht Lindemann, Pfarrer in Zerbst

Elisabeth hatte Freude am Leben. Kindheit und Jugend erlebte sie gemeinsam mit Eltern, Brüdern und Freundinnen an einem Ort, der für sie Heimat war. Sie konnte das Schneiderhandwerk erlernen und fand darin ihren Beruf. Der Hochzeit folgten die Kinder. Elisabeth war glücklich. Dann kam das Alter und mit ihm schwere körperliche Gebrechen. Verfall wurde sichtbar. Was blieb – Müdigkeit, Rückzug in die Trübsal?
Nicht Elisabeth! Sie lebte nicht den Verfall, sie lebte die Hoffnung. In ihr brannte die Liebe zum Leben, zu Gottes Schöpfung und seinen Geschöpfen. Inmitten von Leben lebte sie, im Glauben innerlich Tag für Tag erneuert. Viele halfen, damit dies möglich blieb, auch nach dem Tod des Mannes. Elisabeth und ihr Rollator machten vor keinem Hindernis halt, das mit Menschenhilfe zu überwinden war. Als die Kräfte schwanden, blieben Menschen an ihrer Seite, teilten Gedanken zum Gewesenen und zum Kommenden.
Am Karfreitag, mit dem Geläut zum Gottesdienst zur Sterbestunde, hat ihr Schöpfer Elisabeth zu sich genommen. In großer Gemeinschaft haben wir an ihrem Grab Abschied genommen. Bei aller Traurigkeit schwangen Dankbarkeit und auch Fröhlichkeit in den Erinnerungen an Zurückliegendes und doch nicht Vergangenes. Es wäre dennoch verfehlt zu behaupten, unsere Erinnerungen bewahrten einen Menschen für immer. Mit uns werden auch sie gehen. Wie kurzsichtig wäre Trost, der auf Zeitliches baut. Wie trostlos wäre die Welt, wenn die Ewigkeit auf unser Vermögen und die Zeit beschränkt wäre. Die Ewigkeit ist Gottes. Ich bin gewiss, Elisabeth sieht, was für uns noch unsichtbar ist: ewige, gewichtige Herrlichkeit.
Manchmal wird behauptet, es gäbe kein Sterben ohne Angst. Auch das ist falsch. Wenn uns der sichtbare und spürbare Verfall des Sichtbaren zeigt, wie zeitlich wir in unserer äußerlichen Existenz sind, erweist sich die Stärke der Hoffnung, die in uns wirkt. Elisabeth achtete sehr auf das Sichtbare, ihre Zuversicht aber gründete im Unsichtbaren. Im Sichtbaren suchte sie Ordnung, im Unsichtbaren ersehnte sie die Herrlichkeit. Als das Ende des Zeitlichen spürbar nahte, wünschte sie sich die Ewigkeit. Auch ihren letzten Weg ging Elisabeth glaubensvoll. Wer so stirbt, der stirbt wohl.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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