Bachchor Ilmenau (und Gäste), Weimarer Barockensemble
Sopran - Henrike Henoch, Tenor - Christoph Pfaller, Bass - Christoph Pohl
Leitung - Hans-Jürgen Freitag
Karten von 10 bis 25 € an der Abendkasse und in den Buchhandlungen „Erlesenes“ und der
„Ilmenauer Bücherstube“ (nur Barzahlung)
Kantor Hans-Jürgen Freitag empfindet es als großes persönliches Glück, nach dem „Messias“ Anfang November und dem „Weihnachtsoratorium“ am Vorabend des vierten Advent, jetzt, als für mich letztes Werk mit dem Bachchor, auch noch die „Schöpfung“ aufführen zu dürfen.
Das Werk beginnt mit einem großen Knall (als hätte Haydn schon die Theorie vom Urknall gekannt), sofort ist der Zuhörer mittendrin und dabei bei der „Vorstellung des Chaos“ und erlebt nichts weniger als die Erschaffung der Welt. Nicht als wissenschaftliche Beschreibung physikalischer Prozesse, wie sie mutmaßlich gewesen sind aus der Sicht des 21. Jahrhunderts, sondern in mythologischen Bildern; eben so, wie man sich auch in der Zeit Haydns noch die Erschaffung der Welt vorstellte. Am siebten Tag ist „das große Werk vollendet“ und der „Schöpfer sieht’s und freuet sich“.
Bis dahin jagt ein Jubelchor den anderen und zwischendurch wird ungeheuer unterhaltsam und heiter geschildert, wie Gott die Welt erschafft - Himmel, Erde, Sonne, Mond, Sterne, Wetter, Pflanzen, Tiere und schließlich den Menschen. „O glücklich Paar, und glücklich immerfort, wenn falscher Wahn euch nicht verführt noch mehr zu wünschen, als ihr habt, und mehr zu wissen, als ihr sollt.“
Dieses Oratorium ist Gute-Laune-Musik vom Allerfeinsten, dabei allerdings bei aller Heiterkeit der Wiener Klassik keinesfalls naiv. Vielmehr wird die Pracht der Welt und das Wunder der Schöpfung einfach mit einer geradezu überbordenden Freude dargestellt. Eine Sicht auf die Welt, wie sie uns Heutigen nach zwei Weltkriegen, millionenfachem Massenmord, gegenwärtiger gesellschaftlicher Verunsicherung, Angst und allenthalben Bedrohungsszenarien nicht mehr ohne weiteres zur Verfügung steht. Ich bin tief berührt von der gedanklichen Unverdorbenheit und schlicht und einfach von dem Glück, das mir in dieser Musik
begegnet.
Dass wir, auch, und gerade, wenn unsere Welt so ganz anders ist, diese Musik haben, aufführen und hören können, erlebe ich als ein großes Geschenk.
Autor:EKM |