Seife mit Geschichte
Ein Rüdersdorfer in Aleppo

Seife mit Geschichte: Die Kirchengemeinde Rüdersdorf-Kraftsdorf verkauft eine halbe Tonne Oliven-Lavendelseife in Bio-Qualität – und unterstützt damit ein besonderes Hilfs­projekt in Syrien.

Von Wolfgang Hesse

Alles begann im Jahr 2015 mit einem Hilfstransport in den Nordirak. Seit dieser Zeit bestehen die Kontakte zu Partnerkirchen und christlichen Hilfsorganisationen im Nordirak, im Libanon und in Syrien, erzählt Christian Kurzke. Der Pfarrer, der selbst während seines Vikariats im Libanon und in Syrien arbeitete und ein wenig arabisch spricht, kennt die Gegebenheiten vor Ort und weiß, was die Menschen an Soforthilfe benötigen. Mehrfach konnte er sich in der Krisenregion von der Wirksamkeit der Hilfen überzeugen.
Kurzke reiste Anfang Juli erneut für acht Tage zur Spendenübergabe nach Syrien. Im Gepäck Medikamente und Geldspenden im Wert von 12 000 Euro. Seine Reise führte ihn gemeinsam mit den Partnern vor Ort in die Region um Homs, nach Aleppo und nach Kessab. Hier, am Fuße des Musa Dagh unweit von Aleppo, übergab er eine Spende an den Seifenproduzenten Avedis Titizian. Der armenische Christ hatte seine komplette Existenz bei der Besetzung seiner Stadt durch islamische Terroristen verloren. Drei Monate wurde die Stadt durch die Al Nusra Front regelrecht geplündert und verwüstet. Avedis wollte dennoch in seiner Heimat bleiben und neu anfangen. Die Armenischen Christen haben inzwischen ihre Kirche notdürftig wieder hergerichtet. Auf der neuen Marienstatue stehen die Jahreszahlen 1915 und 2014 und daneben »Mutter Gottes, erbarme dich unser«. »Vor einigen Tagen haben wir 3 600 Stück beste Olivenseife, das ist knapp eine halbe Tonne, aus der Herstellung von Avedis Titizian hier in Rüdersdorf erhalten. Der komplette Erlös geht an die Seifenmanufaktur in Kessab«, erklärt Christian Kurzke. In Aleppo besuchte der Pfarrer das Kirchenzentrum »Church of Christ«.
Vor einem Jahr erhielt die einzige Zahnarztpraxis für 20 000 Menschen im Umkreis vom Rüderdorfer Hilfsprojekt einen Zahnarztstuhl. Kurzke übergab Spendengelder für den Generatorenstrom, denn immer noch sind Stromausfälle an der Tagesordnung. Tief erschüttert zeigte sich der Pfarrer vom Zustand Aleppos. »Zwölf Quadrat-kilometer sind heute menschenleer, liegen in Schutt und Asche, sind verbrannt, geplündert und ausgeraubt. Viele Wohnungen sind durch die Rebellen unbewohnbar gemacht worden. Selbst Stromkabel und Wasserleitungen wurden mitgenommen«, berichtet Kurzke. »Drei Jahre gab es keinen Strom und wochenlang kein Wasser. Man fragt sich, wie die Menschen trotz allem in ihrer Heimat geblieben sind. Unendliches Leid und normales Leben liegen oft so dicht beieinander.« Daher sei es wichtig, dass Kinder und Jugendliche zur Schule gehen und ausgebildet werden. Für die »School for boys« wurden Mittel zur Beseitigung der Kriegsschäden und Schulzuschüsse für arme Familien übergeben. Die Schule ist in der Trägerschaft der NESSL (National Evangelical Synod of Syria and Lebanon).
Letzte Station seiner Reise war Homs, die drittgrößte Stadt des Landes. Hier besuchte Kurzke die maronitische Gemeinde, deren Leiter, Jihad Nassif, in Deutschland studierte und voriges Jahr in der Rüdersdorfer Gemeinde über die Situation vor Ort berichtete. »Skelettviertel« nennt der maronitische Priester das Zentrum vom Homs, so gespenstisch ist es dort. Kein Mensch, kein Auto, nur Checkpoints sichern die Außengrenzen. Hier wird Leben auf Jahre nicht möglich sein, so groß ist die Verwüstung. Insgesamt 7 000 Euro konnte Kurzke in Homs übergeben. »5 000 Euro davon sind für den Innenausbau eines Freizeitheims der maronitischen Kirche, 8 Kilometer östlich von Homs gelegen, bestimmt. Schon der Rohbau wird derzeit genutzt. Bald können die Kinder hier auch übernachten und die zerstörte Betonwüste zumindest zeitweise vergessen und inmitten von grünen Obstplantagen auftanken«, berichtet Kurzke. »Das Haus soll ein Haus der Begegnung werden.« Die restlichen 2 000 Euro sind für medizinische Unterstützung gedacht, denn Jihad Nassif kümmere sich um viele Belange der Menschen, weiß Kurzke.
»Die erhebliche Summe für das Freizeitheim stammt hauptsächlich aus einer Kollekte der Westfälischen Landeskirche sowie von einem Benefizlauf der Christlichen Gemeinschaftsschule Gera. Das sind Spenden, die wir für konkrete Projekte in Syrien erhielten, erklärt der Gemeindepfarrer. Kurzke ist stolz auf »sein« Projekt, das inzwischen zu einem kleinen Hilfswerk angewachsen ist. Jährlich wird die Initiative mit 80 000 Euro von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) unterstützt. Das sind Mittel des Kirchlichen Entwicklungsdienstes der EKM (KED) im Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrum. Diese Gelder fließen in diesem Jahr in Bildungsprojekte im Nordirak, im Libanon und in Syrien. »Gerade die Flüchtlingskinder benötigen unsere Hilfe. Sie sind die Zukunft für diese Region«, so Kurzke.

Bestellt werden kann die »Seife der Hoffnung« für 3,50 Euro (zzgl. Versand) per E-Mail christiankurzke@web.de

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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