Dem Ruf der Glocken gefolgt

Türen öffnen: Odo Lilienthal war es als Vorsitzendem seiner Kirchengemeinde immer wichtig, gute Begegnungen zwischen Christen und Nichtchristen zu ermöglichen.
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Ehrenamt: Ein halbes Jahrhundert lang war Odo Lilienthal Kirchenältester in Halle-Mötzlich


Von Claudia Crodel

Im Mötzlicher Pfarrhof wurde im Sommer ein Baum gepflanzt. Ein Kupfertäfelchen verweist darauf, dass es die Lilienthal-Linde ist. Sie wurde zu Ehren eines Mannes gepflanzt, der eng verbunden mit der St. Pankratiuskirche ist und 50 Jahre lang im Gemeindekirchenrat tätig war,
39 Jahre davon als dessen Vorsitzender. Jetzt, 76 Jahre alt, hat sich Odo Lilien­thal aus dieser Tätigkeit verabschiedet. Aber: »Wenn ich gebraucht werde, bin ich natürlich da, ich bin zu sehr verwurzelt hier und kann die Füße nicht still halten«, sagt er.
Erst als Erwachsener hat Odo Lilienthal zum christlichen Glauben gefunden. Das kam so: 1961 nach Mötzlich in ein Haus in unmittelbarer Nähe zur Kirche gezogen, vernahm er das Glockenläuten mehr als deutlich. Es zog ihn, den Ungetauften, hin in das Gotteshaus. »Es blieb nicht aus, dass ich von dem damals amtierenden Pastor Schollmeyer Taufunterricht begehrte, worauf mich dieser hocherfreut zu abendlichen Gesprächsrunden einlud«, erinnert sich Lilienthal. Mit 21 Jahren, im Oktober 1962, erhielt er die Taufe. Fünf Jahre später fragte Pastor Schollmeyer, ob er nicht im Gemeindekirchenrat mitarbeiten wolle. Anlässlich seiner Einführung erhielt er vom Pfarrer eine Bibel, in der die Stelle aus 1. Timotheus 4,12 markiert war: »Niemand verachte deine Jugend, sondern sei ein Vorbild den Gläubigen im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit.«
Bald wurde Lilienthal, der von Beruf Journalist war, der Stellvertreter des GKR-Vorsitzenden, eines Theologen. Als dieser 1978 samt Familie die DDR verließ, landete Lilienthal auf dem Posten des Vorsitzenden, den er bis zu diesem Frühsommer innehatte.
Sein Credo lautete in all den Jahren: »Kirche ist von dieser Welt und ist auch für diese da.« Er setzte – wie es auch schon vor ihm in St. Pankratius üblich war – auf Zusammenarbeit und Gemeinsames. So wird in Mötzlich der Pfingstgottesdienst seit vielen Jahren gemeinsam mit der evangelischen Heilandsgemeinde gefeiert. Das von Lilienthal gestaltete Kirchenblättchen ist so angelegt, dass auch Nichtchristen damit etwas anfangen können. Und das jüngste Beispiel: Seit Ostern gibt es mit der rumänisch-orthodoxen Gemeinde in Halle regelmäßige Gäste, die jede Woche ihren Gottesdienst in St. Pankratius abhalten.
»Wir sind kein toter Verein, wo sonntags ein paar alte Mütterchen hinkommen. Man muss Kirche sichtbar machen und die Verbindung zwischen Christen und Nichtchristen bauen«, sagt Lilienthal. Das gelingt in Mötzlich in außergewöhnlich guter Weise. Selbst zu DDR-Zeiten habe es keine konfrontativen Situationen mit Nichtchristen gegeben. Es war sogar ein Parteisekretär der SED, der als Maurer mit seiner Freizeitbrigade eines Tages geholfen hat, gegen den abfallenden Putz in der Kirche vorzugehen.
Das Erntedankfest, das Biker-Treffen, die Hubertusmesse und auch eine feine jährliche Kirchenkonzertreihe stehen für das gute Verhältnis mit Nichtchristen. Es gibt eine wunderbare Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein »Wir für Mötzlich«, mit der Feuerwehr, der Jägerschaft und, und, und. »Wir lassen auch weltliche Trauerfeiern in unserer Kirche stattfinden. Das ist die beste stille Mission, finde ich«, so Lilienthal. Und es habe sogar schon Wiedereintritte in die Kirche gegeben.

Türen öffnen: Odo Lilienthal war es als Vorsitzendem seiner Kirchengemeinde immer wichtig, gute Begegnungen zwischen Christen und Nichtchristen zu ermöglichen.
Die Pankratiuskirche im halleschen Ortsteil Mötzlich
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EKM Nord aus Magdeburg

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