Teresa und ihr »Mix-Mix«-Laden

Von Ananas bis Zahnpasta – alles erhältlich bei Teresa Tomaro
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  • Foto: Nicolas Villaume
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Vor Ort erfahren, wie faire Geldanlagen aus Mitteldeutschland bei Frauen auf den Philippinen Früchte tragen – das war die Intention der Reise, zu der Vertreter der Entwicklungsgenossenschaft »Oikocredit« Anfang dieses Jahres aufbrachen.

Von Lena Husemann

Vor über 40 Jahren wurde auf Initiative des Ökumenischen Rates der Kirchen »Oikocredit« gegründet. Einmal im Jahr bietet die Entwicklungsgenossenschaft ihren ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden die Chance, Partnerorganisationen und Endkunden zu besuchen.
Weltweit sind es 70 Länder, in denen »Oikocredit« Mikrofinanzinstitutionen, Genossenschaften und kleine bis mittlere Unternehmen fördert. »Oikocredit« vergibt selbst keine Mikrokredite an Kunden, sondern unterhält vor Ort Länderbüros, in denen Mitarbeitende die insgesamt 801 Partnerorganisationen mit Finanzierung und Beratung unterstützen. Eine dieser Organisationen, die wir im Rahmen unserer Studienreise besuchten, ist die »Negros Women for Tomorrow Foundation« (NWTF). Drei Philippinas riefen sie 1986 ins Leben mit dem Ziel, ein karikatives Schulspeisungsprogramm auf der Insel Negros aufzubauen.
Daraus hat sich in der Zwischenzeit eine Stiftung mit mehr als 100 Niederlassungen auf den Visayas, der zentral gelegenen Inselgruppe der Philippinen, entwickelt. Über 60 Prozent der Kredite, die NWTF vergibt, werden als Mikrokredite an Gruppen von jeweils fünf Frauen vergeben, die einander beraten und solidarisch füreinander bürgen.
Das Programm nennt sich »Dungganon«, was mit »ich bin ehrenhaft« übersetzt werden kann. Es dient der Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und ihren Familien. In wöchentlichen Nachbarschafts-
treffen werden Kreditvergabe und Rückzahlungen vom NWTF-Fachpersonal koordiniert. Die sogenannten »laonofficer« sind ehemals oft selbst Empfängerinnen von Kleinkrediten gewesen und kennen die Bedürfnisse und Lebensumstände ihrer Kundinnen sehr gut. Und so ist es nicht verwunderlich, dass neben dem Finanziellen der Erfahrungsaustausch der Frauen und persönliche Themen auf der Tagesordnung der Treffen stehen.
Die Kundinnen werden von NWTF sorgfältig ausgewählt und beraten, damit die mit dem Kredit finanzierte Tätigkeit dauerhaft ein Einkommen für die Familien generiert und nicht umgekehrt der Kredit aus dem Familieneinkommen finanziert werden muss.
Ein weiterer Bonus ist das vielfältige Sozialprogramm. Davon kann auch Teresa Tomaro (43) berichten: »Ich habe sehr von den Programmen von NWTF profitiert, neben der finanziellen vor allem auch von der sozialen Unterstützung. Es gibt für alle Kundinnen samt Familien ein Versicherungs- und Gesundheitspaket. Daher bin und bleibe ich auch Kundin von NWTF. Wir bekommen hier vor Ort Training, Schulungen und Beratungen für Buchhaltung, Marketing, Budgetierung und Management«, erzählt sie freudig.
Teresa Tomaro begann 2002 als Kundin von NWTF mit einem Kredit von umgerechnet knapp 60 Euro. Sie lebt im 1 000-Seelen-Dorf St. Rita auf Bacolod. Der Ort besteht zum Großteil aus Bambusunterkünften ohne Toiletten, die Wasserzufuhr kommt über Pumpen im Hof. Die Hütten muten auf den ersten Blick vielleicht idyllisch an, aber wenn die Erde bebt oder es regnet und stürmt bieten sie wenig Schutz.
Die 43-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder. Sie betreibt einen Sari-Sari Shop; das heißt übersetzt Mix-Mix, also ein Kaufladen, in dem man alles Notwendige bekommt. Den Laden, der auf ihrem Grundstück liegt, hält sie täglich von 5 bis 20 Uhr geöffnet – außer sonntags, wenn das ganze Dorf zum katholischen Gottesdienst geht. Ihr Mann ist dank der Kredite Truckfahrer, er macht Lieferungen für den Shop und bietet weitere Transporte an.
Teresa Tomaro führt uns stolz umher, erzählt von ihrem Arbeitsalltag und den Effekten ihres Kleinkredits: »Von meinem ersten Profit haben wir den Boden unseres Hauses zementieren lassen. Darüber hinaus bin ich froh und dankbar, dass unsere Kinder jetzt zur Schule gehen können. Zwar kostet der Schulbesuch hier kein Geld, aber die Uniform, der Transport, die Bücher und Mahlzeiten konnten wir uns zuvor nicht leisten. Meine Älteste arbeitet nebenbei auch im Shop mit.« Sie ist ein Vorbild in der Nachbarschaft: »Da wir immer als fünfköpfige Frauengruppe einen Kredit bekommen, hat sich auch das Gemeinschafts- und Verantwortungsgefühl untereinander toll entwickelt. Ich rate meinen Freundinnen: Man braucht viel Geduld und muss es sehr ernst nehmen, den Kredit nur für das Geschäft einzusetzen!«
Damit schaffen es 30 Prozent der Kundinnen, innerhalb von fünf Jahren über die Armutsgrenze von 1,25 Dollar pro Tag zu kommen. So können sie für ihre Grundbedürfnisse aus eigener Kraft sorgen: ein festes Dach, Bildung, Kleidung, Hygiene, Nahrung – und sich auch kleine Wünsche erfüllen, die über das Notwendige hinausgehen: »Auf meinen Fernseher möchte ich nicht mehr verzichten«, lacht Teresa Tomaro.

Die Autorin ist Geschäftsführerin des
»Oikocredit«-Förderkreises Mitteldeutschland. Sie berichtet gerne bei Gemeinde­veranstaltungen über ihre Philippinenreise und »Oikocredit«, Telefon (03 91) 59 77 70 36

www.mitteldeutschland.oikocredit.de

Von Ananas bis Zahnpasta – alles erhältlich bei Teresa Tomaro
Treffen der Frauen von 
St. Rita im Community Center. Hier machen sie ihre Abrechnungen, tauschen sich aus, beten und singen 
gemeinsam.
Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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