Cumbach: Ehepaar nahm mehr als 20 Pflegekinder auf und wurde nun geehrt
Ein Zuhause auf Zeit

Veronika und Gernot Häußler

Veronika und Gernot Häußler waren völlig überrascht, als sie eine Einladung in die Thüringer Staatskanzlei im Postkasten fanden. Als Würdigung ihres langjährigen Engagements als Pflegeeltern wurden sie mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt. Neben der ganzen Familie war auch der 28-jährige Christian beim Festakt dabei. „Er ist uns ans Herz gewachsen wie ein eigener Sohn. Mit dem Einverständnis seiner Mutter haben wir ihn taufen lassen. Ein guter Draht zu den Eltern ist sehr wichtig, damit diese nicht das Gefühl bekommen, ihre Kinder zu verlieren“, berichtet Veronika Häußler.
Das Bedürfnis, anderen Menschen zu helfen, trug bereits zu ihrer Berufswahl bei. Nach 1990 war die gelernte Krankenschwester als Mitarbeiterin des Rudolstädter Frauenhauses tätig und am Aufbau der Einrichtung beteiligt. Die berührenden Schicksale, von denen die 70-Jährige zu Hause erzählte, gingen auch Ehemann Gernot nahe und so war es ein Herzenswunsch beider, Kindern aus schwierigen Verhältnissen Geborgenheit, Liebe und soziale Sicherheit zu geben. Zwei der drei eigenen Kinder waren bereits erwachsen, als Christian 1994 als Dreijähriger bei der Familie einzog und dort aufwuchs. Seine Entscheidung, an der Evangelischen Fachschule in Eisenach eine Ausbildung zum Sozialpädagogen zu absolvieren, kam sicher nicht von ungefähr. Heute arbeitet er als Erzieher in einem Kindergarten.
Mehr als 20 Mädchen und Jungen fanden bei der Familie Häußler ein vorübergehendes Zuhause. Manche blieben mehrere Jahre, andere nur ein paar Monate oder Tage. Die meisten Aufenthalte waren geplant. Es gab aber auch Notfälle, wo sofort gehandelt werden musste und auch mal nachts das Telefon klingelte. „Einige Kinder haben bei uns zum ersten Mal erfahren, was häusliche Liebe und Zuneigung bedeutet. Sie kannten keinen geregelten Tagesablauf oder hatten nur die Kleidung dabei, die sie am Leib trugen“, nennt Gernot Häußler einige traurige Beispiele.
35 Jahre war der gelernte Raum-ausstatter im Gemeindekirchenrat Cumbach aktiv, sang im Kirchenchor, im Oratorienchor und musizierte in einem Laienorchester. Mit der Kirche seines Heimatortes ist der 78-Jährige eng verbunden, hier wurde er getauft und konfirmiert. Wenn es in der Kirchengemeinde etwas zu organisieren oder anzupacken gibt, hilft das Ehepaar gern mit. „Nur als Pflegeeltern sind wir mittlerweile zu alt“, fügt er schmunzelnd hinzu. Wenn Veronika und Gernot Häußler auf diese Zeit zurückblicken, empfinden sie große Erfüllung. Sie bedauern, dass sich immer weniger Pflegefamilien finden und der Verein für Adoptiv- und Pflegeeltern Rudolstadt-Saalfeld 2018 aufgelöst wurde.
Ilka Jost

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